Teils überraschende Ergebnisse zum Wahlverhalten

Rheinland-Pfalz-Wahl: Katholiken stärken klar die CDU

Veröffentlicht am 24.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Christof Bock (KNA) – Lesedauer: 

Mannheim/Mainz ‐ Nach der Wahl in Rheinland-Pfalz zeigt eine Analyse auffällige Unterschiede: Katholiken wählen die CDU deutlich häufiger als andere Gruppen. Was die Zahlen über Religion und Politik aussagen – auch mit Blick auf die AfD.

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Die CDU hat ihren deutlichen Sieg bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz vor allem katholischen Wählerinnen und Wählern zu verdanken. Und die AfD hat unter evangelischen Menschen stärker gepunktet als bei der Gesamtbevölkerung. Das geht aus einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim hervor, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) exklusiv vorliegt. Damit zeigt sie teils überraschende Ergebnisse zum Wahlverhalten von Christen bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl vom Sonntag.

Mehr als 8.500 Bürgerinnen und Bürger in Wahllokalen wurden für die Analyse befragt – unmittelbar nachdem sie ihre Stimme abgegeben hatten. Sie erhielten einen kurzen Fragebogen, der auch nach Konfessions- beziehungsweise Religionszugehörigkeit fragte.

Treue Kirchgänger wählten Schnieder

Demnach erhielt die CDU von Herausforderer Gordon Schnieder bei Katholiken 42 Prozent – deutlich mehr also als die 31 Prozent vom vorläufigen Endergebnis aller Stimmen. Nur 24 Prozent aus der Gruppe haben ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten gemacht. Katholische Gläubige, die jede Woche zum Gottesdienst gehen, wählten sogar zu 60 Prozent die CDU.

Hätten nur die Stimmen der evangelischen Christen gezählt, hätte hingegen die SPD des bisherigen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer mit 31 Prozent vorne gelegen. Nur 27 Prozent der Stimmen von evangelischen Befragten landeten bei Wahlsieger Schnieder. Unter den Konfessionslosen kam die SPD auf 23 Prozent und die CDU erreichte 24 Prozent.

Jung, männlich, evangelisch heißt oft: AfD-affin

Vor der Landtagswahl hatten beide großen Kirchen durch die Blume einen öffentlichen Aufruf gegen die politischen Ränder gestartet: für Politiker, "die einem solidarischen Miteinander und einer guten Zukunft für alle Menschen in unserem Bundesland dienen".

Vor diesem Hintergrund ist das Wahlergebnis der AfD gerade unter evangelischen Christen bemerkenswert. Menschen mit evangelischem Hintergrund haben zu 20 Prozent das Kreuz bei der AfD gemacht, das liegt etwas über dem Gesamtergebnis von 19,5 Prozent, das die Alternative für Deutschland zwischen Eifel und Oberrhein einfuhr. 17 Prozent der katholischen Wählerschaft stimmten für die AfD. Bei beiden Gruppen erlebte die Partei einen Zuwachs um 11 Prozentpunkte. 22 Prozent der Menschen ohne Religionszugehörigkeit entschieden sich für die AfD – ein Plus von 8 Prozentpunkten.

Eine Papiertasche der Partei "Alternative für Deutschland" in einer Kirchenbank.
Bild: ©KNA/Harald Oppitz

17 Prozent der katholischen Wählerschaft stimmten für die AfD.

Unter kirchennahen Menschen gab es deutliche Unterschiede je nach Geschlecht. Frauen mit evangelischem Hintergrund kreuzten seltener die AfD an (16 Prozent), ebenso wie die katholischen Wählerinnen (14 Prozent). Die evangelischen Männer erklärten sich zu 24 Prozent zu AfD-Wählern, die katholischen Männer zu 19 Prozent.

Ältere Christen eher auf Distanz zur Rechten

Auffällig ist ein Ausreißer im Vergleich von häufigen Gottesdienstbesuchern: Da weist die Analyse unter Katholiken, die jede Woche zur Messe gehen, 10 Prozent AfD-Anteil aus, bei Protestanten ist der Wert mit 18 Prozent deutlich höher.

Bei den Christen sind jüngere Altersgruppen AfD-affiner als ältere: Wählerinnen und Wähler bis 34 Jahre entschieden sich je nach Kirche zu 25 Prozent (evangelisch) und 23 Prozent (katholisch) für die AfD. In der Altersgruppe 35 bis 59 waren es 27 Prozent (evangelisch) und 21 Prozent (katholisch). In der Gruppe der christlichen Wähler ab 60 waren es 11 Prozent (evangelisch) und 10 Prozent (katholisch).

Laut dem Mikrozensus waren 2022 36,2 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz Mitglied der katholischen Kirche und 24,6 Prozent Mitglied der evangelischen Kirche. Die muslimische Wählergruppe hat die Forschungsgruppe Wahlen wegen zu geringer Fallzahl in ihrer Analyse nicht ausgewiesen.

Von Christof Bock (KNA)