Kardinal Marx: Christentum darf nicht instrumentalisiert werden
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx verwahrt sich dagegen, dass immer häufiger extremistische, polarisierende und politische Kräfte das Christentum vereinnahmen wollten. "Wer laut tönt, rechtgläubig die christlichen Werte hochzuhalten, gleichzeitig aber gegen Menschen vorgeht, die nicht dem eigenen Idealbild entsprechen, pervertiert den Glauben und missbraucht den Namen Gottes für zerstörerische und ausschließende Zwecke", sagte Marx laut Manuskript anlässlich der Katholischen Morgenfeier zum Caritas-Sonntag. Sie wird am Sonntag um 10.30 Uhr im Radiosender Bayern 1 des Bayerischen Rundfunks ausgestrahlt.
Mit seinem Jahresmotto "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen" richte der katholische Wohlfahrtsverband den Blick darauf, dass sich die Zukunftsperspektiven für alle verbessern könnten, erklärte der Erzbischof von München und Freising. Dafür gelte es, verbindende Kräfte unter den Menschen zu verstärken. Das sei eine Haltung, die Hoffnung geben könne in einer Zeit, in der es politische und gesellschaftliche Akteure gebe, die Hass und Zwietracht säten. Diesen gehe es nur darum, die eigene Macht zu verstärken, die eigene Bedeutsamkeit zu erhöhen und Unfrieden zu schüren.
Angebote für alle
Es werde immer deutlicher, dass solche Agitatoren auch nicht davor zurückschreckten, sich an Werten und Motiven des christlichen Glaubens zu bedienen, so Marx. "Wenn wir aber genau hinsehen, stellen wir fest, dass dies in aller Regel nur oberflächliche Dekoration ist, die in keiner Weise mit dem christlichen Glauben vereinbar ist." Der Kardinal empfiehlt daher, die Parolen extremistischer Kräfte daraufhin zu prüfen, ob sie die Einheit der Menschheitsfamilie und die Würde jedes Menschen förderten oder zerstörten.
Die Caritas leiste seit mehr als 100 Jahren hoch engagierte und professionelle Arbeit in den verschiedensten Bereichen und durch unterschiedliche Fachverbände, Einrichtungen und Dienste, betonte der Kardinal. Dies richte sich nach dem, was die Menschen unmittelbar benötigten, "unabhängig von Herkunft, Religion, Alter oder Geschlecht". Der katholische Wohlfahrtsverband verleihe jenen eine Stimme, die sonst überhört würden. (KNA)
