Exorzismus-Experte: Aktuelle Weltlage nicht nur ein Werk des Bösen

Der Exorzismus-Experte Luis Ramírez Almanza hat davor gewarnt, dem Bösen die Verantwortung für die aktuelle Weltlage zuzuschreiben. "Wir sollten nicht überall 'Das Böse' sehen", sagte der Priester am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Rom. "Es ist zwar wahr, dass es das außergewöhnliche Wirken des Bösen gibt, aber es gibt auch die Verantwortung jedes Einzelnen." Hinter vielen Entscheidungen stehe die Verantwortung vieler Menschen, die sich in Machtpositionen etwa in Politik oder Militär befinden.
Ramírez Almanza leitet das Sacerdos-Institut der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum. Es bietet seit 20 Jahren einen Kurs über Exorzismus an. Der Lehrgang befasst sich wissenschaftlich mit verschiedenen Dimensionen des Exorzismusdienstes und des Befreiungsgebets – beispielsweise theologisch, sozial, medizinisch und rechtlich. Die Teilnahme ist offen für Geistliche, insbesondere Exorzisten, wie auch für Laien. Ausdrücklich verleiht der Kurs keine Befugnis zur Ausübung des Exorzismusamtes. Dies kann nur ein Bischof tun.
Vom Vatikan anerkannter Exorzisten-Verband
Unter Exorzismus wird die rituelle Vertreibung böser Mächte und Geister aus Menschen, anderen Lebewesen oder Gegenständen verstanden. Solche Praktiken gibt es in vielen Kulturen; sie sollen der ganzheitlichen Reinigung und Heilung dienen. Die katholische Kirche versteht darunter eine Bitte an Gott, den Menschen von der Macht des Bösen zu befreien.
Seit 1994 gibt es auch eine internationale Vereinigung von Exorzisten, die 2014 vom Vatikan offiziell anerkannt wurde. Eigenen Angaben zufolge zählt der Verband rund 900 aktive Exorzisten und 130 Hilfsexorzisten. Gründer der Associazione Internazionale Esorcisti (AIE) war der 2016 gestorbene Priester Gabriele Amorth. Dessen Leben lieferte die Vorlage für den Horrorfilm "Der Exorzist des Papstes" von 2023. (KNA)