Sautermeister: Bischöfe bei Segnung Homosexueller auf Linie mit Rom

Der Theologe Jochen Sautermeister sieht in der Handreichung der deutschen katholischen Bischöfe zur Segnung homosexueller Paare keinen Widerspruch zu der vom Vatikan vorgegebenen Linie. Die Handreichung sei "keine offizielle Einführung eines feierlichen Segensritus", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). Sondern das von der Gemeinsamen Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) im April 2025 herausgegebene Dokument gebe lediglich Empfehlungen "für eine situativ angemessene Gestaltung von Segnungen".
Auch das Schreiben "Fiducia supplicans" des vatikanischen Glaubenspräfekten Víctor Fernández von Dezember 2023 verbinde solche Segnungen mit Fürbitte und Gebet und empfehle, Elemente der Volksfrömmigkeit zu berücksichtigen, betonte Sautermeister, der an der Universität Bonn Moraltheologie lehrt.
Orientierung und Qualitätssicherung
Da die Segnungen kein formaler Ritus seien und nicht in liturgischen Büchern reguliert würden, wolle Rom, dass die geweihten Amtsträger entsprechend ausgebildet werden, um solche Segnungen kompetent und angemessen durchzuführen. "Genau das wird ja auch mit der deutschen Handreichung beabsichtigt: Orientierung und Qualitätssicherung, damit die Segnung auf die Situation des Paares eingeht und sich klar von einer liturgischen Feier unterscheidet."
Auf dem Rückflug seiner Afrikareise hatte Papst Leo XIV. die Segenspraxis in Deutschland kritisiert.
Es werde in der Handreichung kein Ritual festgeschrieben und keine feste Form definiert. "Außerdem ist kein Seelsorger zu einer Segnung verpflichtet, wenn er das mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann."
Papst Leo XIV. habe die Geltung von "Fiducia supplicans", das noch aus der Amtszeit seines Vorgängers Franziskus stammt, bekräftigt, unterstrich Sautermeister. "Beim Segen für Homosexuelle gibt es aus meiner Sicht kein Zurück. Darum hat Rom seine Gesprächsbereitschaft signalisiert."
Nur wenige Sekunden
"Fiducia supplicans" erlaubt Segnungen homosexueller Paare nur im außerliturgischen Rahmen. Der Segen soll demnach nur wenige Sekunden dauern und nicht den Eindruck einer kirchlichen Eheschließung erwecken. Demgegenüber enthält die deutsche Handreichung auch feierliche Elemente wie Gesang und Gebet.
Nachdem der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Umsetzung der Segensfeiern in seinem Erzbistum empfohlen hatte, erklärte der Papst auf dem Rückflug von seiner Afrikareise im April: "Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formellen Segnung von Paaren – in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen – nicht einverstanden sind." (KNA)