Entscheidend sei nicht die Zahl der Messbesucher

Theologe Zulehner fordert eine "Europaverwandlung" durch Eucharistie

Veröffentlicht am 15.09.2026 um 10:15 Uhr – Lesedauer: 

Linz ‐ Paul Zulehner stellt die Wirkung der Eucharistie auf den Prüfstand: Entscheidend sei nicht, wie viele Menschen sonntags zur Messe kommen – sondern was die Feier mit den Gottesdienstbesuchern mache.

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Laut Paul Zulehner ist die Eucharistie ein Auftrag zur Veränderung von Kirche und Gesellschaft. Wenn Menschen sich von der Eucharistiefeier tatsächlich verwandeln ließen, müsste dies Folgen für den Umgang mit Geflüchteten, für den Schutz der Schöpfung und für den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit haben, sagte der Pastoraltheologe am Montagabend in einer Meditation beim internationalen Synodenworkshop im oberösterreichischen Schloss Puchberg bei Wels. Die Menschen müssten nach Zulehner dann ein "größeres Herz" für diese Anliegen haben, etwa stärker auf ihren ökologischen Fußabdruck achten, "weit mehr als Söhne und Töchter der Bergpredigt" aus dem Gottesdienst hinausgehen und sich für Frieden einsetzen. Entscheidend sei nicht die Zahl der Menschen, die am Sonntag eine Eucharistiefeier besuche, sondern was die Messfeier mit ihnen mache.

Die Eucharistie sei nicht mit der liturgischen Wandlung von Brot und Wein abgeschlossen, sondern müsse die Feiernden selbst und über sie auch die Welt verändern. Zulehner fragte deshalb, ob es in der Eucharistie tatsächlich um die Verwandlung der Menschen gehe oder nur um jene der Gaben: "Vielleicht sagen gar zu viele derer, die Gott selbst zu einer sonntäglichen Eucharistiefeier zusammengerufen hatte: Gott, verwandle die Gaben, aber uns lass in Ruh?"

Der Theologe bezog diese Gedanken auf die Situation der Kirche in Europa. Der Kontinent sei "nach so vielen Jahren des 'Nie-wieder' voll von Gewalt und Krieg". Hinzu kämen die Belastungen der Schöpfung, Gewalt gegen Frauen sowie Gewalt "am Anfang und Ende des Lebens". Gewalt habe auch das Völkerrecht zerstört. Gerade in diese Situation hinein feiere die Kirche das Gedächtnis des Todes Jesu am Kreuz. Die Frage sei deshalb, ob die Eucharistie tatsächlich dazu führe, dass eine "Europaverwandlung" stattfinde.

Synodalität als Weg zum Frieden

Von gelebter Synodalität als "eucharistischem Weg" sprach Nathalie Becquart, Untersekretärin der Bischofssynode im Vatikan, in einer weiteren Meditation. Auch sie betonte, Synodalität verlange innere Veränderung: Wer sich auf einen synodalen Prozess einlasse, müsse bereit sein, "auf unsere eigenen, stets begrenzten Visionen zu verzichten" und sich im Dialog verändern zu lassen. Es gehe darum, "auf der Suche nach Konsens auf die Impulse des Heiligen Geistes zu hören".

Ausgangspunkt von Synodalität sei immer die jeweilige Realität der Ortskirche mit ihrer Geschichte, ihren Gaben und Wunden. Es gehe darum, Inkulturation und zugleich den Austausch zwischen den Kirchen und den Mitgliedern des Volkes Gottes zu fördern. "Wir alle befinden uns noch in einem Lernprozess", so Becquart. Für Europa habe dies angesichts von "Spaltungen, Polarisierungen, Konflikten und Kriegen" besondere Bedeutung. Die Kirche müsse Beziehungen zwischen Menschen, Kulturen und Kirchen stärken und lernen, Verschiedenheit in einer gemeinsamen Bewegung zusammenzuhalten.

Rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern tagen von Montag bis Donnerstag in Oberösterreich, um unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven europäischer Ortskirchen zusammenzuführen und daraus eine "Roadmap" für die weitere Umsetzung der Weltsynode zu entwickeln. Organisiert wird die Tagung von der Abteilung für Synodalität der Katholischen Privat-Universität Linz gemeinsam mit der europäischen Taskforce für Synodalität und unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). (KNA)