Verfassung würde heute anders geschrieben

Laschet warnt vor sinkender Bedeutung der Kirchen

Veröffentlicht am 19.03.2026 um 11:20 Uhr – Lesedauer: 

Essen ‐ Trotz sinkender Mitgliederzahlen der Kirchen sei das Engagement von Christen für die Gesellschaft weiter unverzichtbar, sagt Armin Laschet. Kirchen sollte sich weniger um eigene Strukturen kümmern, fordert er.

  • Teilen:

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Laschet hat vor sinkender Bedeutung der Kirchen gewarnt. Die Sicht des Staates auf die Kirchen werde sich in Zukunft ändern, sagte der Politiker laut Pressemitteilung des Bistums Essen (Mittwoch) bei einem Vortrag. Angesichts von über 90 Prozent Kirchenmitgliedern in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft sei das Grundgesetz mit Blick auf die Kirchen von dem Gedanken geprägt, "dass ein kooperatives Verhältnis im Interesse des Staates ist", so Laschet. Dies würde man in der deutschen Gesellschaft heute nicht noch einmal so verankern können. "Wenn wir heute ein Grundgesetz zu schreiben hätten, glaube ich nicht, dass wir das alles noch einmal so in die Verfassung bekommen würden, wie dies 1949 gelungen ‎ist", betonte der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Dass Religionsgemeinschaften Krankenhäuser, Schulen oder Kindertagesstätten betreiben dürften, sei dabei keine "Gunst an die Kirchen", sondern liege im Interesse des Staates. Es gehe nicht in erster Linie um Erwartungen des Staates an die Kirchen, sondern vor allem um die Frage: "Wie kann der Staat von den Kirchen profitieren?" Dieses Grundverständnis gehe verloren, wenn immer weniger Menschen einer Kirche angehörten, so der Katholik.

Laschet warb dafür, dass sich die Kirchen weniger um ihre eigenen Strukturen kümmern, sondern "auf die großen gesellschaftlichen Fragen wieder kraftvoller antworten". Gerade heute sei das "Ethos des Zusammenhalts der Kirchen wichtig", so Laschet. Die Kirche solle sich trotz sinkender Kräfte weiter in Kitas und Schulen engagieren, sagte der Politiker. Dies sei gut für die Kirchen, die dort Kinder und Familien erreichen könnten, die zuvor keinen Kontakt zur christlichen Botschaft gehabt hätten. Es sei aber auch gut und wichtig für den Staat, der das kirchliche Engagement – insbesondere im Kita-Bereich – sonst anderweitig aufbringen müsste. (cbr)