Theologin Keul warnt: AfD könnte Kirchen zu Selbstentkernung zwingen

Eine mögliche AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt würde nach Ansicht von Hildegund Keul für kirchliche Einrichtungen nur noch "Fördergelder gegen Selbstentkernung" verteilen. In einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag für das theologische Portal "feinschwarz.net" schreibt die Würzburger Fundamentaltheologin: "Wenn man nach einem möglichen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt Fördergelder für eine Institution oder auch für ein Projekt erhalten wollte, so müsste man sich der rechtsextremen Agenda der Partei unterwerfen."
Die Theologin konkretisiert: "Nichts zum Klimawandel, keine Gendergerechtigkeit, und um Himmelswillen nichts Positives über Migrant*innen." Mit dem Entzug von Fördergeldern würde die Möglichkeit zur Erpressung eröffnet. Keul analysiert, durch den so erzeugten Homogenisierungsdruck solle ein Rechtsruck erzwungen werden. "Was würde man tun, wenn man ein großartiges Projekt nur finanzieren könnte, wenn man bestimmte Themen auslässt, Formulierungen einhegt, faule Kompromisse eingeht? Bildungsinstitutionen, Gemeinden, Caritas und Diakonie müssten sich selbst entkernen, um Fördergelder zu erhalten", schreibt Keul.
Ziel: Zerstörung der Demokratie
Die AfD habe vor, das den Kirchen zu entziehende Geld stattdessen an "authentisches Christentum in kleineren Kirchen" zu geben, so Keul. Dabei würden "Baptisten" und "orthodoxe Kirchen" explizit genannt. "Wer aber sind die Orthodoxen?", fragt die Theologin. Sie mutmaßt, die AfD zähle wohl "auch und gerade jene 'Neuen geistlichen Gemeinschaften' und 'Charismatischen Bewegungen' dazu, die aus guten Gründen schon länger in der Kritik stehen, wie etwa die 'Loretto Gemeinschaft' oder das 'Augsburger Gebetshaus'".
Die Theologin analysiert in ihrem Gastbeitrag einen KI-generierten Wahlkampf-Flyer der AfD in Sachsen-Anhalt, der die Kirchen als vom Teufel gesteuert dämonisiert. Mittels Unheilsdrohung durch Dämonisierung versuche die AfD, ihrer Anhängerschaft klarzumachen, dass sie der Rettung durch charismatisch-autoritäre Herrschaft bedarf.
"Verteidigerin des Christentums"
Charismatische Herrschaft wiederum lebe von einer Mission, die als göttlich propagiert werde. Der Wahlkampf-Flyer stigmatisiere die Kirchen als "antichristlich" und "pervers", während die AfD angeblich die "einzige relevante politische Kraft" sein soll, die das Christentum verteidige. "Dies ist jedoch angesichts ihrer Politik, die die Gewaltbereitschaft der Bevölkerung allerorten zu steigern versucht – gegen Migrant*innen, gegen queere Menschen, gegen Menschen mit Behinderung, gegen die Klimaschutzbewegung – nur perfide zu nennen", betont Keul.
Die AfD ziele im Streben nach charismatischer Herrschaft darauf, einen Rechtsruck christlicher Kirchen, Institutionen und Bewegungen zu erzwingen. "Dies ist kirchlich und gesellschaftlich gefährlich", so die Theologin. Sie warnt: Heutzutage ziele charismatische Herrschaft, die auf die Sehnsucht vieler Menschen nach autoritärer Politik setze, auf die Zerstörung regelbasierter Demokratien. (KNA)