Deutsche Bischöfe wollen in Rom um Erlaubnis für Laienpredigt bitten
Die deutschen Bischöfe wollen beim Vatikan eine Erlaubnis für die Predigt von Laien in Eucharistiefeiern beantragen. Dazu haben sie eine Ordnung des Predigtdienstes beschlossen, die dies qualifizierten und beauftragten Frauen und Männern ermöglichen soll und damit einen vom Synodalen Weg beschlossenen Handlungstext umsetzt, sagte der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, am Donnerstag in Würzburg. Für diese Ordnung wolle man nun in Rom um Zustimmung bitten. "Wir haben vereinbart, dass ich dies bei meinem nächsten Besuch in Rom mitnehmen und auch noch einmal vor Ort im Gespräch erläutern und dafür werben werde", so Wilmer. Er äußerte sich zum Abschluss der DBK-Frühjahrsvollversammlung.
In den Beratungen der Bischöfe hätte das Thema Synodalität einen breiten Raum eingenommen, so der DBK-Vorsitzende weiter. "Es ist und bleibt wichtig, die Ergebnisse der Weltsynode in das pastorale Leben unserer Gemeinden zu integrieren." Zum Synodalen Weg der Kirche in Deutschland verwies Wilmer auf den Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz, die Satzung der geplanten Synodalkonferenz anzunehmen.
Nächster Schritt
Als nächsten Schritt werde er bei seinem geplanten Rom-Besuch die notwendige Recognitio für die Satzung der Synodalkonferenz im Vatikan beantragen, so der Hildesheimer Bischof. "Neben den Chancen und Herausforderungen, die in Verbindung mit Auftrag und Zusammensetzung der Synodalkonferenz gesehen werden, wurde auch ins Wort gefasst, dass mit der Synodalkonferenz ein Format entwickelt wurde, das die Anliegen der Weltsynode ernst nimmt und in unserem Kulturkreis umsetzt, darunter die Impulse zu mehr Transparenz, Rechenschaft und Evaluation." Als starkes Zeichen, wie man Synodalität auf der Weltebene mit der Ortsebene verbinde, wertet Wilmer den angekündigten Besuch des Chefs des vatikanischen Synodensekretariats, Kardinal Mario Grech, beim Katholikentag in Würzburg im Mai.
In Zeiten großer Umbrüche auch in der Kirche gehe es nicht um die Erhaltung einer Struktur, sondern darum, die Botschaft des Evangeliums fruchtbar zu machen für das Leben der Menschen, betonte Wilmer. Die Wege, die in den vergangenen Jahren begonnen worden seien, gelte es nun weiterzugehen. In diesem Zusammengang dankte Wilmer ausdrücklich seinem Vorgänger als DBK-Vorsitzenden, Georg Bätzing: "Was er in den zurückliegenden sechs Jahren geleistet hat, ist sehr viel, weil in dieser Zeit wichtige Weichen gestellt worden sind."
Der neue DBK-Vorsitzende dankte seinem Vorgänger Georg Bätzing.
Mit Blick auf manche Spaltungen in der Bischofskonferenz erklärte Wilmer, er wolle als DBK-Vorsitzender vermitteln, Brücken bauen und Gräben zuschütten. "Die Einheit ist unser größtes Zeugnis", betonte er.
Dank an Betroffene sexualisierter Gewalt
Wilmer bekräftigte den Entschluss der DBK, die Fragen nach Aufklärung und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche auf die Tagesordnung jeder Vollversammlung zu nehmen. Den Betroffenen sicherte er zu, dass ihre Stimme Gewicht habe: "Jeder Schritt der Aufarbeitung gewinnt Tiefe und Wahrheit durch ihr Zeugnis." Der Vorsitzende sprach daher den Mitgliedern des Betroffenenbeirats bei der DBK und in den Betroffenenbeiräten der Diözesen seinen Dank aus.
Eine Überarbeitung der Rahmenordnung Prävention und der Interventionsordnung stehe in diesem Jahr an. Die Geltungsdauer beider Ordnungen war zuletzt noch einmal bis Ende 2026 verlängert worden, um dem Ende 2024 eingerichteten DBK-Sachverständigenrat zum Schutz vor sexuellem Missbrauch und Gewalterfahrungen die Gelegenheit zu geben, sich in eine Evaluierung der Ordnungen einzubringen. Geplant ist, die Überarbeitung beider Ordnungen im laufenden Jahr abzuschließen.
Wilmer betonte, dass durch die verschiedenen Aufarbeitungsprojekte mittlerweile über 40 veröffentlichte Berichte und Studien vorliegen: "Diese dokumentieren das Ausmaß des Missbrauchs und die Strukturen und Faktoren, die Missbrauch und Vertuschung in der katholischen Kirche begünstigt haben." Zu nennen seien Täter-Opfer-Umkehr, Institutionenschutz vor Betroffenenschutz zu stellen, Mängel in der Aktenführung und Verwaltung, Bystander-Problematiken, aber auch Klerikalismus, das damalige Priesterbild und die katholische Sexualmoral.
