Turbulente Bank-Genossenschaft
Der Aufsichtsrat der Pax-Bank für Kirche und Caritas eG (Pax-BKC) ist bei der Generalversammlung vergangene Woche in Paderborn nicht entlastet worden. Außerdem wurden der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Karl Jüsten sowie das Aufsichtsratsmitglied Peter Zerwas nicht wiedergewählt. Als weiteres Mitglied legte Karin-Brigitte Göbel ihr Amt nieder. Dies sei als unmittelbare Konsequenz aus der Nichtentlastung des Aufsichtsrats erfolgt, teilte die Bank auf Anfrage mit.
Wiedergewählt in den Aufsichtsrat wurden hingegen Esther van Bebber, Karl Auffenberg, Generalvikar Thomas Dornseifer und Rainer Reuhl. Die Amtszeiten zweier weiterer Mitglieder, Bernd Jünemann und Michael Dörnemann, endeten turnusmäßig. Sie waren nicht mehr angetreten. In der anschließenden konstituierenden Sitzung des Kontrollgremiums wurde der Geschäftsführer der Caritas Alten- und Krankenhilfe im Dekanat Büren, Christian Brambeck, zum kommissarischen Vorsitzenden gewählt.
Neu gewähltes Mitglied tritt Mandat nicht an
Der frühere Limburger Sparkassendirektor Georg Lixenfeld wurde neu ins Gremium gewählt. Er gab jedoch sein Mandat wenige Tage später zurück, wie die Bank auf Nachfrage bestätigte. Nach Aussage der Bank war mittelfristig beabsichtigt, die Mitgliederzahl im ursprünglich 15-köpfigen Aufsichtsrat zu reduzieren. Durch die jüngsten Entwicklungen habe sich dies nun schneller vollzogen – auf nunmehr 10 Mitglieder.
Der Unmut der Mitglieder der Genossenschaftsbank über Aufsichtsrat und Vorstand speist sich nach Informationen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) unter anderem aus einer Personalie im Frühjahr. Als Nachfolger des Mitte März ausgeschiedenen Vorstandsvorsitzenden Klaus Schraudner sollte zu Mitte April Sebastian Prinz Schoenaich-Carolath (69) zum Generalbevollmächtigten bestellt werden. In einer Pressemitteilung der Bank vom 19. März hieß es, Schoenaich-Carolath sei über "viele Jahre hinweg in unterschiedlichen Banken u.a. im genossenschaftlichen Bereich als Vorstand und Vorstandsvorsitzender tätig" gewesen.
Bafin lehnte Vorstandskandidaten ab
Allerdings, so geht nun aus Informationen zu Themen der Generalversammlung hervor, hatte Schoenaich-Carolath seit 2017 keine Bank mehr geleitet. Nach Ansicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) lag das zu lange zurück, "um eine zeitnahe Bestellung in den Vorstand der Pax-BKC zu genehmigen". Weiter heißt es in den Informationen: Die Entscheidung beruhe "rein auf aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen, die bei der Besetzung von Schlüsselpositionen im Bankwesen sehr streng geprüft werden".
Die nach Ansicht von Beobachtern vermeidbare Panne der missglückten Nachfolgeregelung für Schraudner war wohl ein Grund für den Unmut über agierende Aufsichtsratsmitglieder. Allerdings hatte schon Schraudners Ausscheiden bei Mitarbeitern und Kunden der Bank Fragen aufgeworfen. So wurde am 19. März bei einer außerordentlichen Versammlung des Aufsichtsrates den Mitarbeitern mitgeteilt, dass Schraudner, seit 2010 im Vorstand der Pax-Bank, tags zuvor in den Ruhestand gegangen sei. Gründe wurden nicht genannt.
