Seit fast 25 Jahren Coverbild

Fake-Priester in römischem Kalender: Finde Foto nicht sexy

Veröffentlicht am 18.05.2026 um 12:20 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Der römische Priesterkalender ist ein Verkaufsschlager bei Touristen. Doch sind die jungen Männer selten echte Geistliche. Wie der Italiener auf dem Titelbild, der für seine Modeldienste nie einen Euro gesehen hat.

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Der falsche Geistliche auf dem Titelbild des berühmten römischen Priesterkalenders findet sein Foto nicht sexy. Es sei eine ästhetisch ansprechende Aufnahme, ein schönes, ebenmäßiges, sympathisches Gesicht, so Giovanni Galizia im Interview, das die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntagabend veröffentlichte. "Ich finde an diesem Foto nichts sexy. Ich sehe eine Nahaufnahme, da ist nichts Sinnliches."

Das Bild des jungen Mannes mit Priesterkragen ziert seit knapp einem Vierteljahrhundert den Titel des "Calendario Romano", der jedes Jahr wieder aufgelegt wird. Pro Kalenderblatt ist ein junger Mann in klerikaler Kleidung abgebildet. Doch ein katholischer Geistlicher ist Galizia nicht. Der mittlerweile 39-Jährige ist in der Ausbildung von Flugbegleitern einer spanischen Airline tätig. Eine Berufung zum Priester habe er nie gespürt.

Foto "ein Scherz" ohne Lohn

Den Fotografen des Kalenders, Piero Pazzi, habe er vor vielen Jahren zufällig getroffen und sich von ihm porträtieren lassen. "Es war ein Scherz." Bezahlt worden sei er dafür nicht: "Ich habe nie einen Euro verlangt." Entstanden sei das Foto für den römischen Kalender auch nicht in Rom, sondern in seiner Heimatstadt Palermo, klärt Galizia auf.

Obwohl der Kalender mit seinem Foto in fast jedem römischen Souvenirladen angeboten wird, wurde der Sizilianer laut eigenem Bekunden noch nie in der Öffentlichkeit darauf angesprochen. "Ich bin nur in der Hauptstadt bekannt." Aber wenn Freunde in Rom unterwegs seien, schickten sie ihm immer ein Foto von dem Titelblatt. Ein eigenes Exemplar besitzt Galizia nicht: "Nein, was soll dieses übergroße Ego? Und außerdem macht es mir ein bisschen Angst, mich neben Gladiatoren und dem Papst zu sehen." (KNA)