Bitte keine KI-Plakate in Kirchengemeinden
Die Kinderkirche, der Seniorennachmittag oder das Pfarrfest – all das sind im besten Fall Veranstaltungen, bei denen sich Ehren- oder Hauptamtliche in Kirchengemeinden Gedanken gemacht haben: Wo kann das Treffen am besten stattfinden? Wie sieht das Programm aus? Und vor allem: Wie bekommt die Zielgruppe von der Veranstaltung mit? Dafür braucht es Werbung. In den letzten Monaten ist dabei ein Mittel immer beliebter geworden: Plakate, die mittels Bildgenerierung durch Künstliche Intelligenz (KI) entstanden sind. Das sind schließlich auch praktische Tools. Man muss nur schnell zusammenschreiben, was auf dem Plakat zu sehen sein soll, und der Chatbot der Wahl spuckt in wenigen Sekunden ein fertiges Dokument aus. Aber das passt nicht zu mit Liebe geplanten Events im Raum der Kirche.
Papst Leo XIV. hat schon im Titel seiner ersten Enzyklika "Magnifica humanitas" klargemacht: Wir müssen im Zeitalter der KI das Menschliche bewahren. Eine Predigt mit einem Textgenerierungsprogramm schreiben zu lassen, steht dem klar entgegen, sagt er. KI könne nicht den Glauben vermitteln. Das gilt auch für KI-Plakate: Zwischen all den Grafiken, Bildern, riesigen Slogans und Infoboxen erkennt der Betrachter nicht, wer dahintersteckt: nämlich Menschen, die an anderen Individuen interessiert sind und den gemeinsamen Glauben leben wollen.
Ein KI-generiertes Plakat ist unpersönlich und beliebig. Eine KI wird niemals verstehen, was eine Veranstaltung, den Ort und die Engagierten ausmacht. Alles, was die Bildgenerierung einem ausspuckt, ist maximal eine Annäherung an die Realität. Der Betrachter des Plakats hat also keine Ahnung, was ihn wirklich erwartet.
Auch Anfänger können das besser
Natürlich hat nicht jede Kirchengemeinde eine/n Grafiker/in. Das braucht es aber auch gar nicht. Wenn sich eine oder zwei Personen vielleicht eine Stunde Zeit nehmen, kann auch ohne Photoshop-Studium ein gelungenes Plakat entstehen. Es gibt mittlerweile gute digitale Tools, die mehr können als das klassische Word- oder PowerPoint-Programm. Diese liefern Vorlagen zur Inspiration und Grafikelemente, die man – wenn sie dann auch wirklich passen – nutzen kann. Bild- oder Textgenerierungsprogramme können dabei eine Hilfe sein. Zum Beispiel wenn man nach einer Formulierung sucht oder eine bestimmte Grafik braucht. Problematisch wird es aber, wenn man die Handschrift der Gemeinde nicht mehr erkennt.
Es lohnt sich eben zu überlegen, was die Informationen sind, die man übermitteln will. Und bei dieser Frage braucht es jemanden, der die Zielgruppe kennt – und das ist nicht die KI. Was ist das Besondere, das man auf dem Plakat hervorheben möchten? Welche Bilder und Symbole zeigen das, ohne eine falsche Realität vorzutäuschen? Diese Extra-Schritte machen die Bewerbung authentisch – auch wenn sie dann vielleicht nicht "perfekt" aussieht. Am Ende gilt: Wenn Menschen zu den Veranstaltungen kommen sollen, dann müssen auch Menschen einladen.
Die Autorin
Beate Kampen ist Volontärin bei katholisch.de.
Hinweis
Der Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin wider.
