Wortgottesdienst mit gewissen Extras

Ein Priester und sein Gottesdienstformat MAISL: "Kirche ist nicht tot"

Veröffentlicht am 10.09.2026 um 00:01 Uhr – Von Beate Kampen – Lesedauer: 

Bonn ‐ MAISL steht für "Modernes Abendgebet im Scheinwerferlicht". Unter diesem Namen lädt Pfarrer Josef Hausner in seine Kirche ein – und das mit Erfolg. Das steckt hinter dem Gottesdienstkonzept.

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"Wenn der Pfarrer Hausner von MAISL spricht, dann ist er in einer anderen Welt", das habe Josef Hausner mal über sich selbst gehört. Er erzählt das schmunzelnd – vielleicht weil er weiß, dass an der Aussage etwas dran ist. MAISL ist ein Gottesdienstformat, das sich der Priester vor acht Jahren ausgedacht hat. Der Name ist kein bayerisches Wort, sondern eine Abkürzung für "Modernes Abendgebet im Scheinwerferlicht". Das Gottesdienstformat ist der Besuchermagnet der Pfarrei im oberpfälzischen Diesenbach in der Nähe von Regensburg. Dabei hatte der 43-jährige Pfarrer anfangs überlegt, das Format wegen zu geringer Beteiligung einzustampfen.

Was ein MAISL ausmacht, erklärt Hausner in drei Worten: die Musik, die Beleuchtung und die Gemeinschaft. Anstelle von klassischer Orgelmusik kümmern sich zwei jugendliche DJs um die musikalische Begleitung. Die Kirche ist dabei in buntes Licht getaucht. Mit blauen oder roten Scheinwerfern werden Säulen, Heiligenfiguren oder das Gewölbe beleuchtet. Zu den Gottesdiensten würden rund 250 bis 400 Besucher kommen. Das seien dreimal so viele wie bei einem regulären Sonntagsgottesdienst, so der Pfarrer.

Der Ablauf des MAISL unterscheidet sich von klassischen Wortgottesdiensten, sagt Hausner: "Das MAISL ist die erste Sprosse auf einer Leiter. Die Messe ist dann die vierte Sprosse." Niedrigschwellig soll es also sein. Neben klassischen Gottesdienstelementen wie der Lesung und dem Evangelium gibt es Raum fürs Erklären religiöser Inhalte und für die eucharistische Anbetung. "Ich weiß, dass es für viele schwer ist zu verstehen, dass im Brot Jesus anwesend ist", sagt der Priester. Wenn Hausner und sein Team also die Monstranz in den Altarraum stellen, erklären sie dabei die Eucharistie. Dann folgt aber eben keine Eucharistiefeier, sondern eine eucharistische Anbetung und Zeit für Stille. Gerade diese Minuten der Sprachlosigkeit seien etwas ganz Besonderes. "Mit so vielen Leuten in der heutigen Zeit die Ruhe auszuhalten, fasziniert", sagt er.

In der in blaues und rotes Licht getauchten Kirche sind die Bänke gefüllt.
Bild: ©Josef Hausner

Rund 250 bis 400 Personen kommen meist zum MAISL. In den Wintermonaten sind es mehr als im Sommer.

Warum die Leute kommen würden, sei laut Hausner die Beschäftigung mit dem Evangelium. Das geschieht beim MAISL in Form der Katechese. Abwechselnd sprechen Hausner, zwei andere Priester, eine Pastoralreferentin und eine Religionslehrerin über ihren Glauben und erklären Elemente des Katholizismus. Der Priester findet es wichtig, dass nicht nur er in dieser prägnanten Rolle ist. Die beiden Laiinnen im Team dürften laut Kirchenrecht in einer Eucharistiefeier nicht predigen, erklärt Hausner.

Jedes MAISL hat ein bestimmtes Thema, das Hausner mit seinem Team aus zwei Pfarrern, der Pastoralreferentin, der Religionslehrerin und dem Oberministranten erarbeitet. "Beim letzten Mal war das zum Beispiel Energie." Im Altarraum steht dann ein Eyecatcher – in diesem Fall eine einen Meter große Energydrink-Dose mit der Aufschrift "Holy Spirit". Das Symbol soll die Menschen ansprechen und einen leichten Einstieg in die Gottesdienstthemen liefern. "Wir arbeiten viel mit Bildern", erklärt er. Die Ideen dafür kommen ihm überall: Letztens habe er eine überdimensionale Gockelfigur im Baumarkt entdeckt. Das sei ein passender Eyecatcher zum Thema Verrat, erzählt er und bezieht sich auf die biblische Erzählung vom Verrat des Petrus an Jesus: "Jesus aber sagte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen." (Lk 22,34)

Pfarrer Josef Hausner mit seinem Team und ein Nachbau einer Energy-Dose vor dem Altar
Bild: ©Josef Hausner

Josef Hausner (rechts im Bild) macht ein Selfie mit seinem Team, bevor das MASIL losgeht. Eine übergroße Energy-Dose fungiert als Eyecatcher in dem Gottesdienst.

