"Fundamentaler Angriff" auf den Gesundheitsschutz

Verdi-Chef Werneke warnt vor Aus für Acht-Stunden-Tag

Veröffentlicht am 03.03.2026 um 18:13 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ 20-jähriges Bestehen der kirchlich-gewerkschaftlichen "Allianz für den freien Sonntag": Verdi-Chef Frank Werneke nutzt den Festakt, um Pläne der Bundesregierung zur Abschaffung des Acht-Stunden-Tags zu kritisieren.

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Verdi-Chef Frank Werneke sieht die von der Bundesregierung geplante Abschaffung des Acht-Stunden-Tages als "fundamentalen Angriff" auf den Gesundheitsschutz. Wo es notwendig ist, länger als acht Stunden zu arbeiten, sei dies derzeit schon möglich, sagte Werneke bei einem Festakt zum 20-jährigen Bestehen der kirchlich-gewerkschaftlichen "Allianz für den freien Sonntag" am Dienstag in Berlin. "Es gibt keine faktischen Notwendigkeiten, aus der Realität der Arbeitswelt heraus das Arbeitszeitgesetz zu verändern."

Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht vor, die tägliche Arbeitszeit durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Demnach wäre es auch möglich, an einzelnen Tagen bis zu zehn Stunden zu arbeiten. Unterstützer betonen eine daraus gewonnene Flexibilität von Arbeitnehmern. Ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor.

Teilzeit wegen Stress und Hetze?

Werneke zeigte Verständnis für eine wachsende Bereitschaft Beschäftigter, die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren: "Zur Wahrheit gehört, dass sehr, sehr viele Beschäftigte vor lauter Stress und Hetze überhaupt nicht in der Lage sind, in Vollzeit zu arbeiten." Die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit sei ein Weg, mit dieser Situation umzugehen.

Werneke würdigte das Verhältnis zwischen Kirchen und Gewerkschaften in der Allianz. Beide verbinde die gemeinsame Meinung, dass Stärke durch gemeinsames Handeln entstehe. Zugleich räumte er ein, dass es zuweilen auch Dissens gebe – etwa bei der Anwendung von Tarifverträgen in kirchlichen Einrichtungen. Allianzen wie die für den freien Sonntag funktionierten aber dann gut, wenn man sich auf das konzentriere, was einen verbindet.

Beim Bundeskongress der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im September 2023 in Berlin sprach sich der Vorsitzende Frank Werneke für eine Abschaffung des kirchlichen Arbeitsrechts aus.
Bild: ©picture alliance/dpa | Kay Nietfeld (Archivbild)

Beim Bundeskongress der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im September 2023 in Berlin sprach sich der Vorsitzende Frank Werneke für eine Abschaffung des kirchlichen Arbeitsrechts aus.

Mit Blick auf den Sonntagsschutz erklärte der Podcaster Wolfgang M. Schmitt, eine Ausweitung von Arbeits- und Geschäftszeiten an diesem Tag würde nicht zu einer Ankurbelung der deutschen Wirtschaft führen. "Man müsste erst mal die Binnenkonjunktur so ankurbeln, dass die Menschen genug Geld haben, um das Geld am Sonntag auszugeben", so Schmitt.

Zusammen mit dem Journalisten und Autor Ole Nymoen spricht Schmitt im Podcast "Wohlstand für alle" allwöchentlich über Wirtschaftsthemen und ökonomische Zusammenhänge. Unterstützer eines verkaufsoffenen Sonntags sehen in der größeren zeitlichen Flexibilität für Geschäfte einen wirtschaftlichen Vorteil, auch wegen des Drucks durch den Internethandel.

Vor 20 Jahren schlossen sich in der "Allianz für den freien Sonntag" Gewerkschaften und Vertreter der Kirchen für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags zusammen, um die grundgesetzlich geschützte Sonn- und Feiertagsruhe zu verteidigen. Die Gewerkschaft Verdi hat dabei eine koordinierende Funktion. Aktuell klagt sie nach eigenen Angaben in Bayern und Sachsen-Anhalt gegen neue Ladenöffnungsgesetze. (KNA)