Kloster sieht Bistümer in Verantwortung

Abtei relativiert Anselm Grüns Dementi in Missbrauchsfall

Veröffentlicht am 08.09.2026 um 18:24 Uhr – Lesedauer: 

Paderborn/Schwarzach am Main ‐ Nach einer internen Prüfung erklärt die Abtei Münsterschwarzach: Anselm Grün war offen für den weiteren Seelsorgeeinsatz eines missbrauchsbeschuldigten Priesters. Grüns anfängliche Zurückweisung sei überstürzt gewesen.

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Nach Kritik an dem Ordensmann und Bestsellerautor Anselm Grün im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall hat die Abtei Münsterschwarzach Grüns erste Zurückweisung relativiert. Grün habe sich 1992 für einen weiteren seelsorglichen Einsatz eines missbrauchsbeschuldigten Priesters offen gezeigt, teilte ein Sprecher des Klosters am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.

Hintergrund ist der aktuelle Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn. Darin wird Grün wegen seines Umgangs mit einem Paderborner Priester kritisiert, der sexuelle Handlungen an einem damals 16-Jährigen eingeräumt hatte und gegen den später ein Strafbefehl erging.

Gespräch im Recollectio-Haus

Nach Darstellung der Kommission hielt sich der Geistliche 1992 im Recollectio-Haus in Münsterschwarzach auf, dessen Mitgründer und geistlicher Leiter Grün ist. Bei einem Gespräch mit dem Priester und dem Paderborner Personalchef habe Grün für die Einschätzung des Priesters eingestanden, dieser sei nicht homosexuell veranlagt.

Zudem habe Grün seine Bereitschaft erklärt, den Geistlichen in das Benediktinerkloster aufzunehmen, und vorgeschlagen, ihn bis dahin in einer Gemeinde im Bistum Würzburg in der Seelsorge einzusetzen. Das Bistum Würzburg stimmte dem Einsatz dem Bericht zufolge im September 1992 zu. Der Priester war später bis 2009 im Bistum Würzburg und anschließend im Bistum Erfurt tätig.

Grün wies Vorwurf zunächst zurück

Grün hatte den Vorwurf zunächst zurückgewiesen. "Ich kann mich an den Fall nicht erinnern und schließe das auch aus", sagte er am Freitag der KNA. Bei Menschen, die im Recollectio-Haus Hilfe gesucht hätten, habe er nie Bestätigungen oder Empfehlungen ausgesprochen. Nach interner Prüfung teilte der Abteisprecher nun mit, Grüns telefonischer Kommentar sei überstürzt gewesen. Grün bedaure, wenn sein Kommentar Irritationen verursacht habe.

Der grundsätzliche Vorschlag für einen Einsatz des Priesters in der Seelsorge und für einen räumlichen Wechsel nach Unterfranken sei allerdings vom Erzbistum Paderborn ausgegangen, so der Sprecher weiter. Eine direkte Vermittlung durch Grün an das Bistum Würzburg oder an eine konkrete Gemeinde habe es nicht gegeben. Organisation und Umsetzung hätten bei den beteiligten Diözesen gelegen. Zugleich räumte der Sprecher ein, dass das Recollectio-Haus in seinen Anfangsjahren auch Menschen aufgenommen habe, die als sexuell übergriffig aufgefallen seien. Die Arbeit der Einrichtung sei in den vergangenen 35 Jahren regelmäßig an neue psychologische Erkenntnisse angepasst worden. Die Aufdeckung der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg im Jahr 2010 habe dabei eine "klare Zäsur" dargestellt. Seitdem würden sexuell übergriffige Menschen nicht mehr aufgenommen.

Studie laut Abtei nicht möglich

Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz hatte am Montag eine umfassende Aufklärung des Vorwurfs gegen Grün und eine unabhängige Untersuchung des Recollectio-Hauses gefordert. Der Sprecher erklärte dazu, die Abtei verstehe diesen Wunsch und stehe für fachlichen Austausch und klärende Gespräche offen. Zugleich verwies er auf die gesetzlich geregelte Schweigepflicht. Eine Einsicht in Akten zu konkreten Fällen sei nur mit Zustimmung der jeweiligen Gäste erlaubt. (KNA)