Kritik an der Bundesregierung wegen fehlender Mittel für Missbrauchs-Fonds
Am Verfahren der Anerkennungsleistungen hält die Bischofskonferenz auch künftig fest. Wilmer betonte, dass mit der Ordnung der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) ein transparentes, einheitliches und unabhängiges Verfahren geschaffen worden sei. Die Forderung von Betroffenenvertretern nach einer Begründung der Entscheidungen der UKA wies Wilmer zurück. Damit bleibt er auf der bisherigen Linie der DBK. "Die UKA ist kein Gericht, sondern ein Gremium zur individuellen Anerkennung. Sie trifft ihre Entscheidung auf Basis der Kriterien, die in der Verfahrensordnung transparent sind, und der Schilderungen der Betroffenen in den eingereichten Anträgen", begründete der Vorsitzende das Vorgehen. Selbstverständlich stehe aber neben dem Anerkennungsverfahren, das die Kirche freiwillig anbietet, jeder betroffenen Person der ordentliche staatliche Rechtsweg offen.
In seinem Bericht äußerte sich der Vorsitzende nicht zu den seit Jahren stockenden Plänen der Bischofskonferenz, eine kirchliche Verwaltungs- und Strafgerichtsbarkeit in Deutschland einzurichten. Auf Nachfrage sagte DBK-Generalsekretärin Beate Gilles bei der Pressekonferenz, dass der Prozess durch personelle Wechsel nicht mit der nötigen Vehemenz vorangetrieben worden sei. Der Ball sei aber im vergangenen Jahr wieder aufgenommen worden. Es sei klar geworden, dass die deutschen Entwürfe für die Gerichtsordnungen in Rom nicht zustimmungsfähig gewesen seien. Kritische Fragen beträfen etwa die Möglichkeit von Rechtsmitteln gegen Entscheidungen und eine weltkirchliche Vergleichbarkeit der Verfahren. Rom lege Wert auf Verfahren, die auch in anderen weltkirchlichen Kontexten realisierbar seien.
Bischof Wilmer bekräftigte die Position der deutschen Bischöfe zur AfD.
Kritik äußerte Wilmer an der Bundesregierung, die entgegen ihres Koalitionsvertrags keine Mittel für den staatlichen Fonds Sexueller Missbrauch im Bundeshaushalt eingestellt hat. Gerade für Betroffene aus anderen Kontexten als der Kirche stelle er häufig die einzige Möglichkeit dar, eine Form der staatlichen Anerkennung und Unterstützung zu erhalten. "Ich erinnere daran, dass die Bundesregierung sich im Koalitionsvertrag zum Erhalt des Fonds verpflichtet hat", betonte Wilmer.
Deutliche Absage an die AfD
"Völkischer Nationalismus und menschenverachtende Parolen der AfD haben in der katholischen Kirche keinen Platz", bekräftigte Wilmer die Position der deutschen Bischöfe. Bei der Vollversammlung hatte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige vom Wahlprogramm der AfD für die im Herbst anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt berichtet. Feige sieht in dem kirchenfeindlichen Programm eine Fortsetzung der Religionspolitik der DDR: Sie markiere die Kirchen als Feinde und denunziere sie. Die AfD ignoriere die Realitäten und werde nicht zu Lösungen bestehender Probleme beitragen. Stattdessen formuliere sie den "Retro-Traum einer Familienidylle und imaginiere ein Feindbild, zum Beispiel die Regenbogen-Verschwörung, um die Familie zu zerstören", gab Wilmer Feige wieder.
"Wir Bischöfe widersetzen uns den Bestrebungen des Populismus der AfD, die Kirche zu diskreditieren. Wir verwahren uns davor, unsere Themen gleichsam billig zu kopieren und in nationalistisches Denken und Handeln umzuwandeln." Die Menschen im Land sollten genau hinschauen und sich nicht von vordergründig "attraktiv gemeinten Klängen der AfD" verführen zu lassen: "Von Würzburg aus sage ich deutlich: Wehret den Anfängen! Und ich füge hinzu: Schützen wir unsere Demokratie!" Es sei die Demokratie, die Uneinigkeit einer Gesellschaft in gerechter und friedvoller Weise organisiere. Daran beteilige sich auch die Kirche, indem sie Diskursräume eröffne. Wilmer nannte als Beispiel die Aktion "Aufstehen für …" der Bistümer in Hessen und Rheinland-Pfalz.
Die deutschen Diözesan- und Weihbischöfe hatten seit Montag in Würzburg getagt. Zentraler Tagesordnungspunkt des Treffens war die Wahl eines neuen DBK-Vorsitzenden. Der Hildesheimer Bischof Wilmer war am Dienstag zum Nachfolger seines Limburger Amtskollegen Georg Bätzing gewählt worden, der nach sechs Jahren nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stand. Weitere Themen waren die Lage der christlichen Minderheiten im Nahen Osten und der Ukraine-Krieg. Zudem wurden eine Arbeitshilfe zur diakonischen Kirchenentwicklung und eine Arbeitshilfe zur Ehrenamts- und Engagemententwicklung besprochen. Dazu standen neben dem neuen DBK-Vorsitzenden weitere Personalien an: Die Bischöfe bestätigten DBK-Generalsekretärin Beate Gilles und Pressesprecher Matthias Kopp im Amt. (mal/fxn)
Der vollständige Abschlussbericht
Pressebericht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, aus Anlass der Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung am 26. Februar 2026 in Würzburg.
