Laienvertreter: Bischofsamt in Magdeburg ist "herausfordernder Posten"
Nach 21 Jahren endet im November voraussichtlich die Amtszeit von Magdeburgs Bischof Gerhard Feige, der dann die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht. In der Diözese hat bereits die Suche nach einem Nachfolger begonnen, dabei wirken auch Laien mit. Einer von ihnen ist Dagobert Glanz. Der langjährige Vorsitzende des Magdeburger Katholikenrates spricht im katholisch.de-Interview über die begonnene Suche, die finanziellen und politischen Herausforderungen, vor denen das Bistum steht, und seine Erwartungen an das Profil des künftigen Bischofs.
Frage: Herr Glanz, wenn Sie die 21-jährige Amtszeit von Bischof Gerhard Feige bilanzieren: Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Glanz: Dass er sich immer wieder, auch jetzt wieder im Vorfeld der bevorstehenden Landtagswahl, unerschrocken zu gesellschaftlichen und politischen Fragen zu Wort gemeldet hat. Es wird aus bestimmten Kreisen ja gerne gesagt, die Kirche solle sich aus der Politik heraushalten. Aber der Bischof sagt zu Recht: Wo es um Menschenwürde und Nächstenliebe geht, muss Kirche sich zu Wort melden.
Frage: Würden Sie sagen, dass Bischof Feige für das Bistum Magdeburg der richtige Bischof zur richtigen Zeit war?
Glanz: Unbedingt. Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii gaudium" 2013 das aus seiner Sicht notwendige Anforderungs- und Persönlichkeitsprofil eines Bischofs beschrieben. Sinngemäß schrieb er, dass ein Bischof das missionarische Miteinander in seiner Diözese fördern müsse. Manchmal müsse er an der Spitze stehen und den Weg zeigen, manchmal mitten unter den Menschen sein und mit schlichter und barmherziger Nähe wirken, und manchmal müsse er hinter dem Volk hergehen und denen helfen, die zurückgeblieben sind. Das fand ich immer sehr passend für unseren Bischof. Ich habe gerne scherzhaft gesagt: Franziskus hat unseren Bischof Feige im Blick gehabt, als er dieses Profil formuliert hat.
Frage: Nun steht die Suche nach seinem Nachfolger an. Das Kathedralkapitel hat frühzeitig angekündigt, Laien daran zu beteiligen. Ist das aus Ihrer Sicht eine echte Beteiligung oder droht ein synodales Feigenblatt?
Glanz: Für mich ist die jetzige Situation zunächst einmal ein Déjà-vu-Erlebnis. Vor fast genau 23 Jahren haben wir als Katholikenrat vom damaligen Dompropst als Leiter des Kathedralkapitels einen Brief bekommen. Darin wurde uns mitgeteilt, dass wir Namensvorschläge für den neuen Bischof an das Kathedralkapitel schicken konnten – quasi im Stil einer Briefwahl. Damals ging es um die Nachfolge von Bischof Leo Nowak, und das war dann im Grunde auch schon die ganze Beteiligung der Laien an der Bischofssuche. Was das Kathedralkapitel anschließend mit unseren Vorschlägen gemacht hat, was dort besprochen wurde und welche Dreierliste schließlich nach Rom ging, haben wir Laien nicht erfahren. Irgendwann gab es dann mit Gerhard Feige einen neuen Bischof.
„Das erste Treffen mit dem Kathedralkapitel war sehr auf Augenhöhe. Es war nicht so, dass das Kapitel gesagt hätte, wo es langgeht, und wir Laien nur hätten zuhören dürfen.“
Frage: Und was ist diesmal anders?
Glanz: Wir haben inzwischen – auch als Frucht des Synodalen Weges – einen Bistumsrat, in dem Laien mehr als die Hälfte der Mitglieder ausmachen. Dieses Gremium ist nicht bloß ein Feigenblatt. Der Bistumsrat trifft sich zweimal im Jahr und bespricht Dinge, die das ganze Bistum betreffen. Und Ende vergangenen Jahres kam dann die Einladung des Kathedralkapitels an den Bistumsrat, acht Personen zu wählen – genauso viele, wie das Kathedralkapitel Mitglieder hat –, die gemeinsam mit dem Kapitel über die Nachfolge von Bischof Feige beraten sollen.
Frage: Das erste Treffen von Kathedralkapitel und Laienvertretern hat bereits stattgefunden. Wie ist es verlaufen?
Glanz: Bei diesem ersten Treffen ging es unter anderem um die Voraussetzungen, die ein Bischof nach dem Kirchenrecht erfüllen muss. Darüber hinaus haben wir erste Überlegungen angestellt, was wir überhaupt von einem neuen Bischof erwarten. Namen wurden bei diesem Treffen noch nicht genannt. Es soll demnächst aber ein zweites Treffen geben, bei dem dann vermutlich auch über Namen gesprochen wird. Ich hoffe jedenfalls, dass es so kommt. Mehr kann und will ich Ihnen aber nicht verraten, da wir gemeinsam Stillschweigen über unsere Beratungen vereinbart haben.
Frage: Haben Sie bei dem ersten Treffen denn den Eindruck gewonnen, dass Sie und die anderen Laien tatsächlich auf Augenhöhe an der Kandidatensuche beteiligt sind?
