Vorwürfe gegen Franziskanerpater

Nach Missbrauchsstudie: Stadt Essen will Platz umbenennen

Veröffentlicht am 03.03.2026 um 14:37 Uhr – Lesedauer: 

Essen ‐ Öffentliche Ehrungen setzen Vorbilder voraus – das findet Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. Er will einen Platz in seiner Stadt umbenennen. Der geistliche Namensgeber soll Missbrauchstäter gewesen sein.

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Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen macht sich für die Umbenennung eines Platzes in seiner Stadt stark. Gegen den Franziskanerpater Christoph Höttges, nach dem der Platz benannt ist, waren zuvor Missbrauchsvorwürfe laut geworden. "Für mich erscheint eine Umbenennung des Pater-Christoph-Höttges-Platzes unausweichlich", erklärte Kufen: "Öffentliche Ehrungen setzen Vorbilder voraus. Wenn sich herausstellt, dass eine geehrte Person in schwerwiegende Missbrauchstaten verstrickt war oder diese gedeckt hat, ist eine solche Würdigung nicht mehr vertretbar."

Der Geistliche, der 2010 im Alter von 74 Jahren starb, kommt anonymisiert in einer sozialpsychologischen Aufarbeitungsstudie des IPP-Instituts vor. Darin geht es um sexuellen Missbrauch im Franziskanerorden in Deutschland. Die Forschenden bescheinigen dem Orden ein Komplettversagen im Umgang mit sexualisierter Gewalt.

Großes Dunkelfeld

Sie ermittelten mehr als 100 Betroffene seit 1945 sowie namentlich 98 tatverdächtige Ordensmänner. Das Dunkelfeld sei um ein Vielfaches höher. Ordensverantwortliche hätten sich in keiner Weise für das Schicksal von Betroffenen interessiert. Der Prozess der Aufarbeitung habe viel zu spät begonnen. Bei der Vorstellung der Studie bat der Orden alle Betroffenen um Vergebung.

Die Stadt Essen kündigte an, eine Umbenennung des Platzes zu prüfen. Das weitere Vorgehen werde mit dem Bistum Essen sowie dem Ältestenrat der Stadt besprochen, der für Straßenumbenennungen zuständig ist. Auch die Bezirksvertretung werde einbezogen. Das Bistum erklärte auf Anfrage, es teile die Auffassung des Oberbürgermeisters. Die Erkenntnisse der Studie seien "von einer Dimension, die eine Umbenennung des Platzes angeraten erscheinen lassen". Mit der Stadt sei die Diözese im engen Austausch. (KNA)