Theologen warnen vor KI in katholischer "Hallow"-App

Die Passauer Theologen Markus Weißer und Julia Bischl zeigen sich besorgt über die in den USA entwickelte katholische Gebets-App "Hallow" und das darin integrierte KI-System "Magisterium". Die App, die bereits rund 22 Millionen Nutzer habe, sei "Ausdruck einer tiefgreifenden Transformation des Glaubenslebens" und stehe "exemplarisch für eine Entwicklung, in der sich religiöse Tradition, technologische Innovation und ökonomische Logik auf neuartige Weise" verschränkten, schreiben die beiden Theologen vom Lehrstuhl für Dogmatische Theologie und theologische Gegenwartsfragen der Universität Passau in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Publik-Forum".
Diese "potenzielle Verflechtung von politischen, wirtschaftlichen und religiösen Interessen" dürfe nicht außer Acht bleiben. Die vermeintliche Neutralität der Angebote auf einer solchen Plattform müsse angesichts der politischen Entwicklungen in den USA und der Interessen ihrer Protagonisten wie etwa den Investoren kritisch hinterfragt werden, schreiben Weißer und Bischl, die sich in ihren Forschungen mit den Auswirkungen künstlicher Intelligenz und Gebets-Apps auf die Religion befassen.
"Medium zur Verbreitung politisch gefärbter Botschaften"
Dazu gehöre auch die Frage, "ob ein gesellschaftspolitischer und weltanschaulicher Einfluss aus dem Umfeld der MAGA-Bewegung, der libertären Geldgeber und ultrarechtskatholischer Kreise definitiv ausgeschlossen" werden könne. Die App biete immerhin "unter dem Mantel des Katholischen" ein "Medium zur potenziellen Verbreitung politisch gefärbter Botschaften".
Als problematisch bezeichnen die Autoren zudem die theologischen Prämissen der App. Sie vermittle ein überwunden geglaubtes Bild von Theologie, bei der die "historischen, konflikthaften und kontingenten Prozesse" in den Hintergrund träten. Was bleibe, sei eine "geglättete Benutzeroberfläche – funktional und instruktionstheoretisch verengt". Damit drohe die Gefahr, "hinter das Reflexionsniveau des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückzufallen und bestimmte Einseitigkeiten des 19. Jahrhunderts zu wiederholen". (stz)