Alle Bibeltexte und die Musik werden an das Thema angepasst. Es soll ein guter Mix aus kirchlicher und weltlicher Musik sein, damit alle Gottesdienstbesucher abgeholt werden, erklärt er. Was aber in keinem MAISL fehlen darf, ist ein Song von Michael Patrick Kelly. Auch wenn nicht jeder von dem ehemaligen Mitglied der Kelly Family Fan sei, schätze Hausner seine christlichen Lieder sehr. Anderen gefielen eher weltliche Lieder, die seiner Meinung nach auch gut in die Andachten passen. Wenn es in einem Lied etwa um eine Liebesbeziehung geht, könne man das auch auf die Beziehung zwischen einem selbst und Gott beziehen, sagt der Pfarrer.

Es geht ihm beim MAISL darum, die Balance zu finden, einerseits modern zu wirken und anderseits die biblische Botschaft nicht zu verfälschen. Ein Priesterkollege habe ihm mal vorgeworfen, dass seine Andacht nur eine Show sei. Nachdem er genauer darüber nachgedacht hat, passe die Beschreibung vielleicht sogar. Damit meint er nicht, dass es beim MAISL um Unterhaltung und den Applaus der Menschen gehe. Sondern dass das Zeigen eine wichtige Rolle spielt – entweder bei der Eucharistischen Anbetung oder durch den Eyecatcher.

Doch nicht nur der Priesterkollege war dem MAISL anfangs skeptisch gegenüber. In den ersten Jahren, als Hausner damals noch zum "Modernen Abendgebet" einlud, kamen nie mehr als 30 Personen. Die Andachten kombinierte er damals noch mit Billard-Turnieren und der Landjugend. Viele hätten sich von dem Format aber nicht eingeladen gefühlt. "Ich musste irgendwas ändern", erinnert sich Hausner. Er besorgte eine neue Musikanlage und Scheinwerfer. Die Katechese und die eucharistische Anbetung ergänzen seitdem die Gottesdienste. Das Wichtigste aber war laut Hausner der neue Name MAISL. Als ihn einmal ein Grundschüler fragt, wann das nächste Mal MAISL stattfindet, merkt er: Der Begriff setzt sich durch – und damit auch seine Veranstaltung.

MAISL verbreitet sich in der Region

Hausner hat bereits versucht, den Namen über das Deutsche Patent- und Markenamt schützen zu lassen. Das hat aber nicht funktioniert, weil der Begriff eine Abkürzung aus fünf einzelnen Begriffen ist. Der Priester ist aber zuversichtlich, dass niemand unter diesem Namen Gottesdienste veranstaltet, die so gar nichts mit seiner Idee zu tun haben. Ihn freut es eher, wenn sein Konzept weitergetragen wird – das macht er auch selbst.

Sechs Mal im Jahr veranstaltet das Andachtsteam ein MAISL in anderen Pfarreien. Das örtliche Busunternehmen stellt ihnen dafür sogar ein Fahrzeug zur Verfügung – mit MAISL‑Logo. In den anderen Orten würde das Format ebenfalls gut ankommen. "Erstaunlicherweise kommen auch dort mindestens 100 Leute", sagt Hausner. In drei Pfarreien hat sich das MAISL bereits verselbstständigt. Dass andere sein Konzept übernehmen, findet Hausner gut. Ihm ist nur wichtig, dass seine Struktur erkennbar bleibe. "Welche Lesung man auswählt, ist mir egal, aber der Ablauf muss derselbe sein", sagt er. Gerne versorgt er Interessierte mit ausgearbeiteten Themen. Da wolle er nicht geizig sein.

Wenn Hausner auf die acht Jahre MAISL zurückschaut, fällt ihm eine Erkenntnis ein: Man dürfe nicht zu schnell aufgeben. Es kamen eben nicht von Anfang an Hunderte Menschen. "Wir müssen als Kirche lernen, positiv zu denken." Anstatt zu meinen, dass mehr Menschen eh nicht in die Kirche kommen würden, müsse man weiterhin einladend auf alle zugehen, sagt Hausner. Erst über die Jahre hat sich das Format entwickelt, dass bei vielen ankommt und Hausner heute nicht mehr missen will. "MAISL will schließlich zeigen, dass Kirche nicht tot ist und dass Gott in dieser Welt noch etwas zu sagen hat."

Von Beate Kampen