Pfarrer Alexander Bergel über das Sonntagsevangelium

Wie wir Jesus den Rücken stärken können

Veröffentlicht am 29.08.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Osnabrück ‐ Im heutigen Sonntagsevangelium wird Jesus gegenüber Petrus ausfallend. Doch Pfarrer Alexander Bergel sieht darin keinen Ausdruck toxischer Männlichkeit. Stattdessen drücke Jesus eine menschliche Sehnsucht aus.

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Breitbeinigkeit war seine Sache nicht. Jene Attitüde also, die mit dem selbstgefälligen Impetus des Besserwisserischen daherkommt. Nein, das war Jesu Sache nicht. Petrus hingegen stellt ein solches Verhalten nicht nur einmal zur Schau. Heute werden wir Zeugen davon auf dem Weg nach Jerusalem.

Jesus hatte die Jünger mit seiner Einschätzung der Lage vertraut gemacht. Einer Lage, die für ihn kreuzgefährlich werden sollte. Petrus aber will das nicht hören. Ein gescheiterter Messias? Undenkbar. Echte Männer sterben nicht! Jedenfalls nicht so. Und Jesus? Reagiert knallhart. Aber diese Härte ist nicht Ausdruck einer toxischen Männlichkeit mit cholerischen Ausfällen, sondern der Hinweis auf eine zutiefst menschliche Sehnsucht: Petrus soll ihm nicht in den Rücken fallen, er soll ihm den Rücken stärken.

Breitbeinigkeit als Lebensmaxime hat selten etwas bewirkt. Standhaftigkeit hingegen schon. Und um die geht es Jesus. Auch in dieser unbequemen Szene. Jesus hat das Leid nicht gesucht. Er will sich auch nicht zum Opfer machen, weil ein erzürnter Gott es so will, wie Theologen später einmal behaupten werden.

Ein solches Gedankenkonstrukt kann ich in der Bibel nirgendwo erkennen. Aber etwas anderes finde ich dort: einen Gott nämlich, der den Menschen liebt. Da Liebe jedoch nur in Freiheit geschenkt und angenommen werden kann, führt der Weg der Menschen auch in die Abgründe des Hasses, in letzter Konsequenz in den Tod hinein.

In dieser zwiespältigen und abgründigen Welt sucht auch Jesus seinen Weg. Viele von denen, die ihm begegnen, erkennen in seinem Antlitz immer mehr die Züge Gottes. Jesus heilt Menschen, die wundgelegen und am Boden zerstört sind. Jesus überwindet Gräben und baut Brücken. Jesus holt Ausgestoßene vom Rand in die Mitte, gibt Frauen und Kindern ein nie gekanntes Ansehen und steht mit jeder Faser seiner Existenz dafür ein, was er auf Golgatha mit seinem Blut besiegeln wird: Mensch, ich will, dass du lebst!

In Jesus von Nazareth sehen wir, wo Gott ist: mitten im Leid und Elend, das Kreuz auf der Schulter. Er schleppt es nicht durch die Lande, weil ein erzürnter Gott es so will – nein, er nimmt das Kreuz auf sich, damit die, die leiden, einen haben, der es mitträgt. Jesus steht nicht breitbeinig vor uns. Er hält keine Vorträge (schon gar keine besserwisserischen) wie jener Petrus, der barsch in seine Schranken gewiesen wird. Jesus teilt den Weg der gequälten Kreatur. Bis zum Schluss. Aus seinem Karfreitag konnte Ostern werden, weil er bis zum Ende durchgehalten hat.

Damit auch wir unseren Weg gehen können, brauchen wir keine Menschen, die breitbeinig vor uns stehen und uns erklären, wie das alles viel besser gehen könnte. Nein, wir brauchen Menschen, die uns dabei helfen, das Kreuz zu tragen.

Bevor wir jedoch darauf warten, dass andere damit beginnen, ihre Breitbeinigkeit oder Unantastbarkeit oder Ignoranz aufzugeben, könnten wir versuchen, Jesus nicht in den Rücken zu fallen. Wir könnten versuchen, seiner Bitte zu folgen, ihm den Rücken zu stärken. Möglichkeiten, anderen beim Kreuztragen zu helfen, gibt es immer noch genug …

Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 16, 21–27)

In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden.

Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!

Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?

Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.

Der Autor

Alexander Bergel ist Pfarrer der Pfarrei Christus König in Osnabrück.

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