Ex-Vorstand nur teilweise entlastet
Bei der Generalversammlung in Paderborn nun wurde Schraudner für seine Geschäftsführung im Jahr 2025 nur teilweise entlastet. Verweigert wurde sie "für seine Amtsführung ..., soweit Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Investment in die Erste Biopower Investment (EBI) AG betroffen sind", wie in den Informationen zur Generalversammlung zu lesen ist.
Karl Jüsten, der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende der Pax-Bank für Kirche und Caritas, wurde nicht wiedergewählt.
Diesen zufolge hat sich eine 2020 – also noch vor der Fusion mit der Paderborner Bank für Kirche und Caritas – erfolgte 10-Millionen-Euro-Beteiligung der Pax-Bank an der EBI AG als unrentabel erwiesen. Strittig war insbesondere, wann eine diesbezügliche Wertberichtigung hätte erfolgen müssen. Gutachter der Bank hielten den Jahresbericht 2025 für ausreichend. Aus Sicht des Genoverbandes, dem die Pax-Bank angehörte, hätte sie noch im Jahresabschluss für 2024 verarbeitet werden müssen.
"Gravierende Interessenkonflikte"
Zudem monierte der Genoverband in seinem Bericht "gravierende Interessenkonflikte im Aufsichtsrat und in der Mandatsbetreuung in der ehemaligen Pax-Bank". So war ein Mitglied des Aufsichtsrats der Pax-Bank gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats der EBI AG.
Eine grundsätzliche strategische Änderung der Pax-BKC bedeutet indes die Einstellung des Auslandsgeschäfts. Nach interner Überprüfung aus strategischen Gründen habe man sich dazu entschlossen, das Geschäft mit institutionellen Kunden mit Sitz im Ausland einzustellen. Wegen der hohen Komplexität von Auslandsgeschäften sei dies für die Bank mit ihren derzeitigen Kapazitäten nicht sicher und wirtschaftlich machbar. Die Fortführung bestehender Geschäftsbeziehungen mit Kunden in Benelux, Österreich und Italien wird laut Mitteilung der Bank derzeit noch geprüft.
Sorgfaltspflichten "nicht vollumfänglich erfüllt"
Vorausgegangen war ein Prüfungsbericht des Genoverbandes, in dem dieser moniert, die Bank habe bestehende Sorgfaltspflichten im Auslandsgeschäft – unter anderem mit Blick auf mögliche Geldwäsche – "nicht vollumfänglich erfüllt". Allerdings habe die Bank "die festgestellten Mängel unverzüglich bei der BaFin und Deutsche Bundesbank angezeigt". Über ein eingeleitetes Sonderprojekt zur Mängelbehebung werde monatlich berichtet.
Obschon für das operative Geschäft der Vorstand zuständig ist, wurde dieser für seine Arbeit von der Generalversammlung entlastet. Daher wird die Pax-BKC weiter durch das bestehende Vorstandsteam Sebastian Reichardt, Jürgen Reineke und Manuel Sonntag geführt. Eine Änderung der Besetzung des Vorstandes ist nach Aussage der Bank nicht geplant.
Fünf Prozent Dividende
Laut eigener Mitteilung verzeichnete die Bank "im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen ein zufriedenstellendes Wachstum". Die Bilanzsumme stieg demnach auf 8,6 Milliarden Euro, zurückzuführen vor allem auf gestiegene Kundeneinlagen. Das gesamte Kundengeschäftsvolumen erreichte einen Höchstwert von 23 Milliarden Euro. Die Generalversammlung beschloss daher die Ausschüttung einer Dividende von 5 Prozent.
Die Pax-Bank für Kirche und Caritas entstand 2025 aus einer Fusion der in Köln ansässigen Pax-Bank und der Bank für Kirche und Caritas im Erzbistum Paderborn. Vorherige Fusionsgespräche der Paderborner mit der Darlehnskasse Münster (DKM) waren 2022 gestoppt worden. Als Grund wurden damals offiziell Verwerfungen am Kapitalmarkt durch den Ukraine-Krieg genannt.
