KI in der Bistumsverwaltung: Von Ausmalbildern bis Vertragsprüfung
Künstliche Intelligenz verändert alle Bereiche der Gesellschaft – auch in der Kirche ist der Einsatz neuer Technologien nicht wegzudenken. Eine Tagung des Bistums Münster will nun ergründen, wie KI in der kirchlichen Verwaltung produktiv eingesetzt werden kann. Im Interview mit katholisch.de erklärt Frank Vormweg, der Leiter des Fachbereichs Digitalisierung und Organisation im Münsteraner Generalvikariat, wo jetzt schon KI im Bistum eingesetzt wird, was gerade entwickelt wird – und was die kirchliche Verwaltung von Papst Leo XIV. lernen kann.
Frage: Herr Vormweg, in vielen Organisationen wird KI nicht geplant oder strategisch eingesetzt: Die Leute nutzen einfach, was sie im Internet finden oder privat beschafft haben. Ist das in der Kirche auch so?
Vormweg: Ja, das ist in der Kirche auch so. Im Bistum Münster kann im Sinne einer sogenannten Plattformstrategie an jedem Dienstrechner Copilot Chat von Microsoft genutzt werden. Wir wissen aber, dass derzeit der größere Teil der Mitarbeitenden ChatGPT nutzt. Deshalb haben wir uns weiter damit auseinandergesetzt: Wie können oder müssen wir als Organisation das ganze Thema gestalten im Sinne eines ethisch verantworteten, bedarfsgerechten und natürlich gesetzeskonformen Umgangs?
Frage: Wenn Menschen erst einmal auf eigene Faust "Schatten-KI" einsetzen, also nicht offiziell eingeführte Systeme, bekommt man sie schwer auf gesteuerte Pfade zurück. Wie wollen Sie das schaffen?
Vormweg: Eine dezentrale und vielfältige Institution wie die Kirche im Bistum Münster braucht strukturelle Klarheit. Deshalb stellt das Bistum Software-Anwendungen auf allen Rechnern zentral zur Verfügung, um Datenschutz, IT-Sicherheit und Steuerung gewährleisten zu können. In diesem Sinne haben wir auch Schulungspflichten, auch und gerade zum verantwortungsvollen Umgang mit KI. Zu den strukturellen Vorgaben muss aber auch ein Anreiz kommen: Wir liefern eine gute Qualität und Antworten auf Fragen. Dazu gehört auch Datensicherheit: Wir müssen als Kirche sicherstellen, dass alle, die mit uns in Kontakt kommen, sicher sein können, dass wir mit ihren Daten verantwortlich umgehen.
Frank Vormweg ist Theologe und leitet den Fachbereich Digitalisierung und Organisation im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Er ist einer der Organisatoren der Tagung "KI und Digitalisierung in der Kirchenverwaltung".
Frage: Wie nutzen die Mitarbeitenden im Bistum Münster jetzt schon KI?
Vormweg: Je nach Bedarf und Aufgabenbereich zur Prüfung und Bearbeitung von Texten oder zur Auswertung von Daten in der Verwaltung bis hin zum Erstellen beispielsweise von Zeichenvorlagen in Kitas. In der Verwaltung stellen wir fest, dass unsere KI-Systeme nach Schulungen intensiver genutzt werden, aber das flacht danach auch wieder ab. Zur erweiterten Nutzung von KI über den Chatbot hinaus haben wir eine Masterclass, also eine Fortbildung, durchgeführt mit dem Ziel, KI verstärkt für Arbeitsprozesse nutzbar zu machen.
Frage: Bleibt es bei der individuellen Anwendung oder entwickeln Sie auch zentral Lösungen auf KI-Basis?
Vormweg: Zentrale Lösungen sind ein wichtiges Ziel. In unserer IT-Abteilung haben wir eine Entwicklungsgruppe für KI, die Agents entwickelt, also Lösungen, die wiederkehrende Aufgaben mit KI automatisieren oder unterstützen. Bei unserer Tagung im September ist das eine zentrale Frage: Wie schaffen wir es, KI über den Chatbot hinaus nutzbar zu machen? Was sind Einsatzszenarien dafür in der Kirchenverwaltung?
Frage: Welche Agents sind in der Entwicklung oder vielleicht sogar schon im Gebrauch?
Vormweg: In der Öffentlichkeitsarbeit haben wir eine KI-Anwendung, die relativ große Internetseiten erfasst und Informationen zusammenstellt. So kann man etwa mit einer einfachen Frage alle benötigten Informationen über den Veränderungsprozess im Bistum sammeln, anstatt selbst alle Fundstellen zu überprüfen und auszuwerten. Das ist also keine klassische Suchmaschine, sondern ein Assistent, der beim Verstehen hilft. Das kann man sowohl auf öffentlichen Webseiten als auch im Intranet einsetzen. Ein anderes Beispiel setzen wir schon in der Verwaltung ein: Zusammen mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Münster haben wir einen Agent entwickelt, der es uns ermöglicht, Verträge zu prüfen: Enthält ein Vertrag alle gewünschten Vertragsbestandteile, die vorher abgesprochen worden sind, auf der Basis der aktuell gültigen Verträge? Das funktioniert sehr gut.
Frage: Das waren im Wesentlichen Analysen. Wie sieht es denn aus mit der Generierung von Inhalten, die veröffentlicht werden? Wollen Sie auch Texte oder Bilder, die dann tatsächlich in der kirchlichen Kommunikation verwendet werden, von der KI generieren lassen?
Vormweg: Da stellen Sie die wichtige ethische Grundsatzfrage der Authentizität und der Glaubwürdigkeit kirchlicher Kommunikation. Ein Grundsatz im Bistum Münster ist: Wir bringen Menschen in Beziehung mit Gott. Das muss dann auch die Grundlage für die Unterstützung von Kommunikation durch KI sein. KI kann als Unterstützung und Copilot der Kommunikation eingesetzt werden, dies soll aber gekennzeichnet sein.
Frage: Papst Leo XIV. hat seine erste Enzyklika der KI-Ethik gewidmet. Was haben Sie vom Papst für Ihre Arbeit gelernt?
Vormweg: Der Papst steht dem Thema grundsätzlich offen gegenüber und nimmt die Entwicklung an. Dabei betont er, dass wir die Entwicklung kritisch beobachten müssen. Ein Mensch ist mehr als Bits und Bytes, Kommunikation ist mehr als Datentransfer. Dass der Papst das Thema so früh so deutlich aufgegriffen hat, zeigt, dass wir als Kirche für aktuelle, grundsätzliche Veränderungen in der Gesellschaft sensibel sein und diese aktiv mitgestalten müssen.
Tagung "KI und Digitalisierung in der Kirchenverwaltung"
Das Bistum Münster veranstaltet am 21. und 22. September 2026 in Kooperation mit der Akademie Franz-Hitze-Haus eine Tagung zu KI und Digitalisierung in der Kirchenverwaltung. Sie soll eine Plattform für fachübergreifenden Austausch zwischen IT-, Fach- und Führungskräften aus Generalvikariaten, Ordinariaten und Landeskirchenämtern bieten.
