Begriffe "genau umgedreht"

Theologe: Neue Rechte missbraucht biblische Apokalypse

Veröffentlicht am 14.08.2026 um 13:46 Uhr – Lesedauer: 

Dortmund/Oberursel ‐ Sie sprechen von der Apokalypse, deuten sie aber in ihrem Sinne um: Biblische Begriffe werden von Rechtspopulisten zunehmend aus dem Zusammenhang gerissen, warnt ein Theologe. Warum das durchaus gefährlich ist.

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Vertreter der Neuen Rechten bedienen sich nach Ansicht des Theologen Gregor Taxacher verstärkt biblischer Begriffe. Rechtsextreme Politiker wie Maximilian Krah (AfD) oder der US-Milliardär und Polit-Influencer Peter Thiel wollten sich in ihren Reden mit endzeitlichen Worten wie "Katechon" und "Apokalypse" schmücken, um sich "den Mantel intellektuellen und zugleich irgendwie christlichen Denkens umzuhängen", schreibt der Dortmunder Wissenschaftler für Systematische Theologie in der Zeitschrift "Publik-Forum". Taxacher ist Spezialist für Apokalyptik und politische Theologie.

In dieser Verwendung werde das Verständnis der Begriffe in ihrer Aussage "genau umgedreht", so Taxacher. Zur Begründung weist der katholische Theologe darauf hin, dass die christliche Apokalyptik an den Messias Jesus gebunden sei, "eben eine messianische Bewegung, die eine Revolution der Welt von Gott her erwartet". Dagegen seien die rechten Ideologien dezidiert anti-messianisch. Unter einem Katechon wird traditionell eine Kraft oder eine Figur verstanden, die das Auftreten des Antichristen und den Anbruch der Endzeit noch aufhält.

Apokalyptik-Bashing als beliebtes Mittel

"Den rechten Unsinn vom Katechon mit biblischer Apokalyptik zu verwechseln, ist auch deshalb gefährlich, weil Apokalyptik-Bashing seit Jahren ein probates Mittel ist, um ernsthafte Warnungen vor der ökologischen Zerstörung des Lebensraums Erde zu diskreditieren", warnt der Theologe in dem Beitrag. Klimaschutzbewegungen wie Fridays for Future, Extinction Rebellion oder Letzte Generation werde stets "hysterische Apokalyptik" vorgeworfen, um sie als Fanatikerinnen oder gar Öko-Terroristen zu verunglimpfen.

Nach Taxachers Ansicht besteht das Katechon gerade darin, dass die Herrschenden ihre Herrschaft als notwendig für die Ordnung darstellen. Dadurch werde "deren dringend notwendige Transformation verschleiert und die wirklichen Katastrophen werden hinausgeschoben und noch vergrößert". Ähnlich wie sich die römischen Kaiser als Garanten eines für die Allermeisten sehr prekären Lebensstandards feiern ließen, erkläre sich der Kapitalismus als alternativlos, "weil er das Wachstum produziert, von dem die Armen kaum etwas abbekommen". (KNA)