Mehr als 400 Besucher

Heavy-Metal-Gottesdienst: Beim Katholikentag rockt die Kirche

Veröffentlicht am 15.05.2026 um 18:56 Uhr – Von Michael Althaus (KNA) – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Gitarrenlärm statt Orgelklang: Beim Katholikentag zieht ein Heavy-Metal-Gottesdienst hunderte Menschen an. Wie ein Wacken-Besuch zur Idee für die ungewöhnliche Feier führte.

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Mit einer Warnung beginnt der Gottesdienst: "Es wird laut. Es wird sehr laut", kündigt Band-Frontmann Bernd Mader an. Einige Besucher haben vorsorglich Ohrenstöpsel mitgebracht. Kurz darauf dröhnen Gitarren, Keyboard und Schlagzeug durch die Kirche. Zu den Klängen von Queens "We Will Rock You" scheint der Boden zu beben.

Mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Katholikentags in Würzburg haben sich am Freitag zu einem Heavy-Metal-Gottesdienst versammelt. In einer barocken Kirche singen und tanzen sie zu harter Rockmusik. "Wir wollen miteinander das Leben und Gott feiern", sagt der Leiter der Feier, Matthias Fuchs, zu Beginn.

Lichtorgel und Metalgruß

Hinter dem Altar steht ein Gemälde mit einer Hand im typischen Metalgruß: Daumen und kleiner Finger sind abgespreizt, die übrigen Finger umklammern ein Kreuz. Während der Musik taucht eine Lichtorgel die weißen Kirchenwände und die Heiligenfiguren abwechselnd in grünes, rotes und blaues Licht.

Ein Pastoralreferent zeigt im Gottesdienst den Heavy-Metal-Gruß
Bild: ©KNA/Harald Oppitz

"Wir wollen miteinander das Leben und Gott feiern", sagt Matthias Fuchs. Der Pastoralreferent leitete den Heavy-Metal-Gottesdienst auf dem Katholikentag in Würzburg.

Für Fuchs ist es nicht die erste Feier dieser Art. Seit drei Jahren organisiert der 48-jährige Pastoralreferent mit einem Team und der eigens gegründeten Band Heavy-Metal-Gottesdienste in seiner Kirchengemeinde im badischen Bruchsal-Obergrombach. Auslöser sei unter anderem ein Besuch auf dem Wacken Open Air in Schleswig-Holstein gewesen, dem nach Angaben der Veranstalter weltweit größten Heavy-Metal-Festival: "Dort habe ich mit vielen Menschen intensive Gespräche geführt, bei denen ich gemerkt habe, dass ganz viele Metalheads eine Sehnsucht nach Sinn im Leben haben", sagt Fuchs im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die harten Klänge seien grundsätzlich mit dem Christentum vereinbar, meint der Theologe. "Aber man darf natürlich nicht verhehlen, dass es auch Lieder, Bands oder Stilrichtungen gibt, die nicht vereinbar sind." Stücke etwa aus den Bereichen Death Metal oder Black Metal würden deshalb nicht gespielt:"Wir nehmen die Lieder, in denen Lebendigkeit und Kraft steckt, in denen Erfahrungen von Menschen aus dem Alltag musikalisch transportiert werden."

Ein Gitarrist spielt beim Heavy-Metal-Gottesdienst auf dem Katholikentag
Bild: ©KNA/Harald Oppitz

Die Wortgottesfeier stand unter dem Motto: "Headbangers Church – es wird laut!"

So stehen heute etwa "Metal Gods" von Judas Priest und "Balls to the wall" von Accept auf dem Programm. Dazwischen gibt es klassische Gottesdienst-Elemente wie biblische Lesungen, eine Predigt und Gebete. Fuchs fordert die Besucher auf, das gemeinsame "Amen" am Ende der Gebete laut zu grölen. Ist es zu leise, wird es noch einmal wiederholt. Anstelle von Fürbitten spielt die Band Neil Youngs "Keep on Rockin' in the Free World".

Familien, Senioren, Priester feiern mit

Das Publikum ist bunt gemischt: Familien mit Kindern sind ebenso gekommen wie Ordensleute, Priester und Senioren. Inzwischen sind fast alle von ihren Plätzen aufgestanden. Einige bewegen ihre Köpfe im Rhythmus der Musik. Nach gut einer Stunde endet die Feier mit "God Gave Rock'n' Roll to You" von Kiss.

Bei den meisten Besuchern kommt die ungewöhnliche Verbindung von Metal und Gebet gut an. "Ich fand's total klasse, wie er's gemacht hat. Es war richtig mitreißend", sagt eine Frau, die mit ihrem Mann und ihrem vierjährigen Sohn gekommen ist – mutmaßlich der jüngste Besucher des Gottesdienstes. Und auch eine 72-jährige Teilnehmerin schwärmt, die Feier habe ihr Herz angesprochen: "Ich mag solche Gottesdienste mit moderner Musik." 

Von Michael Althaus (KNA)