Übernahme der Insel sei weder "notwendig noch akzeptabel"

US-Militärbischof zu Grönland: Soldaten könnten Befehl verweigern

Veröffentlicht am 20.01.2026 um 13:28 Uhr – Lesedauer: 

London ‐ Erzbischof Timothy Broglio, zuständiger Oberhirte für die US-Streitkräfte, hält einen möglichen US-Angriff auf Grönland für unvernünftig. In einem Interview erklärte er, Soldaten könnten einen entsprechenden Befehl aus Gewissensgründen verweigern.

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Laut dem US-Militärbischof Timothy Broglio könnten US-Soldaten einen möglichen Befehl zum militärischen Angriff auf Grönland verweigern. "Es wäre für einen Soldaten, einen Marineinfanteristen oder einen Matrosen sehr schwierig, einen solchen Befehl zu missachten", sagte er am Sonntag in der BBC-Radiosendung "Sunday". "Aber streng genommen wäre es für ihn oder sie im Rahmen ihres eigenen Gewissens moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern." Allerdings habe er die Sorge, dass sich die Soldaten dadurch in eine "unhaltbare Situation" begeben könnten.

Grundsätzlich hält der frühere Vorsitzende der US-Bischofskonferenz Trumps Maßnahmen gegen Grönland für "weder notwendig noch akzeptabel". Grönland sei ein "Territorium Dänemarks, und Dänemark ist ein Verbündeter", sagte er. "Es erscheint nicht wirklich vernünftig, dass die Vereinigten Staaten eine befreundete Nation angreifen und besetzen würden."

Broglio sah sich dazu gezwungen, sich zu äußern

Als Seelsorger für Militärangehörige sei er besorgt darüber, dass die US-Politik "den richtigen und moralischen Weg, auf diese Situationen zu reagieren", ignoriere. Auf die Frage, ob er "mit seinen Äußerungen einen Unterschied machen könne", antwortete Broglio, er wisse nicht, ob "die Mächtigen" offen für seine Worte seien, aber er halte es für seine Pflicht, sich zu äußern.

Präsident Trump beansprucht Grönland vor allem aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen. Die Insel liegt militärisch günstig zwischen Nordamerika, Europa und Russland, kontrolliert wichtige arktische Seewege und bietet Radar- sowie Stützpunktvorteile für das US-Militär. Zudem vermutet man enorme Rohstoffvorkommen wie Erdöl, Erdgas und seltene Erden. Am Wochenende verschärfte Trump seine Forderung nach der Kontrolle Grönlands: In einer Nachricht an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre erklärte er, er fühle sich "nicht länger verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken". (jlo)