Papst Leo XIV. für andere Konfliktkultur in der Kirche

Eine radikal andere Konfliktkultur hat Papst Leo XIV. für die Mitglieder christlicher Kirchen gefordert. Beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz sagte er am Sonntag, Jesus gebe "jeder christlichen Gemeinschaft mindestens zwei Wege vor, die gegenseitige Liebe zu leben". Der erste Weg sei die sogenannte brüderliche Zurechtweisung.
Diese bis heute vor allem in Ordensgemeinschaften praktizierte Form der Konfliktaustragung sei "eine feinsinnige und allzu oft vergessene Kunst, die Offenheit und behutsames Vorgehen erfordert". Weiter führte der Papst aus: "Offen miteinander zu sprechen – zunächst unter vier Augen, dann, falls nötig, unter zwei oder drei Personen, und schließlich, wenn notwendig, mit der gesamten Gemeinschaft – bedeutet, sich der Wirklichkeit zu stellen und Probleme und Konflikte in Prozesse zum Wachstum zu verwandeln."
Die von manchen Christen bevorzugten Wege der "Klagen und Lästereien" wirkten zwar einfacher, führten aber zu nichts – außer zu Stillstand in vielen Situationen. Als zweiten Weg der geschwisterlichen Einigung für Christen empfahl der Papst das gemeinsame Gebet.
Gemeinsame Hoffnungen haben
Jesus habe gesagt: "Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten." Dies setze voraus, "dass wir gemeinsame Wünsche, gemeinsame Leiden und gemeinsame Hoffnungen haben und durch das Gebet in der Einheit wachsen können". Weiter sagte er: "Durch die Gnade sind wir Brüder und Schwestern, die sich einigen können, indem wir uns begegnen, vergeben und im Herrn einander zuhören."
Leo XIV. begrüßte weiterhin die jüngsten Bemühungen um eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges auf dem Verhandlungsweg. "Ich appelliere erneut, Gewalt und Zerstörung zu beenden und die Herzen für Dialog und Frieden zu öffnen." Vor dem Hintergrund der aktuellen Vermittlungsbemühungen US-amerikanischer Unterhändler in Moskau und Kiew fügte er hinzu: "Ich hoffe, dass die in diesen Tagen unternommenen Versuche, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, zu konkreten Ergebnissen führen und den Raum für die Diplomatie öffnen werden."
Zuvor hatte er die jüngsten schweren Angriffe auf die Ukraine scharf verurteilt. Die Nachrichten über den Tod unschuldiger Menschen in vielen ukrainischen Städten habe er mit Schmerzen verfolgt. Er sei den leidenden Menschen nahe, die seit Jahren in Angst und Schrecken lebten. (cph/KNA)