Limburger Kommission: Missbrauch an katholischen Schulen erforschen

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexueller Gewalt im Bistum Limburg (UKO) spricht sich für eine Untersuchung und Aufarbeitung von Missbrauchstaten an katholischen Schulen aus. Im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Studie soll sowohl die Rekonstruktion möglicher Fälle als auch die Analyse institutioneller Verantwortlichkeiten und struktureller Bedingungen stehen, schreibt die Kommission in einem am Freitag veröffentlichten Jahresbericht. Vorgesehen ist demnach, Gymnasien, Förderschulen und weitere schulische Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft einzubeziehen. Im Bereich des Bistums Limburg gibt es 19 weiterführende Schulen.
"Wir sind acht Personen, wir können diese Studie nicht selbst machen", sagte der UKO-Vorsitzende Christine Raupp. "Sie muss auf jeden Fall vergeben werden, an externe, unabhängige Wissenschaftler." Das Projekt solle auch über die Amtszeit der UKO hinaus weitergeführt werden. Diese läuft noch bis Mai 2028. Es gehe dabei auch darum, beim Thema Prävention "Schulen fit zu machen für die Zukunft".
Neben der Analyse relevanter Aktenbestände – darunter Personalakten, schulische Sachakten sowie Dokumentationen dienstrechtlicher Maßnahmen – sollen insbesondere Interviews mit Betroffenen, Gespräche mit Zeitzeugen sowie weitere qualitative Erhebungen durchgeführt werden. "Ziel ist es, sowohl individuelle Erfahrungen als auch institutionelle Handlungsmuster sichtbar zu machen", so die UKO.
"Erzählräume" etablieren
Ein weiteres wichtiges Anliegen ist der Kommission nach eigenen Worten, "Erzählräume" in den Pfarreien des Bistums zu etablieren. "Diese Veranstaltungen öffnen den Raum, um über Missbrauch sprechen zu können und Muster zu erkennen. Sie dienen nicht nur der Aufarbeitung, sie sind auch ein Teil von Präventionsarbeit." In dem fast 50 Seiten langen Jahresbericht geht die Kommission auch auf mehrere einzelne Fälle von Missbrauchstaten ein und schildert detailliert den Umgang der Kirche mit Betroffenen und Verdächtigen.
Die UKO ist eine unabhängige Kommission, die die Aufarbeitung der sexuellen Gewalt im Bistum Limburg vorantreibt und kritisch begleitet. Im Team mit Expertinnen und Experten aus Kirche, Justiz, Sozialarbeit, Prävention, Kinderschutz und Traumaforschung bringen zwei Mitglieder ihre Expertise als Betroffene ein. Raupp würdigte die Anstrengungen des Bistums in den vergangenen Jahren, darunter den Aufbau der Fachstelle gegen Gewalt, die es seit September 2023 gibt.
"Inhaltliche Punkte werden in gutem Austausch zwischen Bistumsleitung und UKO besprochen", sagte der Sprecher des Bistums Limburg, Stephan Schnelle, zum Bericht. "Wir haben die gleichen Ziele. Es geht auch dem Bistum darum, Betroffene zu hören, Missbrauch zu verhindern, Strukturen zu ändern, Haltungen zu ändern. Dem Bischof ist das ein Anliegen." (KNA)