DBK-Vorsitzender Wilmer bedauert Timmerevers-Rücktritt
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, hat sein Bedauern über den vorzeitigen Rücktritt des Dresdner Bischofs Heinrich Timmerevers ausgedrückt. "Für das Bistum, dem Du mit großem Engagement gedient hast, und für die Deutsche Bischofskonferenz, der Du 25 Jahre angehörtest, bedeutet Dein Rücktritt einen großen Verlust", schrieb Wilmer am Mittwoch in einem Brief an Timmerevers, aus dem die DBK zitierte. Es sei beeindruckend, wie Timmerevers 2016 "mit Mut und Vision" seine angestammte Heimat im Bistum Münster verlassen habe, "um noch einmal in einem Alter aufzubrechen und Neues zu beginnen, in dem andere schon an den Ruhestand denken".
Vorzeitiger Rücktritt von Timmerevers
Papst Leo XIV. hatte das Rücktrittsgesuch Timmerevers', das dieser nach eigenen Angaben bereits vor Monaten gestellt hatte, am Mittwochmittag angenommen. Damit ist das Bistum Dresden-Meißen mit seinen rund 124.000 Katholiken ab sofort vakant. Timmerevers war seit 2016 Oberhirte von Dresden-Meißen gewesen; erst vor wenigen Tagen, am 27. August, hatte er den zehnten Jahrestag seiner Amtseinführung begehen können. Zuvor war er seit 2001 Weihbischof im Bistum Münster und Bischöflicher Offizial in Vechta gewesen. Timmerevers trat wenige Tage nach seinem 74. Geburtstag und damit ein Jahr vor Erreichen der Altersgrenze für katholische Bischöfe zurück. In einer Stellungnahme begründete er den Rücktritt am Mittwoch mit nachlassenden Kräften: "Ich spüre, dass die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben in dieser Verantwortung enorme Kraft gekostet haben." Daher habe erbeschlossen, die Leitung des Bistums in jüngere Hände zu übergeben.
"Innerhalb schnellster Zeit bist Du im Bistum Dresden-Meißen heimisch geworden", so Wilmer in seinem Brief weiter. Dies sei nicht nur einfach gewesen, "denn einmal mehr hatte der Heilige Stuhl einen Bischof für Ostdeutschland ernannt, der aus dem Westen kam". Timmerevers sei es auf einfühlsame Weise gelungen, einen Draht zu den Menschen in Sachsen aufzubauen, ihnen zuzuhören, ihre Sorgen und Nöte zu verstehen und gleichzeitig ihre Hoffnungen zu fördern.
Zweiter vorzeitiger Rücktritt innerhalb von zwei Wochen
Timmerevers sei es immer wichtig gewesen, von den eigenen Erfahrungen zu erzählen, so der DBK-Vorsitzende. "Über Aufbrüche im Osten, über das Schließen von Kirchen, über Taufen von jungen Menschen und über Bestattungen, bei denen oft das Kreuz auf dem Sarg fehlte. Und immer hast Du die Menschen hervorgehoben, von ihren Geschichten erzählt und ihre Momente des Glaubens geteilt. So ist Dir etwas Großartiges gelungen: Kirche als soziale Gestalt ebenso erfahrbar zu machen wie Kirche als lebendigen Ort des Glaubens." Als herausfordernd für Timmerevers bezeichnete Wilmer die Umstrukturierungsprozesse im Bistum Dresden-Meißen sowie "die Aufarbeitung des dunklen Kapitels des sexuellen Missbrauchs in der Kirche". Timmerevers' "konsequentes Vorgehen auf diesem Gebiet" und seine Mitarbeit in der Bischöflichen Fachgruppe für Fragen sexuellen Missbrauchs und von Gewalterfahrungen seien für die Bischofskonferenz unverzichtbar gewesen.
Unterdessen hatte sich auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch bei seinem Amtskollegen bedankt: "In den zehn Jahren seines Dienstes als Bischof des Bistums Dresden-Meißen hatten wir immer wieder die Gelegenheit, uns persönlich zu begegnen, uns auszutauschen, uns in vielen wichtigen Fragen abzustimmen und zu versuchen, in möglichst vielen Feldern in Eintracht vorzugehen". Timmerevers folgte 2016 als Dresdner Bischof auf Koch. "Verbunden hat uns die Sorge um die Verkündigung der christlichen Botschaft in einer Gesellschaft, in der nur eine Minderheit der katholischen Kirche angehört und in der die christlichen Werte zunehmend durch radikale Kräfte infrage gestellt werden. Auch hier waren wir gemeinsam auf der Suche nach neuen Wegen", so Koch.
Timmerevers' Rücktritt ist der zweite vorzeitige Rücktritt eines deutschen Diözesanbischofs innerhalb von zwei Wochen: Am 19. August hatte Papst Leo XIV. bereits den mit gesundheitlichen Problemen begründeten Amtsverzicht des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann angenommen. (stz/mtr)
02.09.26, 17:25 Uhr: Ergänzt um Reaktion des Berliner Erzbischofs Heiner Koch
