Regensburger Weihbischof: Kirche könnte sich "viri probati" leisten
Der Regensburger Weihbischof Josef Graf kann sich die Priesterweihe bewährter, verheirateter Männer vorstellen. "Ich persönlich bin der Ansicht, dass sich die Kirche 'viri probati' leisten könnte", sagte er im Interview des "Katholischen Sonntagsblatts", der Kirchenzeitung der italienischen Diözese Bozen-Brixen (aktuelle Ausgabe). Der Zölibat habe eine große Tradition und sei ein Carisma, das bei der Ausübung des priesterlichen Dienstes hilfreich sei. "Allerdings wäre die Ehelosigkeit des Priesters nicht eine 'conditio sine qua non', also eine unabdingbare Voraussetzung für den Empfang der Priesterweihe."
Der Priestermangel würde dadurch jedoch nicht beseitigt werden, so Graf weiter. Als Hauptgrund für den Rückgang der Priesteramtskandidaten sieht der Weihbischof, der jahrelang als Spiritual im Regensburger Priesterseminar wirkte, die kirchliche Lage. "Die säkulare Situation ist sicher stärker geworden. Dann gibt es bei uns in Deutschland zum Teil eine sehr unschöne antikirchliche Stimmung." Während es früher eine Ehre für ein Dorf gewesen sei, einen Priesteramtskandidaten hervorzubringen, sei dies heute anders. "Der Priesterberuf ist ein angefochtener Beruf, Stichwort Missbrauchsskandal", so Graf. Dazu habe die Kirche möglicherweise versäumt, den "geistlichen Beruf noch mehr zu fördern".
Im Glauben stehen
Wer Priester werden wolle, müsse in Gott verwurzelt sein, betonte der Weihbischof. "Wenn ich glaubwürdig etwas weitergeben kann, was über die Welt hinausgeht, ist der Priesterberuf ein schöner Beruf." Damit die persönliche Beziehung zu Gott glaubwürdig sei, müsse ein Priester auch "ein Herz für die Menschen haben". Graf erklärte: "Wir müssen als Kirche in diesem Bereich weiterhin tun, was wir zu tun vermögen." Das Betreiben von Schulen oder Krankenhäusern etwa sei Ausdruck dafür, dass der Glaube in der Liebe wirksam werde. "Aber noch grundsätzlicher und entscheidender ist, dass ich im Glauben drinstehe."
Eine Weihe von Frauen zu Priesterinnen sieht Graf als nicht möglich an. Gegen diese sprächen nicht nur die Tradition der katholischen Kirche, sondern "nach wie vor sehr gewichtige theologische Gründe". Der Regensburger Weihbischof verwies auf die evangelische Kirche, die die "katholischen Reizthemen" wie Zölibat und Frauenordination "längst abgehakt" habe und trotzdem auch unter Personalmangel und anhaltendem Mitgliederschwund leide. "Das sage ich nicht mit Schadenfreude, ganz gewiss nicht. Aber man sieht, dass die Wurzel der Probleme woanders ist. Es ist der Glaubensschwund", unterstrich Graf.
Josef Graf (69) ist seit 2015 Weihbischof in Regensburg. Zuvor war er rund 26 Jahre Spiritual, also Geistlicher Begleiter für die Kandidaten im Regensburger Priesterseminar. Das Interview mit der Kirchenzeitung des Bistums Bozen-Brixen wurde anlässlich eines Besuchs von Graf in Jenesien bei Bozen geführt. Dort hielt der Weihbischof bei Gebetstagen die Predigten und half einem Bekannten bei der Weinlese. (mal)
