Zwischen Bescheidenheit und Luxus: Die Päpste und ihre Autos
Als Papst Leo XIV. am Dienstag in Castel Gandolfo den neuen Ferrari "Luce" inspizierte, sorgte das für weltweite Aufmerksamkeit. Ein Pontifex, der sich erkennbar interessiert das erste vollelektrische Modell des italienischen Edel-Autobauers zeigen lässt und schließlich sogar auf dem Fahrersitz Platz nimmt – das sind Bilder, die immer funktionieren. Auch weil sie zunächst ungewöhnlich wirken: das Oberhaupt der katholischen Kirche im 550.000-Euro-Sportwagen einer Firma, die wie kaum eine andere für Tempo, Prestige und Luxus steht.
Und doch passte Leos Auftritt erstaunlich gut in eine lange Geschichte. Denn Päpste und Autos – das ist seit gut hundert Jahren eine besondere Beziehung. Sie erzählt von technischer Moderne und politischer Symbolik, von Macht und Bescheidenheit, von Repräsentation und Volksnähe.
Als Geburtsstunde des Papamobils gilt das Jahr 1930
Die Geschichte beginnt in einer Zeit, als Automobile noch Luxusobjekte waren. Bereits in den 1920er Jahren nutzte der Vatikan erste Fahrzeuge, doch als Geburtsstunde des Papamobils gilt das Jahr 1930. Damals schenkte Mercedes-Benz Papst Pius XI. (1922–1939) eine Limousine vom Typ Nürburg 460. Das Fahrzeug, das wenige Jahre zuvor von Ferdinand Porsche entwickelt worden war, war für den Pontifex mit einer Sonderausstattung versehen worden: Im Fond verfügte es über einen Einzelsitz aus karminrotem Brokat, der an den Papstthron erinnern sollte. Bei einer Probefahrt in den Vatikanischen Gärten soll Pius XI. – sichtlich begeistert von der Motorenstärke des 80 PS starken und 100 Stundenkilometer schnellen Wagens – ausgerufen haben: "Was für ein schönes Auto! Ein Meisterwerk. Ein Wunder der modernen Technik."
Am 13. Mai 1981 wurde Papst Johannes Paul II. bei der Fahrt im offenen Papamobil von den Schüssen des türkischen Attentäters Mehmet Ali Agca getroffen und lebensgefährlich verletzt.
Seither blieb Mercedes-Benz mit Abstand die wichtigste Marke im päpstlichen Fuhrpark. Kaum ein anderer Hersteller prägte über die Jahrzehnte das Bild des Papamobils so stark. Am bekanntesten sind dabei die weißen Geländewagen mit dem Stern auf der Motorhaube und der gläsernen Kanzel im Heck, aus der heraus der Papst auch heute noch bei Generalaudienzen auf dem Petersplatz oder auf Auslandsreisen den Gläubigen zuwinkt. Diese Form entstand allerdings erst aus einer Tragödie heraus.
Denn ursprünglich waren Papamobile offen gebaut, der Papst sollte sichtbar und nahbar sein. Das änderte sich nach dem Attentat auf Johannes Paul II. (1978–2005) am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz. Der türkische Attentäter Mehmet Ali Agca schoss mehrfach auf den im offenen Fiat-Geländewagen fahrenden Papst und verletzte ihn lebensgefährlich. Als Konsequenz wurden die päpstlichen Fahrzeuge danach umgebaut: kugelsicheres Glas, gepanzerte Karosserien und ausgefeilte Sicherheitstechnik wurden Standard.
Das Papamobil als Symbolfahrzeug
Gleichzeitig blieb das Papamobil immer auch ein Symbolfahrzeug. Wohl kaum ein Politiker oder Staatsoberhaupt wird so stark über seine Autos wahrgenommen wie der Papst. Schließlich transportieren die Fahrzeuge Botschaften – bewusst oder unbewusst. Das zeigte sich besonders unter Papst Franziskus (2013–2025). Schon kurz nach seiner Wahl machte der Argentinier deutlich, dass er einen anderen Stil pflegen wollte als seine Vorgänger. Statt luxuriöser Limousinen bevorzugte er schlichte Fahrzeuge. Bei Reisen ließ er sich immer wieder in älteren Ford Focus, kleinen Fiat-Modellen oder einfachen Renaults chauffieren. Während andere Staatsgäste auf Oberklassewagen setzen, stieg Franziskus demonstrativ in Kleinwagen.
