Leos erste Enzyklika "wegweisendes Dokument"

Wilmer zu Papstschreiben: Entscheidend, dass Mensch menschlich bleibt

Veröffentlicht am 25.05.2026 um 15:10 Uhr – Lesedauer: 

Bonn ‐ Papst Leo XIV. sei alles andere als ein Technikfeind, betont der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Doch im Zentrum der Beurteilung von KI müssten der Mensch und die Menschenwürde stehen, so Bischof Wilmer.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sieht die erste Sozialenzyklika des Papstes als ein "wegweisendes Dokument für die Menschlichkeit". Leo XIV. mache klar, dass es künftig die Pflicht der Christen sei, sich mit den ethischen Fragen Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, sagte Wilmer am Pfingstmontag vor Journalisten in Bonn. Dafür gebe es keinen Masterplan; doch der Papst habe Leitplanken für einen vernünftigen Umgang mit der KI aufgezeigt.

Dabei sei Leo XIV. alles andere als ein Technikfeind, betonte Wilmer. Doch im Zentrum der Beurteilung von KI müssten der Mensch und die Menschenwürde stehen. Ein Grundgedanke von "Magnifica humanitas" laute, Technologie sei nicht neutral, sondern werde von jenen geprägt, "die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen". Daraus leite der Papst den Appell ab, auch in der Zeit Künstlicher Intelligenz "zutiefst menschlich zu bleiben".

Herz des Menschen nicht verkümmern lassen

Der Mensch sei Person, kein Datensatz, so interpretierte Wilmer den Gedanken des Papstes. Man dürfe ihn nicht als bloße Ressource durch Algorithmen nutzen und ausbeuten. Die Unverletzlichkeit der Menschenrechte müsse auch beim Thema KI leitend sein. Der technische Fortschritt dürfe, so Leo XIV., das Herz des Menschen nicht verkümmern lassen. Bei aller Weiterentwicklung von Technik dürfe echte Begegnung nicht ersetzt werden.

Als zentralen Baustein wertete Wilmer den Abschnitt des Lehrschreibens, das sich dem Thema Macht und Krieg widmet. "Magnifica humanitas" kritisiere eine neue "Kultur der Macht", die den Krieg "als Instrument der internationalen Politik" rehabilitiere. Die Theorie des Gerechten Krieges, die inzwischen regelmäßig unterwandert werde, müsse überwunden werden, so der Papst – abgesehen vom Recht auf Selbstverteidigung. Stattdessen gelte es, Dialog, Diplomatie und Vergebung zu fördern.

"Magnifica humanitas": Enzyklika zur Verteidigung der Menschlichkeit

Seit 135 Jahren begleiten die Päpste den industriellen Fortschritt mit Kritik und Ratschlägen. Eine Sozialenzyklika ist dafür die umfassendste und feierlichste Form. Eine solche hat Leo XIV. nun veröffentlicht.

Deutlich warne der Papst daher vor dem Einsatz von durch KI gestützten Waffen, wodurch Opfer zu Daten reduziert würden. KI könne Krieg also "lediglich schneller und unpersönlicher machen" und die Schwelle für Gewalt senken. Wilmer betonte, die entstehende weltpolitische Unordnung und die zahlreichen internationalen Konflikte beunruhigten die deutschen Bischöfe und auch ihn schon länger.

Er verwies auch auf die Forderung von "Magnifica humanitas", die "KI zu entwaffnen" und für Digitalisierung und KI einen Ethikkodex zu schaffen, der auf sozialer Gerechtigkeit basiere. Es gelte, KI von der Logik militärischer und ökonomischer Machtkämpfe zu befreien, auch in den Köpfen. Damit technische Überlegenheit nicht von Monopolen zur Kontrolle von Menschen und zur Machtsicherung genutzt werde, brauche es eine international verbindliche rechtliche Ordnung.

"Rerum novarum 2.0"

"Wir erleben auch in Deutschland, wie Algorithmen Quantität stärker belohnen als Qualität und Wahrhaftigkeit, wie in Zeiten polarisierter öffentlicher Debatten die Demokratie unter Druck gerät", ergänzte Wilmer. Papst Leo nehme die Kirche und ihre Institutionen in die Pflicht, an einer "transparenten Kommunikation und ehrlichen Suche nach Fakten mitzuwirken".

Die Freiburger Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer, die neben Wilmer das Papstschreiben vorstellte, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), sie sehe eine klare Linie zwischen der Namenswahl Leos XIV., der Enzyklika "Rerum novarum" von Papst Leo XIII. über die Arbeiterfrage 1891 und der neuen KI-Enzyklika "Magnfica humanitas". Letztere sei sozusagen "Rerum novarum 2.0". Es gehe bei der KI um einen weiteren tiefen Umbruch in der Menschheitsgeschichte. Papst Leo sehe die Technik allerdings nicht als einen Feind an, sondern als eine Schöpfung menschlicher Kreativität – die freilich ethischer Leitplanken bedürfe (mal/KNA)