24-jähriger Ordensmann: Darum wollte ich so früh ins Kloster

Auf dem Foto von seiner Professfeier steht Bruder Lukas in der Klosterkirche bei seinen Mitbrüdern und vor dem Abt und zeigt ihnen einen Brief. "Das ist meine Professurkunde, die ich selbst geschrieben habe", erklärt der Benediktiner. Mit dieser Urkunde bestätigte er, dass er weiterhin in der Gemeinschaft und in dem Kloster leben möchte. "Damit versprechen wir Mönche Beständigkeit, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam", so der 24-Jährige. Auf der Urkunde hat er in großen Buchstaben und auf Hebräisch "Gott" geschrieben. "Schließlich ist es ein Versprechen vor Gott und die Erfahrung, von ihm getragen zu werden."
Mit 24 Jahren ist Bruder Lukas der jüngste Missionsbenediktiner der Abtei Münsterschwarzach. Es ist heute eher die Ausnahme, dass jemand so jung ins Kloster eintritt, meint er selbst. Noch 70 Mönche leben in der Gemeinschaft. Die meisten davon sind deutlich älter als Bruder Lukas, viele über 80 Jahre. Dennoch fühlt sich der 24-Jährige wohl bei ihnen, weil er die Lebensweisheit "der älteren Mitbrüder schätzt". Aufgewachsen ist Thomas Grote, wie er mit Taufnamen heißt, mit drei Geschwistern in der Nähe von Oldenburg. Die Eltern betreiben einen Bauernhof und sind "normal religiös", wie er sagt. Er selbst engagierte sich bereits in der Schulzeit als Messdiener, wurde später Organist und half als Küster in seiner Kirchengemeinde aus. "Das alles hat mich geprägt", berichtet der Benediktiner und erinnert sich daran, dass er zur Firmung von dem Priester, der ihm dieses Sakrament spendete, eine Ausgabe des Lukas-Evangeliums geschenkt bekam. Dieser Name wird ihm später wichtig.
Schon früh verspürte der 24-Jährige den Wunsch, Priester zu werden und lernte Ordensleute kennen. In der Nähe seines Heimatortes gab es bis 2016 einen Konvent der Benediktiner aus Münsterschwarzach. Über den Schulkaplan erhielt Bruder Lukas dann den ersten Kontakt zur Abtei. Noch heute erinnert er sich an seinen ersten Besuch dort. Das war 2020, damals war er 18 Jahre alt. "Ich war direkt Feuer und Weihrauch", beschreibt er sein Gefühl, denn er spürte eine Vertrautheit mit dem Klosterort und den Brüdern. Bald stellte er fest, dass er sich genau dort ein Leben als Mönch vorstellen kann.
Nach dem Abitur muss er erst noch warten, bis er eintreten kann
Nach dem Abitur musste er allerdings noch ein Jahr warten, bevor er offiziell in das Benediktinerkloster eintreten konnte. Daher ging er für ein Jahr nach Münster in das dortige Priesterseminar und begann Theologie zu studieren. Er nutzte die Zeit dort, um darüber nachzudenken, ob er tatsächlich als Mönch oder doch lieber als Gemeindepfarrer in der Diözese leben möchte. Doch er sehnte sich nach einem Leben in einer Mönchsgemeinschaft mit täglichem Stundengebet. Seine Familie unterstützte ihn bei seiner Entscheidung. Das machte es für ihn leichter, seine Heimat zu verlassen und weiter weg zu ziehen. Kurz vor dem Beginn des Noviziats schickte ihm seine damals 90-jährige Großtante, die als Ordensschwester in Coesfeld lebte, einen Brief. "Sie schrieb mir, dass sich dieser Weg in ein Kloster lohnt", erinnert sich Bruder Lukas. Bald danach starb seine Großtante. Ihren Brief bewahrt er bis heute auf.
Bei seiner zeitlichen Profess im Jahr 2025 erhält Bruder Lukas Grote das schwarze Skapulier, ein Überwurf mit Kapuze. Abt Michael Reepen hilft beim Ankleiden während der Feier.
