Jesuit: "Die Alte Messe ist wie ein Zombie"
Der US-amerikanische Jesuit Thomas Reese hat die anhaltende Popularität der vorkonziliaren Messform in Teilen der katholischen Kirche scharf kritisiert. "Die alte lateinische Messe ist wie ein Zombie", schreibt der Jesuit in einer Kolumne beim Religion News Service am Dienstag. Diese ist in Form eines imaginären Beichtgesprächs verfasst. "Als wir 1964 von Latein auf Englisch umstellten, dachten wir, sie sei tot, aber sie kommt immer wieder zurück", so Reese über die sogenannte "Alte Messe", die innerkirchlich weiterhin für heftige Diskussionen sorgt.
Papst Benedikt XVI. hatte 2007 mit seinem Motu proprio "Summorum Pontificum" die Feier der Messe nach den liturgischen Büchern von 1962 – die sogenannte "Alte Messe" – deutlich erleichtert. Diese Freiheiten schränkte Papst Franziskus 2021 mit "Traditionis custodes" wieder erheblich ein, was heftige Reaktionen in manchen Kreisen der Kirche auslöste.
Reese selbst sei mit der vorkonziliaren Messform aufgewachsen, habe die Liturgiereform jedoch schnell schätzen gelernt. Seine Akzeptanz der Reform sei aus Gehorsam gegenüber dem Konzil und den Päpsten entstanden: "Das ist ein weiterer Grund, warum ich Probleme mit den sogenannten Traditionalisten habe. Wenn sie Konservative sein wollen, sollten sie dem Konzil und den Päpsten gehorchen, die die Liturgie in der Volkssprache gefördert haben."
Kritik an Aufmerksamkeit für Alte Messe
Zugleich betont Reese, Katholikinnen und Katholiken, die die Alte Messe besuchen, nicht zu verachten. Dennoch sei er der Ansicht, dass sie mit "einer besseren Katechese" die Liturgiereform stärker schätzen würden. Die Befürworter der "Alten Messe” seien nämlich "sehr gut organisiert" und erhielten eine "enorme Aufmerksamkeit von den Bischöfen und den Medien", während Befürworter der Liturgiereform kaum Gehör fänden. "Wir erreichen einfach niemanden", so Reese.
Der Jesuit spricht sich zudem für eine bessere englische Übersetzung des Messbuchs aus. Eine entsprechende Fassung war 1998 von der Internationalen Kommission für Englisch in der Liturgie (ICEL) fertiggestellt worden. Laut Reese wurde sie von den englischsprachigen Bischofskonferenzen gebilligt, setzte sich in Rom jedoch nicht durch. Reese macht dafür insbesondere den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger verantwortlich, der eine stärker am lateinischen Original orientierte Übersetzung bevorzugt habe. "Es ärgert mich noch immer, dass ein deutscher Muttersprachler es wagte, englischsprachigen Menschen vorzuschreiben, wie sie in ihrer eigenen Sprache beten sollen", schreibt Reese. (mtr)
