Kardinal gegen Trump: Kein "Völkermord" gegen Weiße
Der Johannesburger Kardinal Stephen Brislin hat Vorwürfe von US-Präsident Donald Trump von einem "Völkermord" in Südafrika zurückgewiesen. "Das ist überhaupt nicht der Fall. Südafrika ist ein freies Land. Wir haben eine lebendige und erfolgreiche Demokratie", sagte Brislin dem US-Nachrichtenportal "Crux" am Wochenende. Er könne den Präsidenten seines Landes kritisieren "und ich habe keine Angst, dass ich dann verhaftet oder ins Gefängnis geworfen werde", führte der Vorsitzende der südafrikanischen Bischofskonferenz aus.
Es gebe zwar Initiativen wie das Black Economic Empowerment (BEE) der Regierung, das durch die Apartheid verursachte strukturelle Ungleichheit ausgleichen soll. "Es gibt Prozesse, um Menschen aufzubauen, um denen Möglichkeiten zu geben, die vorher keine hatten", so Brislin. "Aber das heißt nicht, dass jetzt die weiße Bevölkerung zurückgestellt wird", betonte er. Der Arbeitsmarkt sei vielmehr kompetitiver geworden, weil Jobs nicht mehr in erster Linie an Weiße gingen. "Das ist nicht unfair. Das ist die Realität." Von Dominanz oder Diskriminierung gegen Weiße zu sprechen, sei "wirklich unzutreffend und falsch".
Vor allem wirtschaftliche Gründe
Zwar gebe es Weiße, die das Land verließen. Dies täten sie jedoch aus wirtschaftlichen Gründen, etwa wegen des Jobmangels. Wie Menschen das Land verließen, kämen jedoch auch andere von auswärts ins Land.
US-Präsident Trump hatte Südafrika im November vom G20-Gipfel in Miami ausgeladen. "Um es ganz offen zu sagen: Sie töten weiße Menschen und lassen zu, dass ihnen willkürlich ihre Farmen weggenommen werden", begründete er seine Haltung, ohne Belege anzuführen. Die südafrikanische Regierung wies die Vorwürfe Trumps bereits mehrmals zurück.
Jahrzehntelang hatte die weiße Bevölkerungsminderheit in Südafrika unter der Bezeichnung "Apartheid" ein staatlich reguliertes rassistisches System aufgebaut, in dem die politische und wirtschaftliche Macht ausschließlich in der Hand von Weißen lag. Erst durch die Umbrüche nach massiven Protesten der schwarzen Bevölkerungsmehrheit wurde das System Anfang der 1990er Jahre abgeschafft. Dieser Prozess ist vor allem mit dem Namen Nelson Mandela verbunden, der 1994 der erste schwarze Präsident des Landes wurde. (cph)
