Uni Münster will islamische Theologie mit neuer Fakultät stärken
Die Universität Münster will zum Wintersemester 2026/27 nach eigenen Angaben die erste islamisch-theologische Fakultät an einer staatlichen Hochschule in Deutschland gründen. Das bisherige Zentrum für Islamische Theologie soll damit organisatorisch den katholischen und evangelischen Fakultäten gleichgestellt werden. Das teilten Universitätsrektor Johannes Wessels und der künftige Dekan der neuen Fakultät, Mouhanad Khorchide, am Mittwoch in Münster mit. Der neue Fachbereich soll zum 1. Oktober offiziell an den Start gehen und acht Professuren umfassen.
Mit dem Statuswechsel ist vor allem mehr Eigenständigkeit verbunden. Die Fakultät erhält unter anderem das Recht, eigenständig Promotionen und Habilitationen durchzuführen sowie über Berufungen und akademische Strukturen selbst zu entscheiden. Bislang waren solche Verfahren an andere Fachbereiche angebunden. Voraussetzung für die Gründung war nach Angaben der Universität der Aufbau einer ausreichenden personellen Ausstattung.
"Leuchtturm für weltoffenen Islam"
Khorchide bezeichnete die neue Fakultät als wichtiges Signal für Muslime in Deutschland und Europa. Sie ermögliche eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam auf Augenhöhe mit christlicher Theologie. Das Projekt sei ein "Leuchtturm für einen aufgeklärten, weltoffenen Islam". Zugleich solle die Einrichtung stärker in gesellschaftliche Debatten hineinwirken, etwa bei Fragen von Integration, Extremismusprävention oder religiöser Bildung, so der bisherige Direktor des Zentrums für Islamische Theologie.
Die Fakultät sei ein wichtiges Zeichen für Muslime in Deutschland und Europa, sagte Mouhanad Khorchide. Er wird Dekan der neuen Fakultät.
Nach Darstellung der Universität gibt es islamische Theologie als Fach zwar bereits an mehreren Standorten in Deutschland. Eine eigenständige Fakultät an einer staatlichen Hochschule sei bislang aber weder in Deutschland noch an anderen öffentlichen Hochschulen in Europa gegründet worden. Wessels verwies auf eine Einrichtung in Sarajevo, die jedoch nicht an einer staatlichen Hochschule angesiedelt sei.
Eine Besonderheit ist das sogenannte Beiratsmodell. Da es im Islam keine einheitliche institutionelle Vertretung wie die Kirchen gibt, übernimmt ein mit muslimischen Organisationen besetztes Gremium eine vergleichbare Rolle. Der Beirat ist unter anderem an Berufungen und Studieninhalten beteiligt und kann aus religiösen Gründen ein Vetorecht ausüben. Vertreten sind nach Universitätsangaben unter anderem die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und der Zentralrat der Muslime in Deutschland.
"Historischer Schritt" und starkes Signal
Das Zentrum für Islamische Theologie in Münster war 2012 gegründet worden und ist seither deutlich gewachsen. Nach Angaben Khorchides stieg die Zahl der Studierenden von anfangs 13 auf inzwischen mehr als 450, die Zahl der Beschäftigten auf rund 80.
Aus der Politik kam Zustimmung. Die religionspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lamya Kaddor, sprach von einem "historischen Schritt" für eine gleichberechtigte Religionspolitik. Erstmals erhalte die islamische Theologie eine institutionelle Verankerung, wie sie für christliche Theologien selbstverständlich sei. Dies sei ein starkes Signal für die Anerkennung muslimischen Lebens in Deutschland. Zugleich eröffne die Fakultät neue Chancen für Forschung und Ausbildung und könne dazu beitragen, religiöse Fachkräfte stärker im Inland auszubilden und unabhängiger von Einflüssen aus dem Ausland zu werden. (KNA)
