Trotz Leidens zweifelte Marco Pfeffer nie an Gott

Als Kind Ofenreiniger getrunken, später eine Kapelle im Garten gebaut

Veröffentlicht am 31.08.2026 um 00:01 Uhr – Von Christopher Beschnitt (KNA) – Lesedauer: 

Gerolfing ‐ Marco Pfeffer aus Gerolfing bei Ingolstadt wäre als Kind fast ums Leben gekommen. Doch er überlebte. Und schuf später einen besonderen Ort hinter der elterlichen Garage. Seine lange Leidenszeit stärkte seinen Glauben.

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Manche Kinder wünschen sich zur Erstkommunion eine Spielekonsole, der kleine Marco wollte eine Kapelle. Und er bekam sie. "Direkt am Tag nach dem Fest haben wir eine Holzhütte im Baumarkt gekauft und sie hinter der Garage aufgebaut", erzählt Marco Pfeffer im Garten seiner Eltern in Gerolfing bei Ingolstadt. Er sitzt neben dem Gotteshaus. Heute ist Pfeffer 29 und gesund, anders als beim Kapellenbau vor 20 Jahren.

Rückblick: Erster Weihnachtstag 1999, Marco schwelgte in Freude über die Geschenke vom Christkind und jenen, die er in wenigen Tagen zum dritten Geburtstag bekommen sollte. Doch die gute Laune verging jäh: Der Bub war durstig. Aber das, was er da auf der Küchenzeile entdeckt und für Wasser oder Saft gehalten hatte, war flüssiger Ofenreiniger. Marco wurde ohnmächtig, kam ins Krankenhaus. In drei Spitälern sollte er in den folgenden Jahren liegen und sich 89 operativen Eingriffen unterziehen müssen.

Dreimal klinisch tot

"Dreimal war ich klinisch tot", berichtet Pfeffer. Zweimal am Anfang der Leidenszeit, einmal am Schluss. Das Ende ist der Regensburger Uniklinik zu verdanken, wo Pfeffer 2016 und 2017 die beiden letzten OPs über sich ergehen ließ. Dort nahmen ihm die Ärzte erst mal die Speiseröhre heraus, die so verätzt war, dass Pfeffer seit dem Unfall nur Brei und Suppe hatte essen können. Die Operation glückte. Doch nachts platzte die Naht. Der ganze Bauch versank in Blut und Pfeffer im Koma.

Aber die Mediziner holten ihn zurück ins Leben. Und später ein Stück seines Dünndarms an jene Stelle, die einst der Speiseröhre gehörte. Diese OP verlief ohne böses Erwachen. "Schon am Tag danach durfte ich das erste Schnitzel meines Lebens essen", erzählt Pfeffer und grinst. Wie es geschmeckt hat? "Ja, verrückt!"

Marco Pfeffer betet
Bild: ©KNA/Christopher Beschnitt

"Mein Glaube ist durch all das noch stärker geworden": Marco Pfeffer beim Gebet in der Kapelle, die er mit seinen Eltern gebaut hat.

Über viele Jahre nichts Rechtes essen zu können, immer wieder Operationen, die Beinahe-Tode – da kann man schon mal vom Glauben abfallen, oder? "Mein Glaube ist durch all das noch stärker geworden", erwidert Pfeffer. Man glaubt es ihm sofort, so freudig-gewiss wirkt der Tonfall. Die Stimme klingt durch die Krankheitsgeschichte zwar angekratzt, die Statur wirkt schmal – doch Marco Pfeffer strahlt enorm viel Kraft und Elan aus.

Von klein auf habe seine Oma ihn mit in die Kirche genommen, erzählt er. "Da hat's mir immer gefallen. Diese Schönheit, dieses Schauspiel, dieses Gold – da war immer was Mystisches für mich." Kein Wunder also, dass Marco daheim gerne Priester spielte, seine eigene Kapelle ersehnte und es in der Pfarrgemeinde später zum Oberministranten und zum jüngsten Mesner im Bistum Eichstätt brachte.

Glaube an Auftrag Gottes

Da lagen schon viele schwere Jahre hinter ihm. In all der Zeit habe er nie an Gott gezweifelt, betont Pfeffer. "Für mich hat sich niemals die Frage gestellt: Warum hat Gott das zugelassen? Für mich war immer klar: Gott hat mich beschützt." Pfeffer ergänzt: "Ich glaube, einen Auftrag von ihm zu haben: bei den Menschen zu sein."

Und so hat er seine Kapelle zu einem Ort der Gemeinschaft gemacht, zu einem Platz für Gebetskreise und Gottesdienste. Pfeffer lud dazu per Zettel ein, die er in die Briefkästen der Nachbarschaft steckte. Und die Leute kamen. So zahlreich, dass 2020 die alte Kapelle durch eine größere ersetzt wurde.

Das Gotteshaus besticht durch schlichte Eleganz: Innen ist es ganz weiß, umso auffälliger wirken ein Bild und eine Figur, die Jesus in zugewandter Haltung zeigen. Die Außenfassade besteht aus senkrecht angebrachten Fichtenlatten mit dunklen Zwischenräumen. "Das passt zur Kopie der Schwarzen Madonna von Altötting, die ich geschnitzt habe", sagt Pfeffer.

„Für mich hat sich niemals die Frage gestellt: Warum hat Gott das zugelassen? Für mich war immer klar: Gott hat mich beschützt.“

—  Zitat: Marco Pfeffer über seinen Leidensweg

Altötting, 90 Kilometer östlich von München, ist Deutschlands größter Wallfahrtsort. Mehr als eine Million Menschen pilgern jährlich dorthin. Marco Pfeffer gehörte 2016 erstmals dazu.

Es war die Zeit zwischen den zwei letzten Operationen. "Ich hatte auf einmal den Drang, nach Altötting zu fahren", erinnert sich Pfeffer. "Keine Ahnung, wieso." Aber etwas zog ihn an. Und Pfeffer folgte. Im Rollstuhl, gestärkt von hochkalorischer Sondennahrung. Die eigentliche Stütze aber wurde dann die Schwarze Madonna, das berühmte Gnadenbild Mariens: "Es ist für mich seither eine Kraftquelle."

Weg als Priester?

Seine Kopie weilt derzeit nicht in der Kapelle in Gerolfing, sondern in Scheyern im Erzbistum München und Freising. Dorthin ist Pfeffer zum Pastoralpraktikum gezogen. Er absolviert aktuell ein Theologie-Fernstudium, um Gemeindereferent zu werden. Nicht Pfeffers erste Profession: Er hat nach der Mittleren Reife zunächst Ausbildungen als Florist und Kinderpfleger gemacht. Ob da noch eine vierte folgen könnte, früher hat er doch so gerne Priester gespielt? "Nicht auszuschließen", meint Pfeffer. "Aber im Moment ist das nicht dran."

Außerdem ist die Drei doch eine wichtige Zahl für ihn: Mit knapp drei geschah das Unglück, es folgten drei Krankenhäuser, drei Ausbildungen; nicht zu vergessen die göttliche Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, an die Pfeffer so fest glaubt. Er lacht: "Fehlt eigentlich nur noch eine dritte Kapelle ..."

Von Christopher Beschnitt (KNA)