Papst-Besuch steht an

Immer im Rampenlicht: Pariser Erzbischof Laurent Ulrich wird 75

Veröffentlicht am 06.09.2026 um 11:30 Uhr – Von Alexander Brüggemann (KNA) – Lesedauer: 

Paris ‐ In turbulenten Tagen kam der Erzbischof von Lille, Laurent Ulrich, 2022 in Frankreichs größte Diözese nach Paris. Seither reißen die Großereignisse nicht ab.

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So viele Personen des öffentlichen Lebens müssen heute aufpassen, mit welchem Bild sie der Nachwelt überliefert werden wollen. In einer Zeit der Bilder muss das auch den Pariser Erzbischof beschäftigen – Laurent Ulrich, der nun, am Montag (7. September), 75 Jahre alt wird. Nicht dass er nicht binnen vier Jahren in Paris schon viele "wahrlich erhebende" Auftritte gehabt hätte. Doch an jenem ganz buchstäblich welthistorischen Tag im Dezember 2024 trug er eben ... - ja, was eigentlich?

Der Präsident der Republik stand da, in strömendem Regen und, wie es das historische Bild befahl, demütig klein: Emmanuel Macron. Gleich neben ihm, einen ganzen Kopf größer, mit dumpfem Gesichtsausdruck und leuchtend roter Krawatte, ein verurteilter Straftäter. Ohne Amt, doch seit wenigen Tagen gewählter Präsident der USA und, Macron das Bild seines Lebens stehlend: Donald Trump. Dahinter, in maximaler textiler Schlichtheit diplomatisch einsortiert, die komplette politische Elite der ganzen Welt; minus Papst Franziskus vielleicht.

Und sie alle warteten auf ihn: Laurent Ulrich. Der Erzbischof von Paris, der in den Jahren seit seinem Amtsantritt noch nie auf seinem Bischofsstuhl hatte Platz nehmen dürfen, klopfte mit einem grotesk großen Krummstab an das Kirchenportal, auf dass ihm geöffnet werde: Eines der berühmtesten Gotteshäuser der Welt, die Kathedrale Notre-Dame de Paris, war gut fünf Jahre nach ihrem verheerenden Brand wieder da!

Machen von Geschichte

Alles an der pompösen Feier war minuziös vorbereitet. Restlos alles war auf das Machen von Geschichte ausgelegt; und die ganze Weihe war auch ohne Zweifel ein Triumph! Nur: Wer hatte bloß das liturgische Gewand des Erzbischofs freigegeben? An die Tür seiner Kirche klopfte: ein Harlekin? Flächig gelb; weiß, blau, rot: ein Mondrian mit Mitra, im besten Fall; ein glückloser Gandalf im schlechteren. Nach diesem Entrée durfte Ulrich den bunten Mantel ablegen und am Ende den neuen Bronzealtaltar mit Salb-Öl bestreichen. Das war dann endlich eines Hirten würdig.

Seither ist Laurent Ulrich nicht mehr Kühlerfigur präsidentieller Inszenierung, sondern wieder das, was er eigentlich seit April 2022 ist: Erzbischof von Paris. Weniger Zinnober hätte er gehabt, wäre er als Erzbischof in Lille geblieben. Doch die Verhältnisse waren nicht so. Sein Vorgänger in Paris, Michel Aupetit, war vom französischen Boulevard ob seiner Amtsführung und seines Privatlebens gehetzt worden – und Papst Franziskus (2013-2025), warum auch immer, gab der Meute in diesem Fall sehr rasch nach.

Die Rede war von einer Affäre Aupetits mit einer erwachsenen Frau – vor seiner Zeit als Erzbischof. Ein zweideutiges Verhalten räumte der dann auch ein, wies jedoch ein Verhältnis klar zurück. Frankreichs Kirche, in jenen Jahren fast tagtäglich gedemütigt, stand plötzlich ohne Hauptstadt-Hirten da; und auch Papst Franziskus. Wen holen in der größten Not?

Bild: ©Kathpress / Andreas Gutenbrunner

Erstrahlt in neuem Glanze: Die Kathedrale Notre-Dame de Paris.

Der in Dijon in Burgund geborene Ulrich galt als Mann des Dialogs; umgänglich, zurückhaltend, entschlossen. Er sprang in die Bresche. In Paris wurde er – mit bereits 70 Jahren altersgleich mit dem geschassten Aupetit – eher als ein "Erzbischof des Übergangs" wahrgenommen. Dabei kamen, zur "Jahrhundertbaustelle" von Notre-Dame, noch zahlreiche innerkirchliche Baustellen hinzu, allen voran die Verwerfungen infolge der kirchlichen Missbrauchsskandale.

Das Amt von Frankreichs Hauptstadtbischof ist immer auch ein sehr politisches. In der gesellschaftlichen Debatte, zuletzt um aktive Sterbehilfe und assistierten Suizid, werden vom Pariser Erzbischof konstruktive Beiträge erwartet. Ulrichs soziale und pastorale Positionierung sahen kirchliche Beobachter seither in Einklang mit Papst Franziskus – und mit seinem Nachfolger Leo XIV., der nun, Ende September, zu einem erneut bildgewaltigen Besuch in Paris erwartet wird.

Ulrich wurde 1979 zum Priester für sein Heimatbistum Dijon geweiht. Zunächst Pfarrer in Beaune, dann Bischofsvikar und Generalvikar, wurde er 2000 von Johannes Paul II. (1978-2005) zum Erzbischof von Chambery, Maurienne und Tarentaise ernannt. Ulrichs Bischofsmotto lautet: "Freude am Glauben".

Glauben in der modernen Welt

Und die brauchte er auch: 2007 wurde er, in der hohen Zeit der Missbrauchsaufklärung, zum Vize-Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenz gewählt; und 2008 machte ihn Benedikt XVI. zum Bischof von Lille, wenige Wochen später zum Erzbischof.

Studiert in Philosophie und Theologie, widmete Ulrich seine Abschlussarbeit dem Thema "Glauben bekennen in der modernen Welt". Aus der Industriemetropole Lille im hohen Norden war er mit den Problemen ärmerer ländlicher oder Arbeiterviertel und mit der dramatischen Situation von Migranten vertraut – die ihm nun, nur potenziert, in der Multi-Millionen-Metropole Paris wiederbegegnen.

Wartet auf Laurent Ulrich bald die Kardinalswürde – eigentlich das natürliche Schicksal für Erzbischöfe von Paris? Wahrscheinlich. Papst Franziskus bevorzugte zwar Papua vor Paris und Vanuatu vor Venedig. Leo XIV. geht seinen Weg "an die Ränder der Weltkirche" aber auf eine andere Weise. Und der Pariser Kardinalshut ist auch sozusagen frei, seit Ulrichs Vor-Vorgänger André Vingt-Trois vor einem guten Jahr mit 82 Jahren starb. Es wäre eine Farbe, die den ruhigen Vertreter aus Dijon wohl besser kleidet als ein wandelnder Mondrian.

Von Alexander Brüggemann (KNA)