Kölner Sozialpfarrer Meurer: Zölibat vielleicht nicht haltbar

Der deutschlandweit bekannte Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer stellt den priesterlichen Zölibat infrage. "Es wird die Frage sein auf Dauer, ob die Kirche in einem Land wie unserem den Zölibat noch vorschreiben kann", sagte Meurer im Interview der Woche des Deutschlandfunks. Er halte es für eines der schwierigsten Dinge, allein zu leben. "Der größte Verzicht für mich war der Verzicht auf Familie, um dem Herrjott zu gefallen", sagte der katholische Geistliche.
Meurer macht sich auch für mehr Rechte von Frauen in der Kirche stark. "Wir müssen uns ja klar vor Augen führen, die Weltkirche ist der Grund dafür, dass die Frauen bei uns nicht in Ämter kommen", sagte Meurer. Kirche ohne Frauen sei jedoch nicht vorstellbar. Dass Frauen und Männer nicht nur die gleichen Rechte haben, sondern auch die gleichen Positionen bekommen sollten, sei in anderen Kulturen aber nur schwer zu vermitteln. Meurer plädierte dafür, manches ohne klare Regelung einfach zu machen. So predigten etwa viele Frauen in der Messe, obwohl sie das offiziell nicht dürften.
Zudem sprach sich der Geistliche, der rund 34 Jahre in den armutsgefährdeten Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst tätig war, für eine arme Kirche aus: "Ja, die Kirche, die bei den Menschen ankommt, ist eine einfache Kirche." Die Botschaft Jesu solle zuerst durch Handeln verkündet werden und nur notfalls auch mit Worten, so Meurer.
Gas geben in der Ökumene
"Ich wünsche mir eine katholische Kirche, die mehr Gas gibt in der Frage der Ökumene", sagte Meurer. Außerdem eine Kirche, die regionaler denkt. Die Situation in anderen Ländern könne von Deutschland aus nicht geändert werden. "Das wäre ein neuer Kolonialismus." Aber die aktuelle Situation erfordere, dass die Kirche die Demokratie fördere. "Ich bin sehr froh über alles, was unsere katholische Kirche in Deutschland zum völkischen Nationalismus gesagt hat", so Meurer.
Weiterhin rief Meurer zu ehrenamtlichem Engagement in der Gesellschaft auf. "Wir brauchen gesellschaftliche Gruppen, Vereine, Bürgervereine, die sich beteiligen, das Miteinander zu organisieren", sagte er. Er selbst sei für einen schlanken Staat. Doch ohne Unterstützung aus der Gesellschaft heraus könne eine Kommune oder ein Staat das Zusammenleben nicht organisieren. (cph/KNA)