Vor Papst-Besuch: Lourdes bedeckt alle Rupnik-Mosaiken
Während des Besuchs von Papst Leo XIV. im französischen Wallfahrtsort Lourdes werden alle Mosaiken des mutmaßlichen Missbrauchstäters Marko Rupnik an der Basilika Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz verhüllt. Wie der Bischof von Tarbes und Lourdes, Jean-Marc Micas, der französischen Tageszeitung "La Dépêche" (Donnerstag) erklärte, sei dies eine endgültige Entscheidung. Demnach werden die Werke auch nach dem Papst-Besuch verhüllt bleiben. Ein Verfahren zur Auswahl einer neuen Fassadengestaltung eingeleitet. "Der Besuch des Heiligen Vaters in Lourdes bietet die Gelegenheit, in dieser Angelegenheit einen weiteren Schritt voranzukommen", so der Bischof.
Bereits im März 2025 wurden einige der Mosaiken verdeckt, vor allem jene am Eingang der Basilika. "Mir und meinen Mitarbeitern schien es, dass ein weiterer symbolischer Schritt unternommen werden sollte, um den Eintritt in die Basilika für all jene Menschen zu erleichtern, die heute nicht über die Schwelle treten können", erklärte Micas damals. Schon zuvor hatte der Bischof entschieden, die Mosaiken nicht mehr durch spezielle Beleuchtung bei den abendlichen Marienprozessionen hervorzuheben.
Verfahren gegen Rupnik läuft
Der slowenische Künstler und ehemalige Jesuit Rupnik hat zahlreiche Mosaiken in Lourdes gefertigt. Rupnik werden seit Jahren verschiedene Formen des Missbrauchs vorgeworfen. So soll er eine Frau der von ihm gegründeten Loyola-Kommunität zum Geschlechtsverkehr gedrängt und sie später in der Beichte selbst vom Verstoß gegen das Keuschheitsgelübde losgesprochen haben. Die aus diesem Grund festgestellte Exkommunikation Rupniks wurde allerdings kurz darauf vom Glaubensdikasterium aufgehoben. Mitte Juni 2023 wurde er aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen, nachdem er Auflagen gegen ihn offenbar ignoriert hatte. Nach seiner Entlassung aus dem Orden wurde Rupnik in das slowenische Bistum Koper aufgenommen, aus dem er stammt.
Seit Oktober 2023 führt das Glaubensdikasterium ein Verfahren gegen Rupnik. Im Juli dementierte der Vatikan Gerüchte über einen angeblichen Freispruch Rupniks als "absolut unbegründet". "Die Prüfung des Falls ist noch im Gange, und das Kollegium prüft derzeit die Unterlagen, die von den betroffenen Diözesen, den Jesuiten, den Beteiligten sowie aus der Presse stammen", so der Vatikan. Im November hatte sich auch Papst Leo XIV. zum Fall geäußert und betont, dass der Prozess Zeit brauche. "Ich weiß, dass es schwierig ist, von den Opfern Geduld zu verlangen, aber die Kirche muss die Rechte aller Menschen respektieren."
Der Papst reist im September nach Frankreich und besucht dabei auch den Wallfahrtsort Lourdes. Am 27. September wird er dort unter anderem mit den Bischöfen der Französischen Bischofskonferenz zusammentreffen, die Sonntagsmesse und abends eine traditionelle Lichterprozession mit Rosenkranzgebet im Heiligtum feiern. Kürzlich wurde bekannt, dass Bischof Micas in einem auf den 13. August datierten Schreiben Mitgliedern der Piusbruderschaft Messfeiern, das Spenden der Sakramente und öffentliche Gebete in Lourdes untersagt und eine entsprechende Genehmigung zurückgenommen hatte. (cbr)
