Versöhnung, Gebet und Tourismus

Abt Mauritius Wilde setzt auf einen Neustart für Kloster Maria Laach

Veröffentlicht am 08.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Julia Rosner (KNA) – Lesedauer: 

Maria Laach ‐ Nach elf Jahren ohne Leitung übernahm Pater Mauritius Wilde im Oktober die Leitung der Abtei Maria Laach in Rheinland-Pfalz. Sie ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks Laacher See.

  • Teilen:

Fast drei Monate hat es gedauert, bis er sich an die klimatischen Gegebenheiten der kühlen Eifel gewöhnt hat: Am 6. Oktober wurde Pater Mauritius Wilde als neuer Abt der Benediktinerabtei Maria Laach eingeführt – die auch ein beliebtes Touristenziel ist. Zuvor lebte Wilde 15 Jahre lang in den USA und in Italien, zuletzt als Prior der Primatialabtei Sant'Anselmo in Rom.

"Zu Beginn im November war es eisig kalt in Maria Laach, ich habe viel gefroren, und es warteten einige schwierige Aufgaben auf mich. Mit der Zeit habe ich mich jedoch an den schönen Ort und das Leben hier gewöhnt", sagt der 60-Jährige der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), rund 100 Tage nach seinem Amtsantritt. Das Kloster Maria Laach zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks Laacher See. Die Abtei mit Gärtnerei, Hotel, Buchhandlung und Kunsthandwerksladen zieht jährlich rund 700.000 Besucher an.

Anspruchsvolle Aufgaben

"Als ich mich mit 19 Jahren den Benediktinern in Münsterschwarzach angeschlossen habe, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal Abt in Maria Laach werde", sagt Wilde. Er sei indes davon ausgegangen, dort auch eines Tages beerdigt zu werden. Und: "Mein ganzes Leben war von Überraschungen geprägt. Immer, wenn ich dem Ruf Gottes gefolgt bin und Dinge nicht selbst entschieden habe, bin ich genau dort hingekommen, wo ich gebraucht werde." Dieses Gefühl bestätige sich auch in Maria Laach.

Die Aufgaben, die hier auf ihn warten, sind anspruchsvoll. Elf Jahre lang hatte sich die 23-köpfige Mönchsgemeinschaft nicht auf eine Leitung einigen können. Unstimmigkeiten unter den Brüdern hatten dazu geführt, dass kein Abt gewählt wurde. "Die Beziehungen hatten sich verhakt. Konflikte wurden größer, als sie eigentlich waren", so Wilde.

Neuer Blick auf alte Spannungen

In den ersten 100 Amtstagen hat er deshalb gemeinsam mit Pater Maximilian Krenn (56), der ihn als Prior unterstützt, zahlreiche Gespräche geführt. Anders als in einigen Medienberichten dargestellt, seien sich die Mönche nicht über die Ausrichtung des Klosters – Kontemplation versus Tourismus – uneinig gewesen. Vielmehr habe es an einer Einigung über die Führung gefehlt, so Wilde. Was die Brüder dennoch vereinte, sei das Gebet gewesen. "Nur so konnte die Gemeinschaft trotz mancher Unstimmigkeiten überhaupt zusammenhalten."

„Zu Beginn im November war es eisig kalt in Maria Laach, ich habe viel gefroren, und es warteten einige schwierige Aufgaben auf mich.“

—  Zitat: Mauritius Wilde

Ein Eingreifen des Heiligen Stuhls setzte dem Konflikt schließlich ein Ende. Zwei Visitatoren – der mittlerweile emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und Abt Barnabas Bögle aus der Abtei Ettal – prüften im Sommer 2020 die Situation vor Ort und entwickelten gemeinsam mit der vatikanischen Ordensbehörde Maßnahmen, die nun von der neuen Leitung umgesetzt werden sollen. Wilde gibt zu: "Für Benediktiner ist es schwierig, wenn man einen Abt von außen eingesetzt bekommt". Zugleich hätten viele das Eingreifen aus Rom als Erleichterung empfunden – das habe er immer wieder von seinen Brüdern gehört. Als "Neuer" kann er nun einen frischen Blick auf alte Spannungen richten.

An seine Einsetzung in Maria Laach erinnert Wilde das Brustkreuz, das er als Abt trägt – ein Geschenk von Bischof Hanke, ebenfalls Benediktiner. "Das Ende der Amtszeit von Bischof Hanke und meine Weihe fanden etwa zur selben Zeit statt. So übergab er mir das Kreuz für meinen Weg." Das vom bayerischen Künstler Max Faller gestaltete Schmuckstück zeigt das Pfingstereignis mit der Taube im Zentrum sowie Maria im Kreis der Apostel. "Das passt prima für meine Arbeit hier in Maria Laach." Dazu trägt Wilde einen Ring aus seinem Ursprungskloster Münsterschwarzach.

Erste Veränderungen angestoßen

Seine Rolle versteht der neue Abt als die eines Begleiters. Vom aramäischen Wort "abba" – Vater – her leitet sich sein Amtsverständnis ab. Er wolle die Brüder wieder enger zusammenführen. "Gemäß unserer Benediktsregel bin ich dafür da, zu helfen, dass jeder Mönch seinen Weg zu Christus findet. Ziele kann ich kaum definieren. Sie definieren sich von den Brüdern her." Kleine Veränderungen habe es bereits gegeben: "Wir siezen uns jetzt nicht mehr, sondern sprechen uns mit Du an. Das schafft eine gute Beziehung und bringt zusammen – eine kleine Maßnahme mit großem Effekt."

Inhaltlich will Wilde künftig vor allem Liturgie, Gebet und Verkündigung stärken. "Wir als Kirche müssen den Menschen helfen, dass jeder seinen Weg, das heißt: seine Berufung findet." Dies beschränke sich nicht auf Priestertum oder Ordensleben, sondern umfasse auch Partnerschaft, Familie oder einen bestimmten Beruf. Dazu brauche es Offenheit – und Menschen, die bestärken. "Das ist heute noch wichtiger als früher – wo es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt. Maria Laach ist offen dafür, zu helfen: Stille, Gebet und die Begleitungsgespräche können ihren Teil dazu beitragen."

Bild: ©katholisch.de/ Madeleine Spendier

Ein weiteres Standbein der Abtei bleibt der Tourismus - auch aus ökonomischen Gründen.

Ein weiteres Standbein der Abtei bleibt der Tourismus - auch aus ökonomischen Gründen. "Wir sind wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet, und finanzielle Hilfe durch Kirchensteuern erhalten wir traditionell nicht", sagt Wilde. Wie viele Klöster stehe auch Maria Laach vor großen Herausforderungen: sinkende Mitgliederzahlen und steigende Kosten. "Wir müssen aktiv bleiben, damit wir gut hier leben können." Ein neues Projekt ist die Einrichtung von Beerdigungsplätzen. In der Nikolauskapelle auf dem Klostergelände sollen künftig Verstorbene ihre letzte Ruhestätte finden.

Kraft für die vielen Aufgaben schöpft Wilde neben dem Gebet bei Spaziergängen um den Laacher See, wie er sagt. Sie erinnern ihn an seine Zeit in Italien, als er einmal pro Woche dem römischen Trubel entfloh und an den Albaner See fuhr - um Abstand zu gewinnen und zu reflektieren.

Von Julia Rosner (KNA)