2022 trat Bruder Lukas in das Kloster in Münsterschwarzach ein. Sechs Wochen später erhielt er in einer klösterlichen Feier seinen Ordenshabit, die schwarze Tunika mit Stoffgürtel. "Endlich war es dann so weit", so der Benediktiner, denn er sehnte sich damals danach, zu der Mönchsgemeinschaft zu gehören. Der Gürtel aus Stoff, den er seitdem jeden Tag trägt, ist für ihn wie ein Ehering, ein Zeichen für Treue und Beständigkeit.
Bei der Noviziatsaufnahme erhielt er auch seinen Ordensnamen "Lukas". Diesen Namen mag er gerne, denn er verbindet ihn mit dem Evangelisten Lukas. Weil jeder Name im Kloster nur einmal vergeben sein darf, hatte er Glück. "Der letzte Mönch, der Lukas hieß, ist vor einigen Jahren verstorben. Daher war der Name frei", so der Benediktiner. Vor einem Jahr feierte Bruder Lukas dann seine erste Profess in der Klosterkirche in Münsterschwarzach mit seinen Mitbrüdern und der Familie. Seine Versprechen legte er für zwei Jahre ab. Damals erhielt er auch das Skapulier, den Überwurf mit Kapuze für sein Ordensgewand. Zurzeit verbringt der Mönch viel Zeit in Salzburg, wo er Theologie studiert und zusammen mit weiteren studierenden Ordensleuten im Kolleg Sankt Benedikt wohnt.
In den Ferien oder an Feiertagen ist Bruder Lukas aber immer wieder in seinem Heimatkloster in Münsterschwarzach zu Besuch. Er schätzt die Verbundenheit mit den Mitbrüdern in der Liturgie und im Gemeinschaftsleben. Das Chorgebet liegt dem Benediktiner sehr am Herzen. Das frühe Aufstehen am Morgen mache ihm nicht viel aus. Schon um fünf Uhr früh beginnt die erste Gebetszeit in der Klosterkirche mit anschließendem Gottesdienst. Bis zu vier Stunden täglich verbringt Bruder Lukas im Gebet. Er genießt diese "besondere Zeit mit Gott".
"Philipp Lahm, bist du es?"
Seit vergangenem August ist der Missionsbenediktiner aus Münsterschwarzach auch in den Sozialen Netzwerken aktiv. So gibt er auf seinem Instagram-Kanal Einblicke in sein Leben als Mönch und zeigt zum Beispiel, wie er Tischtennis spielt oder im Chorgestühl betet. Ein anderes Mal stellt er den Klosterhund und die Löschfahrzeuge der Klosterfeuerwehr vor. In einem Video beschreibt er sich selbst als Mönch in "Star-Wars-Klamotten". Seine Follower freuen sich über seine unkonventionelle Art, stellt er fest. Ein paar Mal wurde er auf Instagram danach gefragt, ob er mit dem ehemaligen deutschen Fußballspieler Philipp Lahm verwandt sei, weil er ihm wohl ähnlich sehe, lacht Bruder Lukas. "Philipp Lahm, bist du es", heißt es da in einem der Kommentare dort. Er sei nicht verwandt mit Philipp Lahm, scherzt der 24-Jährige, aber weil er Fußballfan ist, würde er sich schon über eine Einladung ins Fußballstadion freuen.
Manche seiner Follower auf Instagram fragen aber auch kritisch nach, warum er so jung in ein Kloster eingetreten ist und wollen wissen, ob man ihn dort einsperren würde. Ein anderer Nutzer schreibt in den Kommentaren: "Hut ab, für deine Entscheidung, ich werde dir folgen". Das freut Bruder Lukas. Für ihn ist es bislang die richtige Entscheidung, als Mönch zu leben. Eingesperrt fühlt er sich in seinem Kloster nicht, erklärt er deutlich. Stattdessen helfe ihm als Ordensmann die Klausur dabei, sich für das Gebet zu sammeln und die Gemeinschaft zu pflegen. Freundschaften zu Gleichaltrigen außerhalb des Klosters habe er zudem weiterhin, betont der 24-Jährige. Als Mönch sei er immer auf der Suche nach innerem Frieden und tiefer Freude, und glaube, "an einen Gott, der uns gerne lachen sieht".