Gespräche mit Piusbrüdern "faktisch gescheitert"

Dogmatiker Tück warnt vor Parallelkirche rechts von Rom

Veröffentlicht am 19.03.2026 um 12:35 Uhr – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Ein Dialog ohne Ergebnis: Nach Meinung des Wiener Dogmatikers Jan-Heiner Tück sind die Gespräche mit der Piusbruderschaft am Ende. Warum er Papst Leo XIV. unter Entscheidungsdruck sieht.

  • Teilen:

Jan-Heiner Tück hält den Dialog der römisch-katholischen Kirche mit der Piusbruderschaft für "faktisch gescheitert". Die Ankündigung der Piusbruderschaft, weitere Bischöfe weihen zu wollen, setze Papst Leo XIV. unter Entscheidungsdruck. "Die Weihe von neuen Bischöfen würde bedeuten, dass sich rechts der katholischen Kirche eine bischöflich verfasste Parallelkirche etablieren würde, die rund 600.000 Mitglieder und 700 Priester zählt", sagte der Wiener Dogmatiker am Donnerstag der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost".

Benedikt XVI. habe den Piusbrüdern 2009 einen Dialog über strittige Fragen der Konzilsinterpretation angeboten. Im Februar hatte Kardinal Víctor Fernández, Präfekt des vatikanischen Glaubensdikasteriums, erneut einen theologischen Dialog zu der Frage vorgeschlagen, welcher Grad der Zustimmung zu den unterschiedlichen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) erforderlich sei. Doch die Piusbruderschaft, die die meisten Reformen des Konzils ablehnt und auf alten Formen des Gottesdienstes beharrt, schlug den Dialog aus und plant weiterhin für den 1. Juli die Weihe neuer Bischöfe.

Abgestufte Verbindlichkeit von Texten

Tück bestätigte, dass es unter den Texten des Konzils eine abgestufte Verbindlichkeit gebe. So hätten die Konstitutionen ein größeres Gewicht als die Dekrete und Erklärungen. Er ergänzte jedoch: "Ich lehne den Vorschlag einer graduellen Anerkennung dennoch entschieden ab, weil es eine intertextuelle Vernetzung der Dokumente gibt." In den Dogmatischen Konstitutionen sei grundgelegt, was in den Dekreten und Erklärungen entfaltet werde. Konkret bedeute das: "Wer die ökumenische Öffnung, den interreligiösen Dialog und das erneuerte Verhältnis zum Judentum als eher unverbindlich bezeichnet, der tastet die Dogmatische Konstitution über die Kirche 'Lumen gentium' (LG) an."

An der Piusbruderschaft könne man sehen, wohin es führe, wenn man die Beschlüsse des Konzils als nicht traditionskonform ablehne, sagte Tück: "Aus angeblicher Treue zur Tradition untergräbt man die Autorität des Papstes, der das Konzil approbiert hat. Das ist ein Akt der Hybris!"

Als "Interpretationsschlüssel gegenüber rechten Verweigerungs- und progressistischen Liberalisierungstendenzen" biete sich die von Papst Benedikt propagierte "Hermeneutik der Reform" als Mittelweg an, so Tück. Sie bedeute keinen Bruch und keine Fortschreibung der Kontinuität, sondern "Erneuerung aus dem Ursprung". Die Aufhebung des Tridentinischen Ritus durch Papst Paul VI. habe "das Bild einer überholten, vorkonziliaren und einer ab sofort gültigen, erneuerten Liturgie" befördert. Im Sinne einer Hermeneutik der Reform könnte aus seiner Sicht der Gedanke, den Benedikt XVI. in seinem Schreiben "Summorum pontificum" dargelegt habe, dass es den einen römischen Ritus in zwei legitimen Formen gebe, weiterhelfen. (KNA)