Kardinal zu Liturgiefragen: "Der Fluss fließt nicht rückwärts"
Der brasilianische Kardinal Jaime Spengler hält wenig von nostalgischen Vorschlägen zur Liturgie. In einem Interview mit dem spanischen Portal "Vida Nueva" am Freitag erklärte der Präsident der Brasilianischen Bischofskonferenz und des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM), die Liturgie habe im Lauf der Geschichte immer wieder Reformen erfahren. Das Zweite Vatikanische Konzil sei dabei eine große Anstrengung gewesen, grundlegende Elemente der Liturgie neu zu entdecken. "Nostalgische Vorschläge tragen nicht dazu bei, das zu fördern, was das Konzil als grundlegend für die Liturgie definiert hat", betonte Spengler. "Der Fluss fließt nicht rückwärts."
Der Kardinal und Erzbischof von Porto Alegre hatte Anfang Januar am außerordentlichen Konsistorium im Vatikan teilgenommen. Papst Leo XIV. tagte dabei anderthalb Tage lang mit rund 170 Kardinälen zu Fragen von Synodalität und Mission. Angesichts der begrenzten Zeit konnten die Kardinäle aus vier möglichen Themen wählen. Keine Mehrheit fand der von konservativen Kreisen favorisierte Vorschlag, über die vorkonziliare Form der Messe, die sogenannte "Alte Messe", zu diskutieren.
Mit Blick auf den Glauben erklärte Spengler, dieser bleibe zwar in seinem Wesen unverändert, doch Zeiten, Kulturen und Formen der Verkündigung wandelten sich. Offenheit für die Zeichen der Zeit und die gemeinsame Suche nach tragfähigen Antworten auf die großen Fragen seien daher unerlässlich. "Wir müssen uns vor Augen halten, dass die etablierte christliche Ordnung bereits überholt ist", so Spengler. Der Glaube sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr – umso notwendiger sei es, ihn neu und mit Mut zu verkünden. (mtr)
