Kirche habe Notfallpläne für AfD-Landesregierung

Bätzing zehn Jahre im Amt: Es macht Spaß, Bischof zu sein

Veröffentlicht am 11.09.2026 um 13:40 Uhr – Lesedauer: 

Limburg ‐ Vor zehn Jahren wurde Georg Bätzing als Limburger Bischof eingeführt. Aus diesem Anlass hat er sich jetzt zu den vielen Herausforderungen im Amt geäußert – und Notfallplänen für den Fall einer AfD-Landesregierung.

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Trotz schwindender Mitglieder und Ressourcen sieht der Limburger Bischof Georg Bätzing dennoch Zukunftsperspektiven für die Rolle der Kirche in der Gesellschaft. "Wir werden weniger und ärmer werden. Aber wir werden keine Kirche im Rückzug sein", sagte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Freitag in Limburg. Er blickte zurück auf zehn Jahre im Amt. Die Kirche sei kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Menschen mit Menschen sowie Menschen mit Gott zusammenzubringen. Daher müssten Kirchengemeinden fragen, wie sie auch mithilfe von gesellschaftlichen Kooperationspartnern gute Angebote für die Menschen machen könnten. Auch die evangelische Kirche sei da eine bewährte Partnerin.

Sein Bistum will sich in den kommenden zehn Jahren neben der Seelsorge in den Bereichen Bildung und soziale Hilfe engagieren. Dazu habe die Diözese ein neues Leitbild entwickelt. "Sparen ist keine Vision", sagte Bätzing mit Blick auf den Veränderungsprozess, in dem sich das Bistum befindet. 100.000 Mitglieder habe die Diözese seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren am 18. September 2016 verloren. Man müsse in den kommenden zehn Jahren den Haushalt um ein Drittel kürzen, so der 65-Jährige. Das Bistum will bis zum Jahr 2035 gut 101 Millionen Euro einsparen.

Angesichts der Herausforderungen sei er dennoch gerne Bischof. "Es macht Spaß, hier zu sein und Bischof zu sein", sagte er. Als Bischof und als Priester sei es ihm von Beginn an wichtig gewesen, Vertrauen zu schenken und um Vertrauen zu werben. "Vertrauen kann man nicht zurückgewinnen, man kann es nur in gemeinsamen Erfahrungen neu aufbauen", sagte er mit Blick auf die Situation, in der er vor zehn Jahren die Bistumsleitung übernommen hatte. Bätzing war 2016 zum Nachfolger von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ernannt worden. Tebartz-van Elst war nach massiver Kritik an seiner Amtsführung und immensen Kosten für ein neues Diözesanzentrum, das auch die Bischofswohnung umfassen sollte, zurückgetreten.

Notfallpläne für Folgen einer AfD-Landesregierung

Im Falle einer AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt hält Bätzing bestimmte Gespräche mit der rechtsextremen Partei für unvermeidlich. "Ich bin nicht bereit, mit den Ideologen dieser Partei zu reden, denn ich weiß nicht, worüber", sagte der Bischof. "Ganz anders ist die Situation, wenn wir uns vorstellen, es gäbe oder es gibt demnächst eine Landesregierung, die von der AfD bestimmt wird." Bätzing zog Parallelen zur Lage der Kirchen im SED-Staat: "Die Kirche hat offiziell auch nicht mit dem Sozialismus der DDR geredet. Da gab es keine offiziellen Drähte. Aber inoffiziell musste man natürlich auch reden, um die Existenz zu sichern und das karitative Angebot der Kirche aufrechtzuerhalten."

Bätzing ließ erkennen, dass es in der Bischofskonferenz bereits Notfallpläne gebe, falls die Staatsleistungen an die Kirchen oder der Einzug der Kirchensteuer in Sachsen-Anhalt gestoppt würden: "Sollte es zu solchen Übergriffen einer möglichen Regierung kommen (...), dann kann man dagegen klagen, denn das ist nicht rechtens." Die Gegner der Kirche rechneten damit, dass der Rechtsstreit lange dauern und der Kirche massiven Schaden zufügen würde. "Dann müssen wir einspringen. Das ist uns klar und das ist auch schon zugesagt. Wir lassen die Menschen dort nicht allein." Vielleicht sei es angeraten, Partnerbistümer in West- und Ostdeutschland schaffen.

Bätzing ließ keinen Zweifel an der Unvereinbarkeit der AfD-Ideologie mit christlichen Werten: "Diese Partei steht eigentlich für alles, was wir nicht unterstützen. Wir möchten ein plurales Land, in dem Menschen unterschiedlichster Couleur miteinander friedvoll leben können. Wir stärken Europa, weil wir glauben, in einem geeinten, starken Europa lebt die Zukunft auch für unser Land. Wir sagen, wir müssen die Ukraine unterstützen in ihrem Kampf gegen einen Putin, der mit seinem Weltbild nicht an den Grenzen der Ukraine Halt macht." (tmg/epd/KNA)