Der dritte Tag in Würzburg

Merz, Astronauten und große Debatten beim Katholikentag

Veröffentlicht am 15.05.2026 um 16:00 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Neben den rund 900 Veranstaltungen beim Katholikentag in Würzburg, wird bei zahlreichen Diskussionsforen über Politik, Kirche und Gesellschaft debattiert – mit Spitzenpolitikern. Am Freitag war auch der Bundeskanzler da.

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Das große Unwetter kam – anders als in Erfurt beim dortigen Katholikentag 2023 – gleich zu Beginn des Großevents in der fränkischen Barockstadt Würzburg. Begleitet hatte der Regen nicht nur die groß angelegte Eröffnungszeremonie auf dem Residenzplatz oder den Auftaktgottesdienst mit Bischof Jung am Donnerstagvormittag, sondern auch den weiteren Verlauf des 104. Katholikentags. Eine Frage mussten sich die Besucherinnen und Besucher des Events – ob Kleriker, Ordenspersonen oder Laien – nicht stellen: Jacke ja oder nein? Die beantwortete sich von selbst. Aber das Wetter soll nicht "das" Thema sein, schließlich bietet das großangelegte Kirchenevent mit rund 900 Veranstaltungen reichlich an Themen, die Kirche und Gesellschaft bewegen.

Tausende von Besucherinnen und Besuchern des Katholikentags strömen derzeit durch die Straßen Würzburgs zu den Podiumsdiskussionen oder auch zur Kirchenmeile. Ein Weg zu ihr führt über die alte Mainbrücke, die auch als die „alte Weinbrücke“ bezeichnet wird. Viele standen bei den ersten längeren Sonnenstrahlen mit einem Glas Wein auf der Brücke und genossen die Aussicht auf den Main, die Festung oder den Kiliansdom. Wenige Meter weiter hatte eine Straßenmusikergruppe unter der Statue Friedrichs von Utrecht für gute Laune gesorgt. Vorbeigehende machten schließlich einen Schritt zurück, als sie einen benediktinischen Ordensmann sahen, der aus seinem Rucksack eine Violine auspackte und sich spontan zu den Musikern stellte und mitspielte.  

Lebhafte Diskussionen

Doch nicht nur auf der Brücke sorgten Musik und ein Gläschen Wein für gute Stimmung. Auch das breite Spektrum an Angeboten auf der Kirchenmeile schaffte Raum für Gespräche und lebhafte Diskussionen über Kirche, Politik und Gesellschaft. Zwischen den Ständen wurde dabei nicht nur über Glaubensfragen diskutiert – auch Gerhard Thiele sprach über seine Erfahrungen als Astronaut. Immer wieder ging es auch um die Frage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer zunehmend digitalen Welt erhalten bleiben kann.

In diesem Zusammenhang macht der Katholikentag deutlich, dass die Kirche noch Räume für ein Miteinander schafft. Dieser Freiraum macht Begegnungen mit realen Menschen möglich, ebenso aber das soziale Engagement, das sich gegen die Radikalisierung wehrt. Bis Sonntag bieten Podiumsdiskussionen, Debatten, Workshops und Gottesdienste den Raum für ein gemeinsames Ringen um eine bessere Kirche, eine Gesellschaft, die zusammenhält und dadurch dann auch eine bessere Welt.

Menschen vor und zwischen den Zelten auf der Kirchenmeile beim 104. Katholikentag am 14. Mai 2026 in Würzburg.
Bild: ©KNA/Harald Oppitz

Menschen vor und zwischen den Zelten auf der Kirchenmeile beim 104. Katholikentag am 14. Mai 2026 in Würzburg.

Vor allem die Podiumsdiskussionen mit Spitzenpolitikern waren sehr gut besucht. So hörten tausende von Menschen dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu, als er vor den möglichen Folgen einer Regierungsübernahme der AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnte. Kulturelle Einrichtungen wären bedroht, damit auch rund 50.000 ehrenamtlich Aktive. Auch Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow von den Linken füllte den Saal und sorgte mit seiner Ansage für lautstarken Applaus, die AfD sei die kirchenfeindlichste Partei.

Proteste und Applaus

Schließlich kam auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum Zuge und sorgte für Proteste und zeitgleich für Applaus. Vor dem Saal versammelten sich rund 600 Demonstrierende. Einige davon hatten es in den Saal geschafft und die Debatte gestört – woraufhin der Saal mit "Raus"-Rufen reagierte. Moderator Manuel Hartung schaffte es jedoch, für Ruhe zu sorgen, damit das Gespräch weitergeführt werden konnte. Mehr Beteiligung lautete die Devise – Beteiligung an politischen Entscheidungen. Ebenso aber, junge Menschen nicht als faul zu bezeichnen. Merz räumte ein, er müsste an seiner Kommunikation arbeiten. Dass die Bundesregierung derzeit nicht das beste Bild abgibt, gab er teils selbst zu: "Vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse. Das mag sein."

Demonstration mit Kundgebung gegen die Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz beim 104. Katholikentag am 15. Mai 2026 in Würzburg.
Bild: ©KNA/Harald Oppitz

Demonstration mit Kundgebung gegen die Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz beim 104. Katholikentag am 15. Mai 2026 in Würzburg.

Streit und Spannungen sind auch der Kirche in Deutschland icht gerade fremd. In den vergangenen Wochen sorgte das Thema rund um Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare für Furore und Spannungen mit dem Vatikan. Der Wirbel legte sich, vor allem weil das Dikasterium für die Glaubenslehre unter Kardinal Victor Fernandez derzeit mit den Piusbrüdern bezüglich der illegalen Bischofsweihen zankt.

Aber nicht nur die Frage nach Segensfeiern steht immer wieder im Raum innerkirchlicher Debatten in Deutschland wie der Welt, auch die Frage nach kirchlichen Ämtern für Frauen ist längst nicht mehr wegzudenken. Dazu äußerte sich der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, am Rande einer Veranstaltung. Mehr Leitungsaufgaben für Frauen in der Kirche kann die Debatte über Frauen in kirchlichen sakramentalen Ämtern nicht entschärfen, meint er. Die Weihefrage werde damit eher "schärfer gestellt". 

Wie es mit diesen Themen weitergeht? Das wird sich zeigen. Jedenfalls werden sich zahlreiche Diskussionsforen bis Sonntag mit den "heißen Eisen" beschäftigen, die aber keine reinen Themen der Kirche in Deutschland sind. Für Samstag etwa wird der Weltsynoden-Chef und Kurienkardinal Mario Grech aus Rom erwartet. Sein Kollege in Rot, der Belgrader Kardinal Ladislav Nemet, ist bereits in Würzburg und besuchte am Donnerstag seine Mitbrüder der Steyler Missionare.

Von Mario Trifunovic