Erschüttert über Verharmlosung der AfD

Magdeburger Bischof: Menschen sind verführbar, das macht mir Angst

Veröffentlicht am 05.09.2026 um 09:18 Uhr – Lesedauer: 

Augsburg/Magdeburg ‐ Gerhard Feige ist seit 2005 Bischof von Magdeburg. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnt er erneut vor der AfD. Außerdem verrät er, wo er seinen Ruhestand verbringen will.

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Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige spricht im Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag von "Angst". Feige sagte der "Augsburger Allgemeinen" vom Wochenende: "Menschen sind verführbar, zu allen Zeiten. Das macht mir Angst. Jetzt wieder." Die AfD werde normalisiert und damit verharmlost, das erschüttere ihn. "In den vergangenen Jahren gab es so viele Dammbrüche und Grenzverletzungen."

Feige führte aus, inzwischen sei vieles, das die AfD propagiere, im Alltag angekommen. "Die Begriffe 'Altparteien' oder 'Remigration' sind nun das Normalste der Welt, alle sprechen davon. Dabei ist mit Remigration die Zwangsausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte gemeint." Nach dem "Potsdamer Treffen" von Rechtsextremen und AfD-Politikern zu Remigrations-Plänen seien Anfang 2024 Hunderttausende Menschen dagegen auf die Straßen gegangen. "Heute steht das Wort im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt – und das stört viele offensichtlich nicht."

Sprache und Bewusstsein

Der Bischof erinnerte: "Victor Klemperer hat 1947 über die Sprache des Nationalsozialismus geschrieben – und wie über die Sprache das Bewusstsein verändert wird."

Er verstehe immer besser, wie es einst zum Erstarken der NSDAP kam, so Feige. "Die Demokratie trägt ein Selbstzerstörungspotenzial in sich. Sie lässt sich mit ihren eigenen Methoden abschaffen." Daher sei er überzeugt: "Nicht jeder, der demokratisch wählt oder gewählt wird, ist ein Demokrat."

Feige äußerte sich auch zu seinen persönlichen Zukunftsplänen. Zu seinem 75. Geburtstag am 19. November hat er dem Papst bereits Ende Juli seinen Rücktritt angeboten, wie es das Kirchenrecht vorsieht. Auf die Frage, wo er seinen Ruhestand verbringen wolle, sagte der Bischof: "Manche dachten, ich ziehe in meine Geburtsstadt Halle. Ich hatte auch mal an Erfurt gedacht, wo ich vor meiner Bischofszeit 17 Jahre gelebt habe. Aber ja: Ich will in Magdeburg bleiben." (KNA)