Befragung von Bischofskonferenzen weltweit

Vatikan bereitet Dokument über "Weitergabe des Glaubens" vor

Veröffentlicht am 16.05.2026 um 17:34 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt/Washington ‐ Wie kann die Kirche heute die Botschaft der Bibel weitergeben? Eine Frage, die in vielen Ländern sehr unterschiedlich beantwortet wird. Allgemeingültige Vorschläge sind schwer zu finden – weiß auch der Vatikan.

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Der Vatikan bereitet wohl derzeit ein neues Dokument über die Weitergabe des Glaubens vor. Das berichtet das US-Portal "National Catholic Register" (Samstag) unter Berufung auf den Leiter des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández (Foto).

Laut dem argentinischen Kardinal basiert das Dokument auf einer Befragung der Bischofskonferenzen weltweit und wird gemeinsam mit dem Dikasterium für die Evangelisierung erarbeitet. Einen genauen Veröffentlichungs-Termin habe Fernández nicht genannt.

Franziskus beklagte Krise der Glaubensvermittlung

Die Ursprünge des Dokuments gehen demnach auch auf das Apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium" von Papst Franziskus (2013-2025) von 2013 zurück. Der Papst habe "die Volksfrömmigkeit und die Familie als Mittel der Glaubensweitergabe sehr geschätzt", doch zugleich beklagt, dass diese Weitergabe unterbrochen sei, so der argentinische Kardinal, den Franziskus 2023 zum obersten Glaubenshüter berufen hatte.

Bischöfe aus aller Welt hätten bei Besuchen im Vatikan "diese Besorgnis geäußert und eine Studie über das Problem sowie mögliche Lösungswege vorgeschlagen". Darauf habe die Vatikanbehörde für die Glaubenslehre eine Konsultation mit allen Bischofskonferenzen, mit Experten und Forschungszentren gestartet, deren Resonanz enorm gewesen sei, sagte Fernández.

Mosaike mit Darstellung der Päpste
Bild: ©KNA/Paolo Galosi/Romano Siciliani

Die Ursprünge des Dokuments gehen auf das erste apostolische Schreiben des im vergangenen Jahr verstorbenen Papstes Franziskus zurück: "Evangelii gaudium".

Damit sei eine universale Perspektive gewährleistet, denn bei dem Thema gebe es erhebliche regionale Unterschiede. Ein solcher Text müsse heute über einen europäischen oder italienischen Rahmen hinausgehen und aus "der Vielfalt und dem Reichtum der Weltkirche" schöpfen, betonte Fernández.

"Man muss nur bedenken, dass selbst in Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit die Sichtweisen der Bischöfe zu diesem Thema stark voneinander abweichen", so der Kardinal. "Die pastorale Erfahrung der Episkopate Nordafrikas ist nicht dieselbe wie die Malis; die Perspektive der Türkei ist nicht dieselbe wie die Pakistans", sagte Fernández.

Keine Patentlösungen für alle Fälle

"In Europa ist Polen nicht dasselbe wie Deutschland, und Italien ist nicht dasselbe wie England. In Lateinamerika ist Argentinien nicht dasselbe wie Kolumbien, und Brasilien ist nicht dasselbe wie Peru."

Daher könne das Dokument keine "Rezepte oder Patentlösungen für alle Fälle anbieten", so der Kardinal; "Vielmehr muss es das volle Ausmaß der Problematik anerkennen und Wege aufzeigen, die für jeden auf irgendeine Weise inspirierend sein könnten", sagte Fernández. (KNA)