Klöckner: Kirche muss Halt geben und ist keine weitere NGO
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat am Rande des Katholikentages in Würzburg die Kirche dazu aufgerufen, sich stärker auf die Vermittlung des Glaubens und existenzielle gesellschaftliche Fragen zu konzentrieren. "Wenn ich eine Stellungnahme zu einem Tempolimit von 120 von der Kirche bekomme, dann kann sie das natürlich tun. Aber das wird die Menschen nicht in die Kirche bringen. Sie muss sicherlich mehr bieten", sagte Klöckner im Fernsehsender Phoenix.
Es gehe auch darum, dass man als gläubiger Christ im Gottesdienst angesprochen werde, "von Predigten, die nicht auf der Meta-Ebene sind, sondern die wirklich ins Hier und Jetzt übersetzt werden und mir auch immer die Transzendenz, den Glauben und auch die Hoffnung mitpräsentieren", so die CDU-Politikerin, die selbst katholische Theologie studiert hat. Kirche müsse sich zudem in Fragen einmischen, die über tagesaktuelle Themen hinauswiesen, etwa beim gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen. "Was sagen wir den Menschen, die eben anders als die Norm sind? Da will ich die Kirche hören. Und da ist sie mir manchmal zu leise."
Kirche darf nicht innerweltlich sein
In Zeiten von Krisen und Kriegen wie auch wachsender Unsicherheit könne Kirche Orientierung geben. "Die Relevanz ist gerade bei Kirchen die, dass sie über den Alltag hinausweist, dass sie eben nicht eine innerweltliche Gruppierung, eine weitere NGO ist", so Klöckner. Bei den Kirchen gehe es um das Thema Hoffnung, um das Menschsein und das Zusammenleben in einer Gesellschaft.
Kritisch setzte sich Klöckner mit dem Zeitgeist auseinander, der kirchliche Feiertage oft nur als eine weitere Form von Freizeit ansehe. "Wenn ich keinen Bezug mehr dazu habe und nur noch irgendwie Kulturchrist bin, dann darf ich mich nicht wundern, wenn vieles auch erodiert."
Dass zum Kirchentag keine AfD-Politiker eingeladen wurden, wollte Klöckner nicht kommentieren, meinte aber: "Es gibt durchaus Positionen bei der AfD, die ich schwierig finde, mit dem christlichen Menschenbild zu vereinen." (KNA)