Die Wahl der Autos war keine Nebensächlichkeit, Franziskus verstand sie als Teil seines Programms einer "armen Kirche für die Armen". Seine demonstrative Bescheidenheit sollte zeigen: Ich will als Papst kein ferner Monarch sein, sondern ein Hirte nahe bei den Menschen. Als er nach seiner Wahl nicht in den Apostolischen Palast einzog, sondern im vatikanischen Gästehaus Santa Marta wohnen blieb, passte das zu diesem Stil. Und auch die Autos wurden Teil seiner Botschaft. Besonders eindrücklich zeigte sich das 2014 bei einem Besuch in Südkorea. Dort nutzte Franziskus einen unscheinbaren Kia Soul statt einer Luxuslimousine. Die Bilder des kleinen schwarzen Wagens gingen damals um die Welt.
2017 bekam Papst Franziskus einen in päpstlichem Weiß und Gold lackierten Lamborghini Huracán geschenkt.
Doch auch Franziskus konnte die Welt der Luxusautos nicht gänzlich ignorieren. 2017 bekam er einen in päpstlichem Weiß und Gold lackierten Lamborghini Huracán geschenkt. Das Auto mit 610 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 325 Stundenkilometern wäre wohl das schnellste Papamobil aller Zeiten gewesen. Doch in den vatikanischen Fuhrpark zog der Sportwagen nicht ein, stattdessen wurde er – versehen mit einem Autogramm des Papstes auf der Motorhaube – an einen tschechischen Bieter versteigert. Der Erlös von rund 900.000 Euro floss in kirchliche Hilfsprojekte, unter anderem an ein Priesterseminar und eine Grundschule in Haiti sowie an Opfer von Prostitution und Frauenhandel.
Auch der neue Ferrari "Luce" wird wohl nie als Papamobil genutzt werden – zumal das Auto dem Papst in Castel Gandolfo nur präsentiert, nicht aber geschenkt wurde; Leo bekam lediglich ein Lenkrad überreicht. Als vollelektrisches Fahrzeug würde der "Luce" gleichwohl gut in den Vatikan passen. Schließlich hat der Kirchenstaat mit Blick auf die Verantwortung für die Schöpfung und im Lichte von Franziskus' Umweltenzyklika "Laudato si" vor Jahren angekündigt, seinen Fuhrpark schrittweise auf emissionsfreie Fahrzeuge umstellen zu wollen. Bereits in den vergangenen Jahren erhielt der Papst Elektrofahrzeuge verschiedener Hersteller – darunter Modelle von Mercedes-Benz und Toyota.
Wird Mercedes-Benz seine Dominanz bewahren können?
So oder so dürften die automobilen Fortbewegungsmittel des Papstes auch in Zukunft in der öffentlichen Wahrnehmung eng mit dem Pontifex verbunden bleiben. Papst Leo XIV. benutzt bei seinen Generalaudienzen bislang meistens eine G-Klasse von Mercedes-Benz. Ob der Stuttgarter Hersteller seine Dominanz im päpstlichen Fuhrpark bewahren kann oder ob in den kommenden Jahren neue Konzerne darum buhlen werden, den Papst in einem ihrer Modell zu befördern, wird sich zeigen.
Ferrari dürfte sich von der Präsentation in Castel Gandolfo jedenfalls "göttliche" Schützenhilfe erhofft haben. Bislang nämlich sorgt der "Luce" in der Fachwelt und bei Ferrari-Liebhabern für große Diskussionen bis hin zu Entsetzen. Gerade am Design, das nicht an einen klassischen Ferrari erinnert, gibt es viel Kritik und Spott. So sagte etwa der ehemalige Ferrari-Chef Luca di Montezemolo: "Es besteht die Gefahr, einen Mythos zu zerstören. Das tut mir sehr leid. Ich hoffe, dass das springende Pferd zumindest von diesem Auto entfernt wird.“ Auch an der Börse hat sich das neue Modell bisher nicht ausgezahlt: Die Ferrari-Aktie rutschte nach Präsentation des "Luce" deutlich ab.
