Gastkommentar

Auch für Klima-Engagierte sollte es Seelsorge geben

Veröffentlicht am 30.08.2026 um 00:01 Uhr – Von Christian Weingarten – Lesedauer: 

Köln ‐ Klimaschützer helfen mit, Katastrophen von morgen abzumildern. Doch selbst in kirchlichen Kontexten erfahren sie Ablehnung, schreibt Christian Weingarten. Er wünscht sich, dass die Kirche sich bewusst an ihre Seite stellt.

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Der Sommer 2026 fühlt sich an wie ein Erwachen. Wochenlange Trockenheit, verdorrte Felder, brennende Wälder in mehreren Bundesländern: Der Klimawandel ist in Deutschland sichtbar angekommen. Er hinterlässt Landschaften, die an Katastrophenfilme erinnern, und Menschen, die wegen der Hitze an der Grenze ihrer Kräfte kommen. Zu Recht fahren Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker in die Brandgebiete und danken den Feuerwehrleuten. Diesen Dank kann man gar nicht oft genug aussprechen. Feuerwehrleute retten Leben, sie schützen Dörfer, sie stellen sich der direkten Bedrohung.

Auffällig ist jedoch, wer kaum erwähnt wird: die vielen Umwelt- und Klimaschützer/innen oder Nachhaltigkeitsbeauftragten. Sie sorgen Tag für Tag dafür, dass Gebäude klimafreundlicher werden, dass Energie gespart, Flächen renaturiert, Mobilität verändert und Bewusstsein geschaffen wird. Sie arbeiten schon lange daran, die Katastrophen von morgen abzumildern. Ihr Einsatz ist weniger spektakulär, aber nicht weniger lebenswichtig. Trotzdem hören sie selten Dank, oft erleben sie Widerstand.

Christian Weingarten
Bild: ©Erzbistum Köln

"Kirchen sollten sich nicht nur offiziell hinter Klimaschutzkonzepte stellen, sondern sich auch bewusst an die Seite derjenigen stellen, die für die Bewahrung der Schöpfung arbeiten", schreibt Christian Weingarten.

Selbst in kirchlichen Kontexten erfahren Umweltbeauftragte oftmals als Einzelkämpfer/innen wenig Unterstützung und sogar Anfeindungen. Menschen, die sich auf die Verantwortung für die Schöpfung berufen, gelten auch in Kirchen nicht selten als lästig, ideologisch oder übertrieben.

Während Feuerwehrleute in schweren Einsätzen oft seelsorglich begleitet werden, stehen viele Klima-Engagierte allein da. Sie tragen die tägliche Last der schlechten Nachrichten, sie stoßen auf Widerstände in Gremien und Gemeinden, sie erleben, wie mühsam jede kleine Veränderung erkämpft werden muss. Nicht wenige geben irgendwann erschöpft auf.

Kirchen sollten sich nicht nur offiziell hinter Klimaschutzkonzepte stellen, sondern sich auch bewusst an die Seite derjenigen stellen, die für die Bewahrung der Schöpfung arbeiten. Dazu gehört ein öffentliches Wort des Dankes. Dazu gehört die klare Rückendeckung. Vielleicht braucht es sogar eine Seelsorge, die Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten ernst nimmt, ihre Erschöpfung, ihre Trauer, ihre Wut, ihre Hoffnung. Orte, an denen die ökologische Krise als geistliche Herausforderung benannt wird und Seelsorge entsteht, mit der das Engagement gestärkt wird.

Von Christian Weingarten

Der Autor

Christian Weingarten ist Umweltbeauftragter und Leiter des Fachbereiches Schöpfungsverantwortung im Erzbistums Köln.