Religionssoziologe: Fundamentalisten und rechte Akteure nähern sich an

Der Leipziger Religionssoziologe Gerd Pickel beobachtet seit Jahren eine wachsende Nähe zwischen christlichen Fundamentalisten und rechten politischen Akteuren in Deutschland. Beide Gruppen würden zusammenpassen, "weil sie die gleichen Ziele verfolgen. Da ist man völlig frei, mit Rechtsextremen zu kooperieren". sagte Pickel dem SWR. Überschneidungen gebe es etwas bei Geschlechterrollen oder dem Thema Schwangerschaftsabbrüche.
Der baden-württembergische Verfassungsschutz beobachtet zwei Freikirchen im Südwesten. So gelte die evangelische Freikirche Riedlingen im Kreis Biberach seit 2022 als "gesichert extremistische Bestrebung". In Predigten gehe es beispielsweise um eine geplante "Überfremdung und Islamisierung" Deutschlands. Auch die Pforzheimer "Baptistenkirche Zuverlässiges Wort" wird seit 2023 als extremistische Bestrebung eingestuft. Grund dafür sien antisemitische, queer- und staatsfeindliche Predigten. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland distanziert sich ausdrücklich von den Fällen in Riedlingen und Pforzheim.
Auch die AfD vernetze sich zunehmend mit fundamentalistischen Freikirchen und lade Pastoren zu Veranstaltungen ein, so der SWR. Pickel warnt vor solchen Schnittstellen zwischen christlich-fundamentalistischer Szene und der extremen Rechten. Diese sei eine Gefahr für die Demokratie. (bak)