Schwester Regina Greefrath über das Sonntagsevangelium

"Vater, in deine Hände" – wie Jesus loslassen lehrt

Veröffentlicht am 16.05.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Essen ‐ Im heutigen Sonntagsevangelium spricht Jesus über seine Rückkehr zum Vater. Schwester Regina Greefrath erinnert das ein Lied und an bunte Glasfenster.

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In den Worten Jesu, die wir heute hören, schwingt Abschied mit. Es ist ein vertrauliches, sehr innerliches Gespräch mit seinem Vater. Beim Lesen des Evangeliums kam mir das Lied "Vater, in deine Hände" von Albert Frey in den Sinn. Darin legt der Autor Jesus sehr einfühlsam Worte in den Mund, die seine möglichen inneren Regungen erahnen lassen.

"Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.
Du kennst Beginn und Ende, Vater, du siehst und weißt.
Mein Herz ist schwer, sagt bleib noch, kurz war die Zeit, doch sie war erfüllt.
Auch auf den dunklen Wegen hat mich dein Segen mit Licht umhüllt."

Jesus spürt: Jetzt ist die Zeit, es ist so weit – er wird zum Vater zurückkehren. In diesen Worten liegt eine leise Wehmut darüber, dass sein irdisches Leben bald zu Ende geht. Das Herz ist schwer. Zugleich schwingt eine tiefe Dankbarkeit mit, weil Gott Jesu ganzes Leben begleitet und ihn auch in schwierigen Zeiten nicht allein gelassen hat. Darin zeigt sich auch das Vertrauen, dass Gott weiß, was richtig ist.

"Vater, in deine Hände lege ich meine Last.
Du wirst all das vollenden, was du begonnen hast.
Mir scheint so viel noch offen, doch ich will hoffen, dass du erfüllst.
Ich muss es nicht verstehen, es soll geschehen, wie du es willst."

Obwohl Jesus Gottes Sohn war, fiel ihm nicht immer alles leicht. In der Begegnung mit den Menschen hatte er auch mit Schwierigkeiten und Widerstand zu kämpfen. Selbst zutiefst menschliche Gefühle wie Einsamkeit und Angst – etwa im Garten Getsemani – waren ihm nicht fremd. Das mag ihn bedrückt haben, doch in diesen Zeilen klingt zugleich ein ungebrochenes Vertrauen in seinen Vater an: Dieser Weg ist der richtige, auch wenn das volle Verständnis dafür fehlt.

Jesus hat seine Mission vollendet

"Vater, in deine Hände lege ich meinen Plan.
Du wirst noch andere senden, mein Teil ist nun getan.
Vater, all meine Lieben, die mir noch blieben, du siehst sie an.
Du wirst noch für sie sorgen, wenn ich es morgen selbst nicht mehr kann."

Jesus kann von sich sagen: Ich habe alles erfüllt, was der Vater mir aufgetragen hat. Die Menschen haben Gott als ihren Vater und Jesus als seinen Sohn erkannt und sind zum Glauben gekommen. Sie haben verstanden, worin Gottes Wille besteht. Nun liegt es an ihnen, diesen Willen zu leben – doch das können sie nicht aus eigener Kraft.

Dass Jesus die Vollendung seiner Mission dem Vater anvertraut, zeugt von Hingabe, Vertrauen und Offenheit für Gottes Wirken. Das macht mir Mut, mich selbst und mein Leben Gott hinzuhalten. Ich muss nicht alles aus eigener Kraft schaffen. Ich darf darauf vertrauen, dass Gott durch mich und mit mir wirkt und das Unvollendete meines Lebens zur Vollendung bringt.

"Vater, in deinen Frieden senke ich mich hinab.
Du wirst mich zu dir ziehen, du lässt mich nicht im Grab.
Vater, von dir her komm ich und mit dir ging ich durch diese Zeit.
Zu dir werde ich gehen und dein Licht sehen in Ewigkeit."

Jesus schaut auf das Nach-Hause-Kommen, auf die Wiedervereinigung mit dem Vater. Ein großer innerer Friede und grenzenloses Vertrauen in Gott klingen in diesen Worten nach – und schenken Hoffnung für uns alle. Vielleicht kann ich mein Leben mit einem bunten Glasfenster vergleichen. Gott fügt die vielen farbigen Glasteile meines Lebens zu einem großen Ganzen zusammen, sodass ein schönes Bild entsteht. Auch das Schwere und Unvollendete hat darin seinen Platz. Zur vollen Geltung kommt dieses Bild, wenn Gottes Liebe wie die Sonne hindurchscheint und mein Leben große, bunte Farbkleckse in die Welt wirft. Wie dieses Bild am Ende aussieht, steht vielleicht nicht von Anfang an fest – vielmehr trage ich durch mein Handeln und meine Worte zur Gestaltung meines Lebensfensters bei.

Evangelium nach Johannes (Joh 17, 1–11)

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.

Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.

Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.

Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Die Autorin

Schwester Regina Greefrath CSA gehört dem Orden der Augustiner-Chorfrauen an. Sie unterrichtet am klostereigenen Gymnasium die Fächer katholische Religion und Spanisch und engagiert sich in der AG Berufungspastoral der Orden (AGBO).

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