Vortrag hatte weltweit Proteste ausgelöst

Dogmatiker: "Regensburger Rede" Benedikts XVI. bleibt Herausforderung

Veröffentlicht am 10.09.2026 um 10:20 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Vor 20 Jahren löste Benedikt XVI. mit einer Rede an der Universität Regensburg einen Eklat aus. Dabei bleibe ihr Thema Glaube und Vernunft ungebrochen aktuell, meint der Dogmatiker Jan-Heiner Tück.

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Die "Regensburger Rede" von Papst Benedikt XVI. (2005–2013) formuliert nach Meinung des Wiener Dogmatikers Jan-Heiner Tück bis heute Herausforderungen für eine zeitgemäße Theologie. Der Eklat um ein Islamzitat des Papstes habe das Thema Glaube und Vernunft, das die eigentliche Stoßrichtung der Rede darstelle, überlagert, sagte Tück in seinem aktuellen Podcast "Diesseits von Eden". Der Vortrag von Benedikt XVI. am 12. September 2006 an der Universität Regensburg hatte weltweit teils gewaltsame Proteste ausgelöst.

Als weiterhin bedeutsam nannte Tück die Forderung, dass zeitgemäße Theologie "traditionssensibel" auch in dem Sinne sein müsse, dass sie Kategorien und Sprachangebote der griechischen Philosophie als konstitutiv für das Christentum verstehe. Benedikt XVI. habe daran erinnert, dass diese Allianzen und Durchdringungen von Glaube und griechischer Philosophie das Christentum von Beginn an bestimmt hätten, etwa auch im Konzil von Nizäa 325.

Laut Tück reagierte Benedikt XVI. auf "metaphysikkritische Tendenzen" in der gegenwärtigen Theologie und warnte am Beispiel verschiedener "Enthellenisierungswellen" in der Kirchengeschichte vor einer Relativierung wesentlicher christlicher Glaubensinhalte. Man müsse die Thesen Benedikts XVI. nicht zwingend teilen, sie seien aber wichtige Marksteine für die Orientierung der Theologie in der Gegenwart, so Tück.

Frage der Gewalt weiter offen

Mit Blick auf die Empörungswellen in der islamischen Welt über ein Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos (1350–1425) sagte Tück, eine bleibende Aufgabe im christlich-islamischen Dialog sei die Klärung des Gewaltpotenzials von Religion. Dies betreffe Christentum und Islam in ähnlicher Weise. Auch hier weise die "Regensburger Rede" einen Weg, insofern die Rückkopplung des Glaubens an die Vernunft ein "Domestizierungspotenzial gegenüber gewaltträchtigen Gottesinterpretationen" biete.

Als unzulässig bewertete Tück kollektive Vorbehalte, wie sie aktuell mit dem Schlagwort des "politischen Islam" vorgebracht würden. "Im Spektrum des heutigen Islam gibt es problematische Tendenzen, die die liberale demokratische Rechtsordnung im Sinne eines Scharia-Islam aushöhlen wollen. Hier ist politische Wachsamkeit wichtig", sagte Tück. Den Islam aber unter Generalverdacht zu stellen, sei kontraproduktiv. (KNA)