Einmalige Gebetstage reichten nicht aus

Zollner: Geistliche Antwort auf Missbrauch unzureichend

Veröffentlicht am 26.02.2026 um 11:40 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Wenn es um Missbrauch geht, sind kirchenrechtliche, psychologische und soziologische Analysen in der Kirche notwendig und gut entwickelt, meint Hans Zollner. Doch ein entscheidender Aspekt fehlt laut dem Jesuiten.

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Für den Jesuitenpater Hans Zollner ist die geistliche Antwort der Kirche auf sexuellen Missbrauch nach wie vor unzureichend entwickelt. Deshalb ruft er Katholikinnen und Katholiken laut einem Bericht von "OSV News" (Dienstag) dazu auf, das Gebet für Missbrauchsbetroffene in dieser Fastenzeit in den Mittelpunkt zu stellen. Zollner gehört zu den weltweit führenden Experten für sexuellen Missbrauch und Prävention und ist Leiter des Anthropologie-Instituts an der Universität Gregoriana in Rom.

Auf die Frage nach erschütternden Fällen innerhalb der Kirche, etwa jenem um den bekannten Ex-Jesuiten und Mosaikkünstler Marko Rupnik, sagte er, dass "kirchenrechtliche, psychologische und soziologische Analysen" in der Kirche zwar notwendig und gut entwickelt seien, ein Aspekt jedoch in der breiteren katholischen Reaktion fehle: das Gebet. Die Fastenzeit sei daher ein geeigneter Zeitpunkt, daran zu erinnern, so Zollner. "Wir beten für die Armen, wir beten für die Obdachlosen, wir beten für die Kranken – aber wann beten wir für die Missbrauchsbetroffenen", fragte der Jesuit. Die Kirche müsse der geistlichen Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch mehr Aufmerksamkeit schenken. 

Bei Konferenzen frage er die Teilnehmenden oft, wann sie das letzte Mal für Missbrauchsbetroffene gebetet hätten. "Meistens folgt darauf völliges Schweigen, und viele sagen, sie hätten nie darüber nachgedacht", so der Experte. Einmalige Gebetstage für Überlebende reichten da nicht aus. Zudem müsse die Kirche ihre Bemühungen in Bildung, Sensibilisierung und Engagement auf allen Ebenen weiter verstärken. (mtr)