Er selbst sei früher konservativer gewesen

Kardinal Hollerich: Diskussion um Frauenweihe noch nicht abgeschlossen

Veröffentlicht am 19.03.2026 um 18:44 Uhr – Lesedauer: 

Bonn ‐ Frauen in Weiheämtern – für viele ist das eine zentrale Zukunftsfrage der katholischen Kirche. Kardinal Hollerich hält sie für weiterhin offen und hat dabei auch einiges gelernt, wie er betont.

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Für Kardinal Jean-Claude Hollerich ist die Frage von Frauen in Weiheämtern in der katholischen Kirche noch nicht abgeschlossen. "Ich kann mir auf Dauer nicht vorstellen, wie eine Kirche bestehen kann, wenn die Hälfte des Volkes Gottes leidet, weil sie keinen Zugang zum geweihten Dienst hat", sagte Hollerich am Donnerstag in Bonn. Der Luxemburger Erzbischof, der als Generalrelator eine zentrale Funktion bei der Weltsynode 2023/2024 innehatte, äußerte sich bei einem Symposium an der dortigen Universität.

Er selbst sei in dieser Frage früher konservativer gewesen, habe seine Meinung jedoch geändert, betonte Hollerich. "Ich habe auch als Bischof gelernt, dass das nicht nur ein Desiderat von einigen linksstehenden Frauenverbänden ist". Weiter sagte er: "Wenn ich mit den Frauen in den Pfarreien rede, haben 90 Prozent bei uns dieselbe Meinung." Auch darauf müssten Bischöfe hören.

Weiter Geduld gefordert

Der Luxemburger Erzbischof warb jedoch um Geduld. Für Frauen aus anderen Kulturen seien es "künstliche Probleme", wenn Frauen aus Europa über das Thema Weiheamt sprächen. "Das ist auch eine Realität, die wir sehen müssen." Es brauche weiter Zeit, bis das in allen Kulturen so aufgegriffen werde.

Ein wichtiger Schritt sei es, dass mit der von Papst Franziskus (2013-2025) im Sinne seiner Apostolischen Konstitution "Praedicate Evangelium" durchgeführten Kurienreform Frauen eine leitende Stelle in der vatikanischen Kurie innehaben können. Das werde auch unter Papst Leo XIV. weitergehen, so Hollerich. Grundsätzlich solle gelten, dass Frauen überall dort, wo sie an kirchlicher Leitung partizipieren können, das auch tun könnten. "Es wäre mein tiefster Wunsch, dass sich die ganze Kirche darüber freut", unterstrich der Kardinal.

Das Symposium an der Universität Bonn trug den Titel "Synodalität und Praedicate Evangelium – zwei Grundelemente der Kirchenreform von Papst Franziskus". Unter den weiteren Teilnehmern waren die Kardinäle Óscar Rodríguez Maradiaga und Oswald Gracias, die Bischöfe Franz-Josef Overbeck und Klaus Krämer sowie der Theologe und frühere Misereor-Geschäftsführer Josef Sayer und die Theologinnen Margit Eckholt und Klara Csiszar. Organisiert wurde die Veranstaltung von Bonner Lehrstuhl für Moraltheologie. (KNA)