Glanz: Ja. Ich bin zwar kein Kirchenrechtler und kenne deshalb mit Blick auf die Laienbeteiligung die Grenzen des rechtlich Erlaubten nicht im Detail. Klar ist aber: Wir werden diesmal stärker beteiligt als vor 23 Jahren. Das erste Treffen mit dem Kathedralkapitel war sehr auf Augenhöhe. Es war nicht so, dass das Kapitel gesagt hätte, wo es langgeht, und wir Laien nur hätten zuhören dürfen.
Dagobert Glanz ist Mitglied im Bistumsrat des Bistums Magdeburg sowie im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).
Frage: Können Sie und die anderen Laienvertreter wieder eigene Kandidaten vorschlagen?
Glanz: Ja – und sogar mehr. Es ist geplant, dass man Namen nennen und vorschlagen sowie auch Vorschläge anderer kritisch hinterfragen kann. Die endgültige Liste mit den drei Kandidaten für das Bischofsamt, die anschließend nach Rom geht, stellt allerdings wieder das Kathedralkapitel auf. Ich hoffe sehr, dass die Stimmen und Anliegen der Laien, die sich jetzt an dem Suchprozess beteiligen, dort auch ihren Niederschlag finden.
Frage: Sind bislang nur zwei gemeinsame Treffen vorgesehen oder könnte es weitere geben?
Glanz: Bislang sind nur zwei Treffen konkret geplant. Aber nichts hindert uns daran, wenn es nötig sein sollte, ein weiteres Treffen zu machen oder zwischendurch Mitglieder des Kathedralkapitels anzusprechen. Die meisten kenne ich persönlich, und sie sind ansprechbar. Wir haben hier im Bistum kurze Wege.
Frage: Was ist Ihnen mit Blick auf den künftigen Bischof und seine Persönlichkeit besonders wichtig?
Glanz: Für mich spielt die Frage der Herkunft schon eine gewisse Rolle. Bischof Feige ist ein Kind aus Sachsen-Anhalt, also aus dem Osten. Ich denke, es wäre gut, wenn auch der neue Bischof die Region und die Menschen hier kennen würde. Zwar gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Bischöfen, die aus Westdeutschland stammen und jetzt hier im Osten tätig sind – und die machen auch einen guten Job. Die Herkunft ist sicherlich kein Ausschlusskriterium. Aber ich glaube trotzdem, es wäre gut, wenn man jemanden aus der Region finden würde.
„Man muss überlegen, was man einem Kandidaten, den man zum Bischof wählt, aufbürdet.“
Frage: Das Bistum Magdeburg ist eine kleine Diasporadiözese und steht finanziell vor erheblichen Herausforderungen. Zudem könnte nach der Landtagswahl eine politisch schwierige Situation entstehen. Macht das die Suche nach einem neuen Bischof schwieriger?
Glanz: Ich denke schon. Man muss überlegen, was man einem Kandidaten, den man zum Bischof wählt, aufbürdet. Wir hängen finanziell am Tropf. Wenn eine AfD-Regierung die Kirchenfinanzierung durch Einschränkungen bei den Staatsleistungen und bei der Kirchensteuer erschweren würde, wäre das eine enorme Herausforderung. Hinzu kommt der demografische Wandel, der neben den Kirchenaustritten die Zahl der Katholiken hier weiter dezimieren wird. Zum Zeitpunkt seiner Gründung hatte das Bistum rund 100.000 Katholiken, heute sind es noch etwa 60.000. Gerade eine AfD-Regierung würde aber noch ganz andere Probleme mit sich bringen.
Frage: Welche?
Glanz: Die AfD hat für den Fall ihrer Regierungsübernahme unmissverständlich klar gemacht, dass sie so viele Ausländer wie möglich abschieben will. "Abschieben, bis die Startbahn glüht", so sagen das führende Vertreter der Partei. Wenn dann hier, wie zuletzt mit dem indischstämmigen Weihbischof im Bistum Mainz, möglicherweise ein Bischof ins Amt käme, der ausländische Wurzeln oder eine dunkle Hautfarbe hat: Könnte man einem solchen Menschen das Bischofsamt in Magdeburg wirklich zumuten? Man hat ja auch eine Fürsorgepflicht.
Frage: Rechnen Sie angesichts all der Herausforderungen damit, dass es schwierig werden könnte, überhaupt geeignete Kandidaten für die Nachfolge von Bischof Feige zu finden?
Glanz: Das ist eine schwierige Frage. Es ist eine Sache, Kandidaten zu finden und vorzuschlagen. Eine andere Sache ist es, den gewählten Kandidaten dann zu fragen, ob er bereit ist, das Amt überhaupt anzunehmen. Ob jemand dann vielleicht abwinkt, kann ich nicht voraussehen. Das hat es aber vereinzelt wohl schon in anderen Bistümern gegeben. Und hier in Magdeburg ist wirklich ein herausfordernder Posten zu vergeben.
Frage: Wenn Sie sich eine zentrale Eigenschaft des künftigen Bischofs wünschen dürften: Welche wäre es?
Glanz: Mut. Er sollte auf die Menschen zugehen und sich nicht verstecken. Und er sollte den Mut haben, sich auch gesellschaftlich und politisch zu Wort zu melden, wenn es um Dinge geht, die die Menschenwürde, die Nächstenliebe und zentrale Anliegen unseres christlichen Glaubens betreffen. Gerade in der Situation, in der sich Sachsen-Anhalt und das Bistum dann möglicherweise befinden werden, wünsche ich mir einen Bischof, der genauso unerschrocken auftritt wie Bischof Feige.
